Kritik an Trade Republic wächst
Fintech kämpft mit Kundenbeschwerden und verzögerten Dividendenzahlungen

Der Berliner Neobroker Trade Republic hat in den letzten Monaten erheblich an Bekanntheit gewonnen, insbesondere durch die Einführung neuer Finanzprodukte. Das Fintech-Unternehmen erhielt kürzlich eine Banklizenz und führte eine eigene Bezahlkarte ein. In den nächsten fünf Monaten soll ein Girokonto folgen. Diese Entwicklungen haben die Nachfrage nach den Dienstleistungen von Trade Republic stark erhöht. Parallel dazu nehmen jedoch auch die Beschwerden über den Kundenservice zu, was die deutsche Finanzaufsicht BaFin auf den Plan gerufen hat.
Laut einem Sprecher der BaFin hat die Anzahl der Beschwerden über Trade Republic zugenommen. Diese Beschwerden beziehen sich vor allem auf den mangelhaften Kundenservice. Auch die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hat mehrere Beschwerden erhalten, kann das Ausmaß jedoch noch nicht genau einschätzen. Auf der Bewertungsplattform Trustpilot äußern zahlreiche Kunden ihre Unzufriedenheit. Kritiken beinhalten unter anderem den fehlenden telefonischen Support und lange Antwortzeiten auf E-Mail-Anfragen. Ein Nutzer berichtete, dass er auf eine technische Anfrage mehrere Monate lang nur standardisierte Antworten erhielt.
Eine Sprecherin von Trade Republic erklärte, dass das Unternehmen die Strukturen im Kundenservice anpasse, um dem steigenden Anfrageaufkommen gerecht zu werden. Sie betonte, dass Trade Republic seit seiner Gründung den Kundensupport ausschließlich per E-Mail anbietet. Normalerweise liege die Antwortzeit bei 24 Stunden, könne jedoch bei komplexeren Anliegen länger dauern. Konkrete Maßnahmen zur Bewältigung der steigenden Nachfrage wollte die Sprecherin jedoch nicht nennen und blieb hinsichtlich Teamgröße und Investitionen vage.
Trotz der Kritik zählt Trade Republic zu den bekanntesten und wertvollsten deutschen Fintechs. 2022 sammelte das Unternehmen Gelder von Investoren und steigerte seine Bewertung auf fünf Milliarden Euro. Aktuell zählt Trade Republic über vier Millionen Kunden und verzeichnete Ende des letzten Jahres ein monatliches Wachstum von über 100.000 Kunden. Ursprünglich bot das Unternehmen nur den Handel mit Wertpapieren, Anleihen und Kryptoanlagen an, hat sein Angebot jedoch seit Jahresanfang erheblich erweitert.
Ein weiteres Problem, das zu Beschwerden führte, betrifft verzögerte Dividendenzahlungen. Mehrere Nutzer berichteten, dass Dividenden nicht zeitgerecht auf ihren Konten verbucht wurden. Trade Republic erklärte, dass diese Verzögerungen auf eine Systemumstellung zurückzuführen seien und betonte, dass alle Dividenden innerhalb der gesetzlichen Frist ausgezahlt würden. Insbesondere Dividendenzahlungen von DWS und Porsche seien betroffen gewesen, die jedoch bald verarbeitet und gebucht werden sollen.
Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies in Frankfurt, kritisierte die Situation bei Trade Republic. Die zunehmenden Beschwerden über den Kundenservice und verzögerte Dividendenzahlungen seien für eine Vollbank nicht akzeptabel. Die Reputation einer Vollbank sei von höchster Bedeutung, und solche Mängel könnten sich negativ auswirken. Brühl verglich die Situation mit ähnlichen Problemen bei anderen schnell wachsenden Fintechs wie Raisin und N26, die ebenfalls wegen schlechten Kundenservice in die Kritik geraten waren.
