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Iran-Krieg treibt Harnstoffpreise – Argentiniens Weizenernte in Gefahr

Explodierende Düngemittelpreise infolge des Iran-Kriegs zwingen argentinische Landwirte, ihre Weizanbaupläne kurz vor der Aussaat zu überdenken.

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Iran-Krieg treibt Harnstoffpreise – Argentiniens Weizenernte in Gefahr

Der Iran-Krieg hat die Preise für Harnstoffdünger in Argentinien auf ein Rekordniveau getrieben und bedroht damit die bevorstehende Weizenernte des südamerikanischen Agrarlandes. Nur wenige Wochen vor Beginn der Aussaat im Mai sehen sich Landwirte mit einem Preisanstieg von fast 100 Prozent konfrontiert. Harnstoff, ein unverzichtbarer Stickstoffdünger für den Weizenanbau, kostet derzeit rund 1.000 US-Dollar pro Tonne – noch vor etwas mehr als einem Monat lag der Preis bei etwa 500 US-Dollar.

Gustavo Churín, ein Analyst, der den Düngemittelmarkt beobachtet, führt den drastischen Preissprung auf die Verknappung des weltweiten Harnstoffangebots aus den Golfstaaten zurück. Der seit Ende Februar andauernde Krieg und seine Auswirkungen auf den Handel über die Straße von Hormus haben das globale Angebot erheblich eingeschränkt. Eine sofortige Rückkehr zu den Preisen vor dem Konflikt sei selbst bei einem Ende der Feindseligkeiten nicht zu erwarten, so Churín – eine gewisse Entlastung würde jedoch eintreten.

Landwirte vor schwieriger Entscheidung

Die Situation zwingt argentinische Erzeuger zu schmerzhaften Abwägungen. Roman Gutierrez, ein Landwirt aus der Stadt Pergamino in der Provinz Buenos Aires, beschreibt die Lage gegenüber Reuters deutlich: „Wir haben neulich nachgerechnet, und unsere Überlegungen laufen auf zwei Optionen hinaus: Entweder wir bauen keinen Weizen an und pflanzen etwas, das für mein Vieh nützlich ist, wie Gerste oder Hafer, oder wir tun es mit sehr wenig Dünger und verzichten auf hohe Erträge."

Auch in Venado Tuerto, einer Stadt in den fruchtbaren Ebenen der Provinz Santa Fe, ist die Lage angespannt. Die lokale Landwirtin Noelia Castagnani berichtet, dass die Bauern derzeit keinen Harnstoff kaufen. Stattdessen erwägen viele, ihren Schwerpunkt von Weizen auf eine Ausweitung der Mais- oder Sojaanbauflächen zu verlagern, wenn diese Kulturen später im Jahr bepflanzt werden. „Es gibt nicht so viele Anfragen zu Düngemitteln. Die Gewinnspanne ist sehr begrenzt", so Castagnani.

Harnstoff als Schlüssel zu hohen Ernteerträgen

Argentinien verbraucht jährlich rund 2,5 Millionen Tonnen Harnstoff – nicht nur für den Weizenanbau, sondern auch in der Maisproduktion. Cristian Russo, Leiter der Agrarschätzungen an der Getreidebörse von Rosario, dem wichtigsten Getreidemarkt des Landes, unterstreicht die Bedeutung des Düngemittels: Harnstoff sei „der Generalschlüssel, der es ermöglicht, höhere Ertragsniveaus anzustreben."

Die Tragweite der aktuellen Krise wird deutlich, wenn man die jüngsten Ernteergebnisse betrachtet. In der letzten Weizensaison erzielte Argentinien laut Daten der Getreidebörse von Rosario eine rekordverdächtige Ernte von 29,5 Millionen Tonnen Weizen. Schätzungen für die kommende Saison hat die Börse bislang noch nicht veröffentlicht – die Unsicherheit über den Einsatz von Düngemitteln dürfte dabei eine wesentliche Rolle spielen.

Für den globalen Weizenmarkt ist die Entwicklung in Argentinien von Bedeutung: Das Land zählt zu den wichtigsten Weizenexporteuren der Welt. Sollten die Landwirte tatsächlich Anbauflächen reduzieren oder auf ertragsärmere Produktion umstellen, könnte dies das internationale Angebot weiter belasten – in einem ohnehin durch geopolitische Spannungen angespannten Agrarrohstoffmarkt.

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