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Kartoffelchips und Siliziumchips: Überraschend ähnliche Unsicherheiten

GLP-1-Abnehmmedikamente und KI-Boom bringen zwei völlig verschiedene Chip-Branchen in dieselbe Bewertungsfalle.

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Kartoffelchips und Siliziumchips: Überraschend ähnliche Unsicherheiten

Kartoffelchips und Halbleiterchips scheinen auf den ersten Blick wenig gemeinsam zu haben – doch beide Branchen kämpfen derzeit mit einer neuen, schwer kalkulierbaren Unsicherheit. Während die Künstliche Intelligenz eine frenetische Nachfrage nach Mikroprozessoren ausgelöst hat, bedroht die massenhafte Verbreitung von GLP-1-Abnehmmedikamenten das Geschäftsmodell der Snackindustrie. Das Ergebnis ist in beiden Fällen dasselbe: gedrückte Bewertungen und schwer prognostizierbare Zukunftsaussichten.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Nutzer von Medikamenten wie Wegovy und Zepbound reduzieren ihre Kalorienaufnahme laut einer aktuellen Studie des American Journal of Clinical Nutrition um 24 bis 30 Prozent. Sollte ein Fünftel der Weltbevölkerung solche Präparate einnehmen, könnte die globale Lebensmittelnachfrage um mindestens 5 Prozent sinken. Besonders hart trifft es verarbeitete Lebensmittel: Ein McKinsey-Bericht, der eine Studie der Cornell University zitiert, zeigt, dass Patienten nach sechs Monaten Behandlung 11,5 Prozent weniger für Kartoffelchips und herzhafte Snacks ausgaben.

Bewertungsverfall bei Snack-Konzernen

Diese Aussichten haben die Aktienkurse von US-Lebensmittel- und Getränkeunternehmen spürbar belastet. Pepsi, als Hersteller von Getränken und Snacks ein prominentes Beispiel, ist von einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 23 zu Beginn des Jahres 2024 auf heute nur noch 16 gefallen – obwohl die kurzfristigen Gewinne weiter wachsen. Der Rückgang des KGV zeigt, dass der Markt die langfristigen Wachstumsaussichten des Unternehmens deutlich skeptischer bewertet als noch vor anderthalb Jahren.

Noch drastischer war der Einbruch bei der pennsylvanischen Nischenmarke Utz: Der Aktienkurs des Chipherstellers brach im gleichen Zeitraum um rund die Hälfte ein. In der vergangenen Woche übernahm die deutsche Intersnack-Gruppe das Unternehmen – und zahlte dabei einen Aufschlag von 91 Prozent auf den zuletzt gedrückten Kurs. Intersnack ist damit nicht allein: Auch WK Kellogg, Kellanova und TreeHouse Foods wurden zuletzt durch Übernahmen von der Börse genommen. Die Käufer Ferrero, Mars und die Private-Equity-Gesellschaft Investindustrial setzen offenbar entweder auf Markenzusammenführungen und Kostensenkungen – oder sie glauben, dass die Bedrohung durch GLP-1-Präparate übertrieben ist.

Halbleiter: Hype mit gedrückten Bewertungen

Auf der anderen Seite des Chip-Spektrums steht die Halbleiterindustrie. Der KI-Boom hat zwar eine enorme Nachfrage nach Mikroprozessoren erzeugt, doch auch hier sind die Aktienkurse zuletzt unter Druck geraten. Die Schwierigkeit, künftige Nachfrageprofile verlässlich zu prognostizieren, führt dazu, dass Unternehmen wie SK Hynix und Samsung paradoxerweise zu gedrückten Bewertungen gehandelt werden. Selbst nach dem jüngsten Kursrückgang sind die Aktien von SK Hynix weniger als das Dreifache der für in zwei Jahren prognostizierten Jahresgewinne wert.

Für Chip-Unternehmen aus der Tech-Branche ist die Unvorhersehbarkeit der Nachfrage ein bekanntes Phänomen. Für Hersteller von Kartoffelchips hingegen ist dies neu – sie verdankten ihre historisch hohen Bewertungen gerade ihrem defensiven und berechenbaren Charakter. Snackkonzerne galten lange als krisensichere Investments, da Menschen auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zu Chips und Knabbereien greifen. Dieses Image bröckelt nun.

Die überraschende Parallele zwischen beiden Branchen liegt in der Technologie: Ob KI oder GLP-1-Medikamente – beide Innovationen haben neue Formen der Unsicherheit in Märkte gebracht, die zuvor als gut kalkulierbar galten. Für Anleger bedeutet das in beiden Fällen erhöhte Vorsicht bei der Bewertung langfristiger Wachstumsperspektiven.

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