Japans Zentralbank erhöht Leitzins auf 0,25 Prozent
Anleihekäufe werden reduziert, Yen und ausländische Investitionen im Fokus

Die japanische Zentralbank setzt ihre Bemühungen zur Normalisierung der zuvor lockeren Geldpolitik fort. Im März hatte die Bank of Japan (BoJ) nach 17 Jahren erstmals die Zinsen angehoben und damit ihre Negativzinspolitik beendet. An diesem Mittwoch entschied der geldpolitische Ausschuss der Notenbank, den Leitzins von null bis 0,1 auf 0,25 Prozent anzuheben. Zusätzlich signalisierten die Währungshüter mögliche weitere Zinserhöhungen in naher Zukunft.
Parallel dazu plant die BoJ eine deutliche Reduktion ihrer Anleihekäufe. Bis zum ersten Quartal 2026 sollen diese auf monatlich 2,9 Billionen Yen (17,5 Milliarden Euro) gesenkt werden. Ziel ist es, dass die langfristigen Zinsen künftig hauptsächlich von den Finanzmärkten bestimmt werden. Dieser Schritt markiert eine bedeutende Änderung der geldpolitischen Strategie. Seit 2013 hatte die BoJ ihre Käufe von japanischen Staatsanleihen (JGB) erheblich ausgeweitet und seit 2016 auch die Renditen der zehnjährigen JGBs kontrolliert.
Mit dem Ende der engen Zinskontrolle stiegen die Zinsen für zehnjährige JGBs Anfang Juli auf 1,1 Prozent, den höchsten Wert seit zwölf Jahren. Diese Entscheidung der BoJ führte zu einer starken Aufwertung des Yens am Devisenmarkt. Gegenüber dem US-Dollar und dem Euro stieg der Yen zeitweise um mehr als zwei Prozent und lag rund fünf Prozent über dem Tiefstand von vor drei Wochen.
Die erneute Zinserhöhung in diesem Jahr verringert den Zinsabstand Japans zu den USA und Europa, der sich seit der globalen Zinswende 2022 deutlich ausgeweitet hatte. Diese Zinsdifferenz hatte den Yen-Kurs von Anfang 2022 bis Juli um etwa 40 Prozent sinken lassen. Der Aktienindex Nikkei 225 profitierte zwar von der Yen-Schwäche, da Auslandsgewinne der großen Konzerne durch die Umrechnung in Yen gestiegen waren, doch erhöhte der schwache Yen auch die Importkosten für Rohstoffe und Waren. Dies führte zu importierter Inflation, die die Verbraucher belastete und die Popularitätswerte der Regierung senken ließ.
Trotz der Versprechungen der BoJ, dass sich die Wirtschaft „generell“ wie erwartet entwickle und die Inflation weiterhin über den Zinsen liege, äußerte der Ökonom Stefan Angrick von Moody’s Analytics Kritik. Er bemängelte, dass die Zinserhöhung nicht zu den schlechten Wirtschaftsdaten und dem Fehlen einer nachfragegetriebenen Inflation passe. Das Bruttoinlandsprodukt Japans sei im ersten Quartal gesunken, und die Gehälter stiegen weniger als erwartet, obwohl im Frühjahr die höchsten Lohnerhöhungen seit Mitte der 1990er-Jahre vereinbart wurden.
Angrick vermutet, dass die BoJ angesichts eines möglichen Zeitfensters für Zinserhöhungen, das sich schneller als erwartet schließt, nun handeln müsse. Es wird erwartet, dass die US-Notenbank im September die Zinsen senken könnte. Die neue Geldpolitik der BoJ birgt Risiken für die Konjunktur, bietet jedoch Chancen für ausländische Investoren, die mehr japanische Anleihen kaufen könnten, da die BoJ ihre Käufe reduziert.
Das japanische Finanzministerium hat bereits ein neues System eingerichtet, um weltweit ausländische Käufer für die Anleihen zu gewinnen. Zwölf japanische und internationale Finanzinstitute wurden als Primärhändler ausgewählt, da die Nachfrage der japanischen Banken und Versicherer voraussichtlich nicht ausreicht, um den bisherigen Anteil der Zentralbank zu übernehmen. Diese Maßnahme könnte entscheidend für die finanzielle Stabilität Japans sein, da das Land stark verschuldet ist. Der Anteil ausländischer Investoren am JGB-Markt stieg bis März 2024 auf 13,7 Prozent und dürfte weiter wachsen.
Obwohl die Renditen japanischer Staatsanleihen steigen, bleiben sie unter denen zehnjähriger US-Staatsanleihen, die über vier Prozent liegen. Zudem ist die Verschuldung Japans deutlich höher als die der USA oder Deutschlands, was durch ein niedrigeres Schuldenrating verstärkt wird. Eine Expertengruppe des Finanzministeriums betonte daher im Juni die Notwendigkeit, ein Umfeld zu schaffen, das die Beteiligung ausländischer Investoren erleichtert.
