Insider kaufen: AB Dynamics und Galliford Try im Fokus
Vorstände zweier britischer Unternehmen greifen trotz Marktturbulenzen zu – und setzen damit ein klares Vertrauenssignal für Anleger.

Insiderkäufe gelten als eines der stärksten Signale, die Unternehmensführungen an den Markt senden können. In einer ansonsten ruhigen Woche für Insidertransaktionen haben gleich mehrere Direktoren bei zwei britischen Unternehmen zugegriffen: beim AIM-notierten Fahrzeugtestspezialisten AB Dynamics sowie beim Baukonzern Galliford Try Holdings.
Bei AB Dynamics (LSE: ABDP) investierten drei Führungskräfte insgesamt rund 45.000 Britische Pfund in Aktien des eigenen Unternehmens – und das zum günstigsten Kurs seit vier Jahren. Die neu ernannte Vorstandsvorsitzende Sarah Matthews-DeMers, die erst kürzlich James Routh als CEO ablöste und zuvor sechs Jahre lang als Finanzchefin tätig war, führte die Käufe bei einem Kurs von 1.151 Pence an. Ihr schlossen sich der interimistische Finanzvorstand Andrew Lewis sowie General Counsel Miles Ingrey-Counter an.
Die Käufe erfolgten unmittelbar nach den Halbjahresergebnissen, die einen Rückgang des operativen Gewinns um 16 Prozent auf 9,1 Millionen Pfund zeigten. Die Umsätze sanken ebenfalls um 16 Prozent auf 48,8 Millionen Pfund. Als Ursache nannte das Unternehmen verzögerte Aufträge infolge von Zollstörungen im vergangenen Jahr – eine Entwicklung, die das Management ausdrücklich als „kurzfristige zeitliche Differenz" und nicht als fundamentale Änderung der strukturellen Wachstumstreiber wertet.
AB Dynamics: Mittelfristige Ziele bestätigt
Trotz des Gewinnrückgangs bekräftigte AB Dynamics seine mittelfristigen Ziele aus dem November 2024: ein durchschnittliches organisches Wachstum von 10 Prozent pro Jahr in den Kernmärkten sowie eine weitere Margenausweitung auf über 20 Prozent. Die aktuelle operative Marge liegt bei 18,6 Prozent. Als weiteres Vertrauenssignal erhöhte das Unternehmen die Zwischendividende um 10 Prozent auf 3,08 Pence je Aktie, zahlbar am 15. Mai.
CEO Matthews-DeMers kommentierte die Lage mit den Worten: „Die langfristigen Wachstumschancen für AB Dynamics bleiben überzeugend und unsere Strategie ist unverändert; für die Zukunft erwarten wir eine Evolution statt einer Revolution, mit einem verstärkten Fokus auf Innovation, Exzellenz und kontinuierliche Verbesserung."
Das in Wiltshire ansässige Unternehmen profitiert von der wachsenden Nachfrage nach Fahrzeugsicherheitstests – angetrieben durch die zunehmende Komplexität moderner Fahrzeugtypen wie Elektro-, Hybrid-, Wasserstoff- und autonome Fahrzeuge. AB Dynamics betreibt 14 Standorte in sechs Ländern in Europa, Nordamerika und Asien und bedient mehr als 150 Automobilkunden. Knapp die Hälfte des Umsatzes entfiel 2024/25 auf den asiatisch-pazifischen Raum.
Die Aktie hat eine turbulente Phase hinter sich: Im Mai 2024 notierte sie noch bei 2.250 Pence, fiel nach der Ankündigung der US-Zölle von 1.865 Pence auf ein Tief von 1.025 Pence Ende März. Analysten sehen erhebliches Aufholpotenzial: Peel Hunt hat ein Kursziel von 2.400 Pence, Shore Capital von 2.100 Pence und Berenberg von 2.060 Pence. Das Unternehmen wird derzeit mit dem 14,1-fachen der 2026er Gewinne bewertet und verfügt über eine Nettoliquidität von 39,3 Millionen Pfund.
Galliford Try: Baukonzern mit Rückenwind aus der Politik
Auch beim britischen Bau- und Infrastrukturkonzern Galliford Try Holdings (LSE: GFRD) griff ein Insider zu. Senior Independent Director Kevin Boyd, ehemaliger Finanzchef von Spirax und seit März 2024 im Verwaltungsrat, investierte rund 21.000 Britische Pfund in Aktien zu einem Kurs von 528,4 Pence. Der Kauf erfolgte mit Blick auf das Rekordniveau von 572 Pence, das das Unternehmen nach starken Zwischenergebnissen im März erreicht hatte.
In den Halbjahreszahlen vom 4. März hob Galliford Try die Prognosen für die City an. Die Umsätze stiegen um 1,3 Prozent auf 934,9 Millionen Pfund. Die bereinigte operative Marge der Sparten verbesserte sich auf 3,2 Prozent – auf dem Weg zum strategischen Ziel von 4 Prozent bis 2030. Der bereinigte Gewinn legte um 20,5 Prozent auf 24,7 Millionen Pfund zu, die Zwischendividende stieg um 18,2 Prozent auf 6,5 Pence je Aktie.
Das Unternehmen ist stark in Bereichen positioniert, die von staatlichen Ausgabenplänen profitieren: Straßenbau, Bildung, Verteidigung, Justizvollzug und Gesundheit. Zudem gelang der erfolgreiche Übergang zum Investitionszyklus 2025–30 der Wasserwirtschaft. Trotz dieser positiven Entwicklungen beendeten die Aktien den März bei 479,5 Pence und liegen aktuell noch rund 9 Prozent unter dem Rekordschlusskurs von 577 Pence vom 20. Februar.
Analysten sehen klares Aufwärtspotenzial: Berenberg erhöhte das Kursziel nach den Ergebnissen von 620 auf 650 Pence und hob die Gewinnprognosen für 2026 um 3 Prozent sowie für 2027 und 2028 um jeweils 7 Prozent an. Panmure Liberum teilt das Kursziel von 650 Pence und betont, dass der Markt den Bereichen Hochbau und Infrastruktur einen unzureichenden Wert beimesse – „ungerechtfertigt, da das Management das Geschäft in die Gewinnzone zurückgeführt und gleichzeitig eine strikte risikoarme Strategie implementiert hat."
Hinweis: Autor Graeme Evans hält eigenen Angaben zufolge Aktien von AB Dynamics. Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine persönliche Anlageempfehlung dar.
