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Inflation im Euroraum steigt auf 2,9 Prozent

Auswirkungen auf die Zinswetten und die EZB-Politik – Experten sind besorgt und uneins

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Inflation im Euroraum steigt auf 2,9 Prozent

Die jüngsten Hoffnungen der Anleger auf fallende Zinsen in der Euro-Zone haben einen herben Dämpfer erhalten. Die Inflationsrate für den Euroraum ist im Dezember überraschend auf 2,9 Prozent angestiegen, was einen deutlichen Schritt weg von dem Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB) bedeutet, die mittelfristig eine Rate von zwei Prozent anstrebt.

Die Veröffentlichung der Inflationsdaten für die Euro-Zone durch das europäische Statistikamt Eurostat hat nun die Befürchtungen von Beobachtern bestätigt. Der plötzliche Anstieg der Inflation in Deutschland wird als Rückschlag im Kampf gegen die Inflation in der gesamten Euro-Zone angesehen. Dies hat dazu geführt, dass viele Ökonomen die Ansicht vertreten, dass die Wetten auf baldige Zinssenkungen durch die EZB zu früh platziert wurden.

Der entscheidende Faktor für den Anstieg der Inflation im Euroraum ist die Entwicklung der Inflation in Deutschland. Hierzulande ist die Teuerung im Dezember laut einer Schnellschätzung des Statistischen Bundesamtes um einen halben Prozentpunkt auf 3,7 Prozent gestiegen, und nach europaweit einheitlicher Berechnung liegt sie bei 3,8 Prozent.

Der Anstieg der Inflation in Deutschland ist auf einen statistischen Einmaleffekt zurückzuführen. Im Dezember 2022 fielen die Energierechnungen der privaten Haushalte ungewöhnlich niedrig aus, da die Bundesregierung die Abschlagszahlungen für Gas und Fernwärme übernommen hatte, um die damals extrem hohen Energiepreise auszugleichen. Zwölf Monate später kehrt dieser Effekt nun um und treibt die Inflationsrate nach oben.

Volkswirte hatten erwartet, dass die Inflation noch stärker steigen würde, als es letztlich der Fall war, dennoch hat der erneute Anstieg der Inflation die Börsianer verunsichert.

Die Frage, die sich nun stellt, ist, ob die Inflation sich rasch wieder beruhigen wird. Falls nicht, wird der Weg der EZB zu ihrem Ziel einer Zwei-Prozent-Inflationsrate mühsam sein. Experten aus Universitäten, Zentralbanken, Thinktanks und der Industrie, die vom Ifo-Institut befragt wurden, prognostizieren für 2024 eine durchschnittliche Inflationsrate von 3,4 Prozent in Deutschland, was deutlich über den meisten Prognosen der Bankvolkswirte und der EZB liegt.

Im Oktober 2022 hatte die Inflation mit 10,6 Prozent den höchsten jemals gemessenen Wert seit Einführung des Euro im Jahr 1999 erreicht. Seitdem ist sie kontinuierlich gesunken, auch aufgrund der zehn aufeinanderfolgenden Zinserhöhungen der EZB.

Die Chefvolkswirtin der Förderbank KfW, Fritzi Köhler-Geib, betont jedoch, dass der Abwärtstrend der Inflation weiterhin intakt ist, insbesondere wenn man die Kerninflation betrachtet, bei der Preise für Energie und Lebensmittel, die stark schwanken, außen vor gelassen werden. Die Kerninflation sank im Dezember leicht auf 3,4 Prozent. Dennoch zeigt der Anstieg der allgemeinen Inflationsrate auf 2,9 Prozent, dass schnelle Leitzinssenkungen zu früh kommen würden.

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer fordert die EZB auf, nicht den Erwartungen der Märkte nachzugeben, die bereits im April eine Senkung erwarten. Höhere Löhne könnten die Inflation hartnäckig bei drei Prozent halten. Alexander Krüger von der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe glaubt ebenfalls nicht, dass die EZB überstürzt den Sieg über die Inflation verkünden wird, und betont, dass Erwartungen an rasch sinkende EZB-Leitzinsen verfrüht sind.

Die EZB hat den Leitzins seit Mitte 2022 in zehn Schritten auf 4,5 Prozent angehoben, was das höchste Niveau in der Geschichte des Euro darstellt. Zuletzt hat die EZB eine Pause eingelegt, und der Einlagenzins für überschüssige Liquidität, den Banken bei der Notenbank anlegen, bleibt bei 4,0 Prozent.

Die Spekulationen über bevorstehende Zinssenkungen haben die längerfristigen Zinsen für Hypotheken und Unternehmenskredite bereits deutlich fallen lassen, was aus Sicht der EZB derzeit noch nicht gewollt ist.

EZB-Chefin Christine Lagarde hat bereits Spekulationen über Zinssenkungen entgegengewirkt, indem sie erklärte, dass der EZB-Rat bisher nicht über solche Maßnahmen diskutiert habe. Investoren und Anleger hoffen jedoch auf konkretere Hinweise auf Zinssenkungen bei der EZB-Sitzung am 25. Januar.

Laut dem Datenspezialisten Bloomberg haben die Wetten auf deutlich sinkende EZB-Leitzinsen bis Herbst zuletzt leicht nachgelassen. Trotzdem befindet sich die EZB in einer unangenehmen Situation, da erwartet wird, dass je früher die Märkte Zinssenkungen erwarten, desto länger könnte es dauern, bis die EZB tatsächlich Schritte in diese Richtung unternimmt.

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