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Libanons Zentralbank fordert internationale Hilfe für wirtschaftliche Erholung

Der Gouverneur der libanesischen Zentralbank mahnt: Ohne externe Finanzierung drohen selbst gut konzipierte Reformen zu scheitern.

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Libanons Zentralbank fordert internationale Hilfe für wirtschaftliche Erholung

Die Wirtschaftskrise des Libanon ist kein Zufall. Der Gouverneur der Zentralbank des Libanon beschreibt sie als das „vorhersehbare Ergebnis fiskalischer Disziplinlosigkeit durch dilettantische Regierungen, monetärer Fehlsteuerung durch die Zentralbank und der konzentrierten Fehlallokation privater Ersparnisse durch den Bankensektor". Diese schonungslose Selbstkritik bildet den Ausgangspunkt für eine dringende Botschaft an die internationale Gemeinschaft: Der Libanon braucht jetzt finanzielle Unterstützung.

Jüngste politische Anpassungen der Regierung zeigen erste Wirkung. Die Haushaltssalden haben sich verbessert – primär durch höhere Steuereinnahmen und begrenzte Ausgaben. Doch der Zentralbankgouverneur betont: Dies reicht nicht aus, um alle Hindernisse für eine Erholung zu beseitigen.

Bankenrestrukturierung als Schlüssel zur Stabilisierung

Ein zentrales Element der Erholung ist die Restrukturierung des Bankensektors. Der von der Zentralbank vorgeschlagene Rahmen erkennt eine wesentliche Wahrheit an: Verluste müssen zwischen den Hauptbeteiligten – dem Staat, der Zentralbank und den Geschäftsbanken – aufgeteilt werden, bevor ein Aufschwung Gestalt annehmen kann. Besonders hervorgehoben wird dabei der Schutz kleiner Einleger, die fast 90 Prozent aller Konten ausmachen – eine Maßnahme, die laut dem Gouverneur „sowohl ökonomisch rational als auch gesellschaftlich notwendig" ist.

Ein Bankensystem, so die klare Analyse, kann nicht auf wertgeminderten Vermögenswerten und unzureichendem Kapital wiederaufgebaut werden. Es muss entweder mit frischem Eigenkapital rekapitalisiert oder ernsthaft verkleinert werden. Alles dazwischen verlängert lediglich die Stagnation.

Das geschwundene Vertrauen in die Banken hat dazu geführt, dass ein großer Teil der wirtschaftlichen Aktivität in den Bargeldbereich abgewandert ist. Eine bargeldbasierte Wirtschaft schwächt jedoch die Steuereinnahmen, schadet dem Wachstum und begünstigt illegale Finanzaktivitäten. Die Zentralbank unterstützt deshalb straf- und zivilrechtliche Schritte im In- und Ausland gegen ehemalige Beamte und Bankverantwortliche, die in systemischen Betrug verwickelt sind – mit dem Ziel, veruntreute Gelder zurückzufordern und die Rechte der Einleger zu wahren.

IWF-Verhandlungen als letzter glaubwürdiger Weg

Der Internationale Währungsfonds (IWF) steht in intensivem Austausch mit der libanesischen Regierung. Laut dem Zentralbankgouverneur ist ein IWF-Programm „wohl der letzte glaubwürdige Weg, um Reformen und eine nachhaltige Erholung zu verankern". Da der Libanon kaum Spielraum für Gegenbedingungen habe, stünden die Chancen für ein Abkommen eher positiv.

Internationale Akteure haben bislang vor allem Ratschläge und prinzipielle Unterstützung angeboten – die finanzielle Hilfe blieb jedoch begrenzt. Dieses Zögern, so der Gouverneur, spiegele eine bekannte Präferenz wider: politische Korrekturen abzuwarten, bevor Kapital bereitgestellt wird. Doch Stabilisierung erfordere oft, dass beides gleichzeitig geschieht. Ohne Brückenfinanzierung riskierten selbst gut konzipierte Reformen zu scheitern, bevor sie greifen könnten.

Ein weiterer, kaum kalkulierbarer Faktor belastet die Lage zusätzlich: bewaffnete Konflikte. Krieg bringe Unsicherheit mit sich, die Investitionen abschrecke, die Kapitalflucht beschleunige und die Gewinne aus politischen Reformen zunichtemache. Unter solchen Bedingungen erzielten selbst solide wirtschaftliche Maßnahmen nur geringe Erträge.

Potenzial vorhanden – aber Bedingungen müssen stimmen

Das wirtschaftliche Potenzial des Libanon ist laut dem Gouverneur nicht spekulativ. Seine historische Rolle als regionales Zentrum für Dienstleistungen – Bildung, Gesundheitswesen, Finanzen – und Handel sei gut dokumentiert. Die entscheidende Frage sei nicht, ob diese Rolle wiederhergestellt werden könne, sondern ob die Bedingungen für ihre Rückkehr wieder entstehen dürften.

Die internationale Gemeinschaft stehe vor einer klaren Wahl: eine reformorientierte Regierung jetzt zu unterstützen – oder die Hilfe aufzuschieben und eine weitaus instabilere Realität zu riskieren. Der Gouverneur schließt mit einem nüchternen Fazit: „Wirtschaftliche Ergebnisse werden nicht durch Absichten bestimmt. Sie werden durch Sachzwänge bestimmt. Der Libanon hat den Punkt erreicht, an dem diese Sachzwänge nicht länger ignoriert werden können."

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