Japanische Börsen trotzen politischer Unsicherheit
Kursgewinne trotz Wahlniederlage der Regierung – Schwacher Yen beflügelt Exportindustrie

Die japanischen Börsen reagierten am Montagmorgen positiv auf die Wahlniederlage der Regierungskoalition, obwohl politische Unsicherheit droht. Der Nikkei-225-Index legte um 1,8 Prozent auf 38.606 Punkte zu, während der breiter gefasste Topix-Index um 1,5 Prozent auf 2.658 Punkte stieg. Trotz der Gefahr einer instabilen politischen Lage scheint der Markt die Möglichkeit bereits eingepreist zu haben, dass die Koalition aus Liberaldemokraten und der kleinen Gerechtigkeitspartei ihre absolute Mehrheit verlieren würde. Der Nikkei 225 hatte in der Vorwoche über 1.000 Punkte eingebüßt, doch der schwächere Yen lenkte die Aufmerksamkeit der Investoren auf positive Entwicklungen.
Der Dollar notierte im gestrigen Vormittagshandel bei 153 Yen, was mehr als einen Yen schwächer ist als vor der Wahl. Viele Marktteilnehmer gehen davon aus, dass die politische Unsicherheit die Bank of Japan davon abhalten wird, den Leitzins von 0,25 Prozent in naher Zukunft zu erhöhen. Dies könnte bedeuten, dass die Zinsdifferenz zu den USA langsamer schrumpft als zuvor erwartet. Eine anhaltende Schwäche des Yen könnte der Exportindustrie Japans zugutekommen, da dadurch Umsätze und Gewinne im Auslandsgeschäft bei der Umrechnung in die heimische Währung steigen.
Am Montag verzeichneten insbesondere Automobilhersteller und Chipzulieferer deutliche Kursgewinne. Die Aktien von Toyota stiegen um 4,1 Prozent auf 2.707 Yen, während Honda um vier Prozent auf 1.582 Yen und Nissan um 3,5 Prozent auf etwa 410 Yen zulegten. Auch der Chipsektor profitierte: Tokyo Electron stieg um 2,8 Prozent, und der Testmaschinenhersteller Advantest konnte einen Zuwachs von 4,6 Prozent verbuchen.
Ein weiterer Faktor, der den Aktienmarkt positiv beeinflusste, war die Tatsache, dass das Wahlergebnis eine Machtübernahme der Opposition unwahrscheinlich macht. Die Koalition verlor zwar Sitze und schrumpfte von 279 auf 215 Mandate, blieb aber stärkste Kraft. Die linksliberale Konstitutionell-Demokratische Partei verdoppelte ihre Sitze auf 148, doch eine Regierungsübernahme scheint ohne eine große Koalition mit der LDP unwahrscheinlich.
Kensuke Togashi, Aktienstratege bei Daiwa Asset Management, betonte, dass die Aussicht, einige von der Opposition geplante Maßnahmen wie Steuererhöhungen zu verhindern, den Markt beruhigt habe. Diese politischen Vorhaben wären für Anleger negativ gewesen und hätten möglicherweise Aktienrückkäufe erschwert. Mittel- und langfristig bleibt jedoch offen, wie sich die Rückkehr der Unsicherheit auf die Märkte auswirken wird. Innerhalb der nächsten 30 Tage müssen mögliche neue Koalitionen ausgehandelt werden.
Japans neuer Premierminister Shigeru Ishiba, der erst Anfang Oktober sein Amt antrat, sieht sich nun mit der Herausforderung konfrontiert, das Land in politisch instabilen Zeiten zu führen. Jesper Koll von der Finanzgruppe Monex äußerte sich pessimistisch über die Zukunft. Seiner Ansicht nach war die Stabilität Japans lange ein wichtiger Pfeiler der positiven Marktentwicklung, und dieser Grundsatz könnte durch die aktuellen Ereignisse ins Wanken geraten.
