Indien-USA-Handelsabkommen: Diese Sektoren profitieren von Zollsenkungen
Zölle sinken von 25% auf 18%. Fertigungs-, IT- und Pharmasektor als Hauptgewinner identifiziert.

Indien hat innerhalb einer Woche zwei bedeutende Handelsabkommen geschlossen, die weitreichende Auswirkungen auf verschiedene Wirtschaftssektoren haben werden. Das Abkommen mit den USA sieht eine Senkung der Zölle auf indische Exporte von 25% auf 18% vor. Parallel dazu hatte Indien zuvor ein umfassendes Freihandelsabkommen mit der EU unterzeichnet.
US-Präsident Trump kündigte das Abkommen auf TruthSocial an und erklärte, Indien habe zugestimmt, den Kauf von russischem Rohöl einzustellen. Im Gegenzug werde Indien auf amerikanisches und möglicherweise venezolanisches Öl umsteigen. Zudem verpflichte sich das Land zum Kauf von Agrar-, Technologie- und Energieprodukten im Wert von 500 Milliarden US-Dollar.
Der neue Zollsatz von 18% positioniert Indien günstiger als wichtige Konkurrenten in der Region. Pakistan zahlt 19%, Vietnam und Bangladesch jeweils 20% Zölle auf ihre Exporte in die USA. Dies verschafft indischen Herstellern einen erheblichen Wettbewerbsvorteil.
Fertigungssektor mit großem Potenzial
Investoren sehen den arbeitsintensiven Fertigungssektor als Hauptnutznießer der Vereinbarung. James Thom, Senior Investment Director bei Aberdeen Investments, hebt besonders kleinere und mittlere Unternehmen hervor. Branchen wie Textilien, Bekleidung, Leder, Schmuck, Spielzeug und Möbelherstellung hätten nun die Chance, verlorenes Terrain zurückzugewinnen.
Bernstein-Analysten Venugopal Garre und Nikhil Arela betonen, dass das Abkommen Indien weitgehend auf eine Stufe mit den ASEAN-Staaten stelle. Dies sei "inkrementell ein großes Plus" und stärke Indiens Position gegenüber China erheblich.
IT-Branche profitiert von besseren Beziehungen
Die Informationstechnologie werde von den verbesserten Beziehungen zwischen den beiden Ländern profitieren, so die Bernstein-Analysten. Sie empfehlen eine taktische Kaufstrategie, die auf einer kurzfristigen Erholung indischer Aktien basiert. Finanztitel, IT und Telekommunikation würden die Erholung hauptsächlich tragen, während Fertigungs- und handelsbezogene Aktien ebenfalls Auftrieb erhalten sollten.
Obwohl bestimmte Sektoren wie Automobile und Metalle weiterhin sektorspezifischen Zöllen ausgesetzt sein könnten, überwiegen die positiven Effekte des Abkommens deutlich.
Pharmasektor mit Wachstumschancen
Das EU-Indien-Freihandelsabkommen, das EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen als "die Mutter aller Abkommen" bezeichnete, eliminiert 11% Zölle auf Arzneimittelimporte aus der EU. Betroffen sind unter anderem Krebstherapien, Biologika und GLP-1-Medikamente, deren Importe sich 2024 auf 1,2 Milliarden US-Dollar beliefen.
Die Forschungseinheit BMI von Fitch Ratings prognostiziert für Indiens Pharmamarkt ein Wachstum von 31,2 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 auf 45,7 Milliarden US-Dollar bis 2035. Dies entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 5,2% in lokaler Währung. Niedrigere Importkosten und verbesserte Lieferketten untermauern diesen positiven Ausblick.
Die Marktstimmung reagierte unmittelbar positiv auf die Ankündigung. Der Sensex, Indiens Leitindex mit 30 führenden Unternehmen, stieg nach Bekanntgabe des Abkommens um 2,5%. Russ Mould, Investmentdirektor bei A. J. Bell, erklärte, das Handelsabkommen habe den Investoren größere Klarheit verschafft und die Marktstimmung deutlich verbessert.
