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Kronzeuge wechselt Verteidigung kurz vor Prozessstart

Hoffnung auf Straffreiheit zerschlagen, neuer Anwalt übernimmt komplexen Cum-Ex-Fall

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Kronzeuge wechselt Verteidigung kurz vor Prozessstart

Der ehemalige Partner von Hanno Berger und Kronzeuge im Cum-Ex-Skandal hat kurz vor dem Beginn seines Prozesses überraschend seine langjährigen Verteidiger Alfred Dierlamm und Tido Park entlassen. Diese Entscheidung kommt nach acht Jahren Zusammenarbeit, in denen die beiden renommierten Strafverteidiger die Interessen des beschuldigten Steueranwalts S. vertraten. Künftig wird der Hamburger Rechtsanwalt Gerhard Strate die Verteidigung übernehmen, ein in der Cum-Ex-Affäre nicht unbekannter Name. Strate bestätigte die Übernahme des Mandats, äußerte sich jedoch nicht weiter dazu, da er sich erst in die umfangreiche Akte einarbeiten müsse.

S. hatte über viele Jahre hinweg gehofft, dass seine umfassende Kooperation mit den Ermittlungsbehörden ihn vor einem Strafprozess bewahren könnte. Er hatte den Strafverfolgern detaillierte Informationen über die Hintergründe und Verwicklungen in den illegalen Cum-Ex-Geschäften geliefert und dabei auch seine eigenen Taten sowie die seiner Komplizen offengelegt. Diese Hoffnung wurde jedoch im April dieses Jahres zerschlagen, als die Staatsanwaltschaft Köln Anklage gegen ihn erhob. Es wird erwartet, dass das Landgericht Bonn das Verfahren bald eröffnet und ein Prozessbeginn im November möglich ist.

Gerhard Strate hat in der Vergangenheit bereits prominente Mandanten im Zusammenhang mit Cum-Ex-Fällen vertreten. Dazu gehört unter anderem der Investor Carsten Maschmeyer im Streit mit der Schweizer Bank J. Safra Sarasin. Strate machte außerdem Schlagzeilen, als er Strafanzeige gegen Bundeskanzler Olaf Scholz und Hamburgs Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher erstattete, denen er vorwarf, die Hamburger Privatbank M.M. Warburg vor einer Steuerrückzahlung aus Cum-Ex-Geschäften geschützt zu haben. Zu strafrechtlichen Ermittlungen gegen Scholz und Tschentscher kam es jedoch nicht.

S. gilt als eine Schlüsselfigur im Cum-Ex-Skandal, der in Deutschland einen erheblichen Steuerschaden verursacht hat. Zusammen mit Hanno Berger und weiteren Beteiligten entwickelte er komplexe Aktiengeschäfte, die darauf abzielten, sich Steuern erstatten zu lassen, die niemals gezahlt wurden. Obwohl S. durch seine Kooperation als Kronzeuge maßgeblich zur Aufklärung des Skandals beigetragen hat, bleibt der Vorwurf schwerer Steuerhinterziehung bestehen. Ihm wird vorgeworfen, einen Steuerschaden von 430 Millionen Euro mitverantwortet zu haben, was das gesetzliche Mindestmaß für schwere Steuerhinterziehung um ein Vielfaches übersteigt.

S. selbst profitierte finanziell erheblich von den Cum-Ex-Geschäften und soll nach eigenen Angaben rund 50 Millionen Euro verdient haben. Die Aufarbeitung seiner Rolle in dem Skandal wird vor Gericht nun fortgesetzt, wobei seine Verteidigung nun in den Händen von Gerhard Strate liegt. Die bisherigen Verteidiger Dierlamm und Park äußerten sich nicht zu den Gründen für die plötzliche Beendigung ihres Mandats. Insidern zufolge könnte eine Enttäuschung von S. über die ausbleibende Straffreiheit eine Rolle gespielt haben.

Cum-Ex-SkandalFinanzenJustiz

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