JPMorgan empfiehlt Aktien kaufen bei Kursrücksetzern trotz Unsicherheit
JPMorgan sieht die Bedingungen für eine weitere V-förmige Erholung als gegeben und rät Anlegern zum Einstieg bei Schwäche.

JPMorgan hat Anleger in einer aktuellen Mitteilung dazu aufgerufen, jede erneute Marktschwäche als Kaufgelegenheit zu nutzen. Die US-Großbank argumentiert, dass trotz anhaltender geopolitischer Unsicherheit die Voraussetzungen für eine weitere V-förmige Erholung an den Aktienmärkten erfüllt seien. Analyst Mislav Matejka steht hinter dieser Einschätzung und richtet sich damit an Investoren mit einem mittelfristigen Anlagehorizont.
Konkret empfiehlt Matejka Anlegern mit einem Zeithorizont von drei bis zwölf Monaten, bei Kursrücksetzern ihr Risiko zu erhöhen. Zwar könnten die Märkte durch eine potenzielle erneute Eskalation im Nahen Osten weitere Volatilität erleben, doch hält JPMorgan an seiner konstruktiven Grundhaltung fest. „Militärische Konflikte weisen von Natur aus ‚Fat Tails' auf und sorgen für eine erhöhte Volatilität. Wir haben uns jedoch dagegen ausgesprochen, bärischen Ansichten nachzugeben, da das Risiko, von Marktschwankungen überrollt zu werden, deutlich zunimmt", schrieb Matejka.
Bärische Stimmung als Konträrindikator
JPMorgan verweist auf ein bekanntes Muster aus der Marktpsychologie: Etwa zwei bis drei Wochen nach Beginn des Konflikts war die bärische Stimmung zur Konsensmeinung geworden. Anleger hatten ihre Risikopositionen massiv reduziert, und allgemein wurde erwartet, dass die Ölpreise weiter steigen würden. Genau diese Ausgangslage – kombiniert mit überverkauften Marktsignalen – wertete JPMorgan als Einstiegssignal. Die entsprechende Kaufempfehlung sprach die Bank erstmals am 23. März aus.
Dieses Vorgehen folgt einem klassischen konträren Investmentansatz: Wenn die Mehrheit der Marktteilnehmer pessimistisch ist und Positionen abgebaut hat, ist das Rückschlagpotenzial begrenzt, während das Erholungspotenzial steigt. Für deutsche Privatanleger, die in internationalen Märkten investiert sind, ist diese Perspektive besonders relevant, da Volatilitätsphasen häufig zu vorschnellen Verkaufsentscheidungen verleiten.
Makroumfeld unterscheidet sich deutlich von 2022
Ein zentrales Argument von Matejka ist der Vergleich mit dem Jahr 2022, als steigende Inflation und Zinsen die Märkte stark belasteten. Die aktuelle Situation unterscheide sich hinsichtlich des Inflationsdrucks, der Preismacht der Unternehmen, der Realzinsen und des Arbeitsmarktes deutlich von damals. JPMorgan erwartet zudem, dass die Zentralbanken über einen erwarteten Anstieg der Inflation im Jahresvergleich um 1,5 Prozentpunkte hinwegsehen sollten.
Matejka bekräftigte in diesem Zusammenhang seine Empfehlung für eine lange Duration – also eine Präferenz für längerlaufende Anleihen und wachstumsorientierte Aktien – unabhängig davon, wie sich der geopolitische Konflikt weiterentwickelt. Auch die Schätzungen für den Gewinn pro Aktie im S&P 500 für das Jahr 2026 seien zuletzt weiter gestiegen, was die positive Grundstimmung der Bank untermauert.
Internationale Aktien und Schwellenländer bevorzugt
Zur konkreten Positionierung erwartet JPMorgan, dass internationale Aktien, Schwellenländer, Small Caps und Value-Werte wieder eine Outperformance erzielen werden. Diese Einschätzung steht im Einklang mit dem Ausblick der Bank für das kommende Jahr. „Wir gehen davon aus, dass die relative Performance in der zweiten Jahreshälfte neue Höchststände erreichen wird", schrieb Matejka.
Darüber hinaus dürften die Kapitalzuflüsse in die Schwellenländer, die während des Konflikts ins Stocken geraten waren, laut JPMorgan wahrscheinlich wieder aufgenommen werden. Für deutsche Anleger, die über Fonds oder ETFs in Emerging Markets investiert sind, könnte dies ein positives Signal darstellen. Die Botschaft von JPMorgan ist klar: Wer einen mittelfristigen Horizont hat, sollte Schwächephasen nicht fürchten, sondern gezielt nutzen.
