Hongkong: Acht Festnahmen bei 300-Millionen-Insiderhandel-Ermittlung
Behörden durchsuchen Büros von Brokern und Hedgefonds – Guotai Junan International bestätigt Razzia.

Die Hongkonger Behörden haben acht Mitarbeiter von Wertpapierfirmen und einem Hedgefonds festgenommen. Es handelt sich um eine der größten Insiderhandels-Untersuchungen der Stadt seit Jahren. Die Independent Commission Against Corruption (ICAC) und die Securities and Futures Commission (SFC) gaben die Aktion gemeinsam am Donnerstag bekannt.
Den festgenommenen Führungskräften aus zwei lizenzierten Brokerhäusern wird vorgeworfen, Bestechungsgelder von mehr als 4 Millionen Hongkong-Dollar (rund 512.000 US-Dollar) kassiert zu haben. Im Gegenzug sollen sie vertrauliche Informationen über bevorstehende Aktienplatzierungen weitergegeben haben. Ein Hedgefonds soll damit Gewinne von 315 Millionen Hongkong-Dollar – umgerechnet rund 40 Millionen US-Dollar – erzielt haben.
Die Behörden durchsuchten neben den Geschäftsräumen der betroffenen Unternehmen auch die Privatwohnungen der Verdächtigen. Die involvierten Firmen wurden von ICAC und SFC zunächst nicht namentlich genannt.
Guotai Junan International bestätigt Razzia
Die chinesische Wertpapiergruppe Guotai Junan International räumte jedoch ein, dass ihre Hongkonger Zentrale durchsucht wurde. Zudem sei ein Mitarbeiter unterhalb der Vorstandsebene von der ICAC festgenommen worden. Die Aktien des Unternehmens reagierten prompt und verloren mehr als 5 Prozent an Wert.
Im Kern der Ermittlungen steht eine Praxis, die Investoren mit Vorabwissen über Aktienplatzierungen ausnutzten. Wer vor einer Platzierung von der bevorstehenden Ausgabe neuer Aktien weiß, kann gezielt Short-Positionen aufbauen und vom typischen Kursrückgang profitieren. Aktienkurse tendieren nämlich dazu zu fallen, wenn neue Papiere auf den Markt kommen.
Hongkong verschärft Kampf gegen Insiderhandel
Für Hongkong ist Insiderhandel kein neues Phänomen. Bereits 2024 gingen die Behörden gegen die Praxis vor, bei der Banker bevorstehende Block-Trades mit Hedgefonds diskutierten. Auslöser war damals ein Strafverfahren gegen Simon Sadlers Segantii Capital Management.
Darüber hinaus haben die Aufsichtsbehörden zuletzt die Qualität von Börsengangs-Unterlagen kritisiert. Die Zahl der IPO-Anträge war im vergangenen Jahr auf ein Rekordhoch gestiegen, was die Regulatoren zu erhöhter Wachsamkeit veranlasste. Der aktuelle Fall zeigt, dass Hongkong seinen Ruf als integrer Finanzplatz aktiv verteidigt.
