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House of Hackney: Wenn Mutter Natur ins Vorstandsgremium einzieht

Die britische Interieur-Marke House of Hackney ernennt die Natur zum Vorstandsmitglied – und wird zur Harvard-Fallstudie.

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House of Hackney: Wenn Mutter Natur ins Vorstandsgremium einzieht

Die britische Interieur-Marke House of Hackney geht einen ungewöhnlichen Weg: „Mutter Natur und künftige Generationen" wurden offiziell in eine Vorstandsposition berufen. Was zunächst wie ein kreativer PR-Gag klingt, ist mittlerweile Gegenstand einer Fallstudie an der Harvard Business School – und steht für einen tiefgreifenden Wandel im Unternehmensdenken.

Mitbegründerin Frieda Gormley und ihr Ehemann Javvy M. Royle starteten House of Hackney vor 15 Jahren mit dem Ziel, Handwerk, Natur und Gemeinschaft zu fördern. Doch erst mit dem Umzug ins Castle of Trematon in Cornwall im Jahr 2019 entwickelte sich ihre Naturverbundenheit zu einem ernsthaften Geschäftsprinzip. Mutterschaft, Landleben, ein runder Geburtstag und eine Pandemie entfachten laut Gormley „ein Feuer" in ihr – und die Frage: Was wäre, wenn die Natur das Unternehmen neu gestalten könnte?

Regeneratives Wirtschaften statt klassischer Gewinnmaximierung

House of Hackney bezeichnet sich heute als „regeneratives Unternehmen" – eines, das „mehr gibt, als es nimmt". In Zusammenarbeit mit der True Price Foundation, einer niederländischen Organisation für nachhaltigkeitsorientierte Buchhaltung, bewertete das Unternehmen seine Auswirkungen anhand eines sogenannten Integrated Profit and Loss Frameworks (IP&L). Dabei werden vier Kapitalarten berücksichtigt: produziertes Kapital (finanzielle und physische Vermögenswerte), natürliches Kapital (Gesundheit von Ökosystemen), Humankapital (Wohlergehen der Menschen) und Sozialkapital (Stärke von Gemeinschaften). Die Ergebnisse seien „ernüchternd, aber motivierend" gewesen, so Gormley.

Harvard-Professor Peter Tufano kommentiert den Ansatz: „Der Umwelt und der Zukunft eine Stimme und Entscheidungsrechte zu geben, ist weder in der Wirtschaft noch in der Politik gut vertreten." Dass House of Hackney genau dies versucht, macht das Unternehmen zu einem Pionier – und zu einem Lehrbeispiel für eine neue Generation von Managern.

Die Umsetzung war alles andere als schmerzlos. Das Unternehmen beendete Produkte und Partnerschaften, wenn Transparenz nicht garantiert werden konnte – darunter eine Fabrik, die meistverkaufte Leuchten herstellte, und eine lukrative Kooperation mit einer Fluggesellschaft. „Im ersten Jahr haben wir allein durch Kooperationen einen Umsatz von etwa 1 Million Britischen Pfund abgewickelt. Es gehörte viel blindes Vertrauen dazu, das Alte zu kompostieren", sagt Gormley.

Vier-Tage-Woche und ein Garten als Inspirationsquelle

Intern wurden ebenfalls weitreichende Änderungen vorgenommen. In Anlehnung an zirkadiane Rhythmen führte das Unternehmen zunächst Winterarbeitszeiten ein, die später zu einer Vier-Tage-Woche weiterentwickelt wurden. Der fünfte Tag soll bewusst in der Natur verbracht werden. „Wir mussten intelligenter arbeiten, um die Produktivität aufrechtzuerhalten", so Gormley – doch das Ergebnis sei ein gestiegenes Mitarbeiterengagement. Der Umsatz wuchs seit 2023 um 9 Prozent, trotz des Ausstiegs aus bestimmten Kategorien und Gegenwind durch Zölle, Gewerbesteuern und einen schwächelnden US-Dollar.

Neue Produkte entstanden aus dem Geist des Ortes: Eine Apothekerlinie wurde gemeinsam mit einem lokalen Kräuterkundler aus einem in Trematon angelegten „Wonder Garden" entwickelt. Nicht alle Ideen funktionierten: Eine Glaskerze für die Serie musste aufgegeben werden, weil es keine Recyclingmöglichkeit für das Glas gab. „Ich hatte Momente tiefer Selbstzweifel", gesteht Gormley.

Mit einem Jahresumsatz von 10,5 Millionen Britischen Pfund und 46 Mitarbeitern ist House of Hackney bewusst klein gehalten. Eine Private-Equity-Investition aus dem Jahr 2017 war zu einem belastenden Kapitel geworden, als der kontrollierende Anteil der Gründer durch sinkende Kerngewinne gefährdet war. Im vergangenen Jahr kauften Gormley und Royle die Anteile mit Unterstützung der B-Corp-Bank Triodos und einer Crowdfunding-Kampagne zurück.

Natur als Stakeholder – ein wachsender Trend

House of Hackney ist nicht allein mit diesem Ansatz. Bereits 2022 ernannte die britische Kosmetikmarke Faith in Nature als erstes Unternehmen ein Vorstandsmitglied für die Natur. Rechtliche Grundlagen lieferte die „Rights of Nature"-Bewegung, der es gelungen war, Rechte für einen Fluss in Neuseeland zu sichern. Anwältin Brontie Ansell von „Lawyers for Nature" leistete die juristische Pionierarbeit für beide Unternehmen.

Mittlerweile zeigen auch größere Institutionen Interesse: Die Lloyds Bank hat einen Leiter für den Bereich Natur ernannt, und im französischen Parlament liegt ein Gesetzentwurf vor, der alle Unternehmen verpflichten soll, die Natur als entscheidungsberechtigten Stakeholder einzubeziehen. „Selbst wenn man dem Klimawandel skeptisch gegenübersteht, verstehen die meisten Menschen, dass die Natur im Rückgang begriffen ist. Wenn alle Unternehmen der Natur eine Stimme im Raum gäben, könnte das transformativ sein", sagt Ansell.

Chris Turner, Geschäftsführer von B Lab UK, nennt das Experiment „inspirierend": „Das Ergebnis ist nicht nur ein florierendes Unternehmen mit globaler Reichweite und tief loyalen Kunden, sondern auch eines, dessen Einfluss über den eigenen Betrieb hinausgeht." Gormley selbst fasst ihre Überzeugung schlicht zusammen: „Unternehmen bestehen aus lebendigen Systemen biologischer Wesen, die Teil des größeren lebendigen Systems der Natur sind. Und die Natur mit ihrem 3,7 Milliarden Jahre alten Bauplan ist ein optimales Modell."

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