IPO-Markt 2025: Volatilität zwingt Unternehmen zu Kurskorrektur
Clear Street, Agibank und Liftoff Mobile reduzieren Emissionsvolumen oder verschieben Börsengänge komplett.

Die Börsengangwelle in den USA gerät ins Stocken. Mehrere Unternehmen haben ihre geplanten IPOs im Jahr 2025 deutlich verkleinert oder komplett auf Eis gelegt. Grund sind die anhaltende Marktvolatilität und zunehmend kritische Investoren, die ambitionierte Bewertungen nicht mehr akzeptieren wollen.
Goldman Sachs hatte Anfang Februar noch optimistisch eine Verdoppelung der IPO-Zahl auf 120 für dieses Jahr prognostiziert. Gleichzeitig warnten die Analysten jedoch vor Bewertungsrisiken, die durch einen Ausverkauf bei Softwareaktien deutlich geworden seien. Diese Warnung bewahrheitet sich nun schneller als gedacht.
Clear Street zieht Notbremse
Der Wall-Street-Broker Clear Street hat seinen Börsengang am Donnerstag verschoben – bereits die zweite verzögerte Notierung in diesem Monat. Das New Yorker Unternehmen hatte zuvor das Emissionsvolumen um drastische 65 Prozent gekürzt, zog dann aber die Reißleine und verwies auf die "Marktbedingungen". Ein neuer Termin für den Börsengang steht noch nicht fest.
Das brasilianische Fintech Agibank wagte den Schritt aufs Parkett, musste aber erhebliche Abstriche machen. Statt der ursprünglich geplanten 43,6 Millionen Aktien zu 15 bis 18 Dollar verkaufte das Unternehmen aus São Paulo nur 20 Millionen Stück zu je 12 Dollar. Das Emissionsvolumen schrumpfte damit auf 240 Millionen Dollar. Die Ernüchterung folgte prompt: Die Aktie brach bis Donnerstagabend um fast 15 Prozent unter den Ausgabepreis ein.
Blackstone-Beteiligung hilft nicht
Auch die Unterstützung eines Schwergewichts wie Blackstone schützt nicht vor dem rauen IPO-Klima. Der Mobile-App-Marketing-Anbieter Liftoff Mobile hat seine Börsenpläne komplett zurückgezogen. Das Unternehmen hatte ursprünglich bis zu 762 Millionen Dollar einsammeln wollen, verschob den Börsengang Anfang Februar zunächst und zog nun ganz die Notbremse.
Der Grund für die allgemeine Zurückhaltung liegt auf der Hand: Investoren hinterfragen aggressive Preissetzungen zunehmend kritisch. Nach Jahren lockerer Geldpolitik und hoher Bewertungen hat sich das Blatt gewendet. Anleger fordern realistische Bewertungen und solide Geschäftsmodelle – besonders im Technologiesektor, wo viele Unternehmen noch keine Gewinne schreiben.
Für die weiteren Börsengangkandidaten in diesem Jahr bedeutet dies: Wer an die Börse will, muss bescheidener auftreten und flexibel bleiben. Die Zeiten, in denen Unternehmen ihre Bewertungsvorstellungen durchsetzen konnten, sind vorerst vorbei.
