Kupfer-Bullenmarkt ohne Zölle: Warum Händler jetzt vorsichtig werden
Seit Trump wieder im Amt ist, steigt der Kupferpreis rasant. Doch nun werden viele Marktteilnehmer vorsichtig.

Seit Donald Trump wieder im Amt ist, hat sich der globale Kupfermarkt grundlegend verändert. Der Preis für das Industriemetall ist deutlich gestiegen, ausgelöst durch eine seismische Umstrukturierung der weltweiten Lagerbestände. Im Zentrum steht das Risiko, dass der US-Präsident Zölle auf das Metall erheben könnte. Genau diese Erwartung hat den Markt in den vergangenen Monaten befeuert.
Doch nun, da Trump die Hälfte seiner zweiten Amtszeit erreicht hat, werden viele Bullen vorsichtig. Sie fürchten, dass die Preise einbrechen könnten, falls er seine Ankündigungen nicht in die Tat umsetzt. Die Stimmung kippt also nicht, weil die Nachfrage nachlässt, sondern weil die Erwartung an politische Entscheidungen ins Wanken gerät. Der Bullenmarkt läuft – aber er läuft auf einem Fundament, das aus Annahmen über die US-Politik besteht.
In den vergangenen Wochen notierten Kupfer-Futures in New York durchgehend über einem Aufschlag zum globalen Benchmark-Preis an der London Metal Exchange (LME). Dieser Aufschlag ermöglichte Händlern beispiellose Gewinne, indem sie Kupfer in die USA verschifften, bevor Zölle in Kraft treten. Die Folge: Die Lagerbestände außerhalb der USA sanken stark, und die anhaltenden US-Importe setzten eine Feedback-Schleife in Gang. Diese hat dazu beigetragen, die LME-Preise im vergangenen Monat auf einen Rekordwert nahe 15.000 US-Dollar je Tonne zu treiben.
Die Details
Das Muster ist klar und wiederholt sich seit Monaten: Der Preisaufschlag zwischen den US-Kupfer-Futures und dem globalen Referenzpreis an der LME setzt Anreize, Metall physisch in die Vereinigten Staaten zu liefern. Wer Kupfer rechtzeitig vor einem möglichen Zoll in die USA bringt, kann die Differenz zwischen dem höheren US-Preis und dem Weltmarktpreis einstreichen. Genau das haben Händler in großem Stil getan – und damit beispiellose Gewinne erzielt.
Der Nebeneffekt dieser Bewegung ist eine Verschiebung der globalen Vorräte. Weil immer mehr Metall in die USA fließt, leeren sich die Lager außerhalb des Landes. Die anhaltenden US-Importe wirken dabei wie ein Verstärker: Sie ziehen dem Rest der Welt Material ab und treiben gleichzeitig die Preise an der LME nach oben. Im vergangenen Monat erreichte der globale Benchmark-Preis mit einem Rekordwert nahe 15.000 US-Dollar je Tonne ein historisches Niveau.
Bemerkenswert ist, dass dieser Preisanstieg bislang ohne einen tatsächlich in Kraft getretenen Zoll auf raffiniertes Kupfer erfolgte. Der Markt preist eine politische Entscheidung ein, die noch nicht gefallen ist. Solange diese Erwartung besteht, stützen die Zuflüsse in die USA und die schrumpfenden Bestände außerhalb des Landes den Preis. Fällt die Erwartung weg, fehlt dem Bullenmarkt ein zentraler Treiber.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 14.08.2026 berichtete aktien.news, dass der Preisaufschlag zwischen US-Kupfer-Futures an der COMEX und den Preisen an der LME sich zu einem ungewöhnlichen Frühwarnsystem entwickelt hat. Händler und Analysten nutzen diesen Spread zunehmend, um die Wahrscheinlichkeit neuer US-Zölle auf raffiniertes Kupfer abzuschätzen. Die Societe Generale übersetzte diesen Zusammenhang erstmals in konkrete Prozentzahlen: Laut den SocGen-Analysten unter der Leitung von Mike Haigh implizierte der damalige COMEX-Aufschlag gegenüber vollständig geliefertem LME-Metall eine Wahrscheinlichkeit von 14,6 % für einen gestuften universellen Zoll von 15 %, wirksam ab dem 1. Januar 2027. Für einen Zoll von 30 % ab Januar 2028 fiel die im Bericht genannte Wahrscheinlichkeit niedriger aus.
Am 13.09.2026 meldete aktien.news, dass Kupfer an der LME ein historisches Hoch erreicht hatte: Der Preis kletterte in dieser Woche auf rund 14.800 Dollar je Tonne, seit Jahresbeginn summiert sich das Plus auf etwa 19 Prozent. Der Bericht ordnete ein, dass das rote Metall in unzähligen Alltagsprodukten steckt – vom Stromkabel über das Elektroauto bis zur Wärmepumpe und dem Smartphone. Als wesentlicher Treiber der Rallye galt bereits damals, dass Händler aus Sorge vor neuen Importzöllen große Mengen Kupfer in die USA schaffen.
Am 01.10.2026 und am 02.10.2026 berichtete aktien.news, dass sich Kupfer in amerikanischen Lagern anhäuft und dort noch eine ganze Weile verbleiben könnte. Nach Angaben von BMO Capital Markets lagern in den USA inzwischen bis zu 2 Millionen Tonnen Kupfer, was effektiv einem gigantischen privaten Lagerbestand entspricht. Der Markt befindet sich demnach seit Juli des vergangenen Jahres in der Schwebe, weil die politischen Rahmenbedingungen in den USA unklar bleiben. Auslöser war eine Entscheidung von Präsident Trump: Er verhängte Zölle auf Kabel, Draht und andere Kupferprodukte, nahm davon jedoch das von Herstellern verwendete raffinierte Metall aus. Diese Ausnahme sorgte zunächst für Entlastung bei den Verarbeitern. Zugleich ordnete Trump eine Prüfung an, ob auch raffiniertes Kupfer Besteuerungen unterliegen sollte.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Entwicklung vor allem ein Beispiel dafür, wie stark politische Erwartungen Rohstoffpreise bewegen können. Der aktuelle Kupferpreis speist sich zu einem erheblichen Teil aus der Annahme, dass die USA Zölle auf raffiniertes Kupfer erheben. Bleibt diese Annahme bestehen, stützen die Lagerverlagerungen den Preis. Verpufft sie, fehlt ein wesentlicher Treiber – und die Preise könnten einbrechen, wie die jetzt vorsichtiger werdenden Bullen befürchten.
Zugleich ist Kupfer kein Nischenprodukt. Wie der Bericht vom 13.09.2026 zeigt, steckt das Metall in Stromkabeln, Elektroautos, Wärmepumpen und Smartphones. Preisschwankungen schlagen daher nicht nur an den Finanzmärkten durch, sondern auch bei Verbrauchern und Industrieunternehmen. Wer in Rohstoffwerten oder entsprechenden Fonds engagiert ist, sollte die politische Entwicklung in Washington daher genauso verfolgen wie die reinen Angebots- und Nachfragedaten.
Aufschlussreich ist dabei der Spread zwischen US-Futures und LME-Preisen. Er dient Marktteilnehmern bereits als Echtzeit-Indikator für die Wahrscheinlichkeit neuer Zölle. Anleger können ihn als Stimmungsbarometer nutzen, um einzuschätzen, wie stark der Markt auf politische Entscheidungen setzt. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten – wohl aber ein besseres Verständnis der Risiken.
Ausblick
Die vom Markt eingepreisten Szenarien sind datiert. Im August-Bericht der SocGen-Analysten ging es um einen gestuften universellen Zoll von 15 %, wirksam ab dem 1. Januar 2027, sowie um einen Zoll von 30 % ab Januar 2028. Diese Termine markieren die Eckpunkte, an denen sich die Erwartungen der Händler messen lassen müssen.
Gleichzeitig bleibt offen, wie die US-Administration mit raffiniertem Kupfer umgeht. Die von Trump angeordnete Prüfung, ob auch das raffinierte Metall besteuert werden soll, war in den Berichten von Anfang Oktober noch nicht abgeschlossen. Solange die politischen Rahmenbedingungen unklar bleiben, dürfte der Markt im Schwebezustand verharren – mit einem Preis, der stark von der nächsten politischen Nachricht abhängt. Klarheit über die Zollpolitik ist damit der wichtigste Faktor für die weitere Richtung des Kupferpreises.
Kurz erklärt
- Kupfer-Futures: Terminkontrakte, mit denen Marktteilnehmer Kupfer zu einem heute festgelegten Preis für einen späteren Liefertermin handeln.
- London Metal Exchange: Die führende Handelsbörse für Industriemetalle, deren Notierungen als globaler Referenzmaßstab für Kupfer gelten.
- COMEX: Die US-Terminbörse in New York, an der unter anderem Kupfer-Futures gehandelt werden und deren Preise den US-Markt widerspiegeln.
- Spread: Die Preisdifferenz zwischen zwei Handelsplätzen oder Kontrakten, hier zwischen US-Futures und LME-Preisen.
- Raffiniertes Kupfer: Hochreines Kupfer, das Hersteller als Ausgangsmaterial für Kabel, Leitungen und andere Produkte verwenden.
