Hedgefonds wetten massiv auf steigende Kurse vor US-Iran-Gesprächen
Goldman-Sachs-Notizen zeigen: Hedgefonds drehten erstmals seit acht Wochen mehrheitlich auf Long – kurz vor neuen Marktturbulenzen.

Hedgefonds haben in der vergangenen Woche verstärkt auf steigende Aktienkurse gesetzt. Ausschlaggebend war die Erwartung eines Waffenstillstands im Iran. Das geht aus zwei Kundenmitteilungen von Goldman Sachs vom Samstag hervor, die Reuters am Montag vorlagen.
Die Mehrheit der Aktiengeschäfte von Hedgefonds war bis Freitag zum ersten Mal seit acht Wochen „Long" ausgerichtet. Hedgefonds bauten dabei Short-Positionen ab und gingen gleichzeitig neue Long-Wetten ein. Eine Short-Position setzt auf fallende Kurse, während eine Long-Position einen Kursanstieg erwartet.
Das Timing dieser Positionierungen erwies sich als ungünstig: Die Wetten wurden unmittelbar vor den Turbulenzen an den globalen Märkten am Montag platziert, nachdem die USA mit einer Blockade der iranischen Schifffahrt gedroht hatten.
Die wichtigsten Erkenntnisse aus den Goldman-Mitteilungen
Die Goldman-Sachs-Notizen liefern einen detaillierten Einblick in das Verhalten institutioneller Anleger. Besonders auffällig ist das Volumen der geplanten Käufe durch systematische Fonds:
- Systematische Hedgefonds wie CTAs (Commodity Trading Advisors) wurden erwartet, in diesem Monat S&P-500-Aktien im Wert von geschätzten 40 Milliarden US-Dollar zu kaufen.
- Händler, die ausschließlich Long-Positionen eingehen, kehrten in die Märkte zurück, „nachdem sie seit Beginn des Krieges an der Seitenlinie geblieben waren".
- Während die breiteren Makro-Absicherungspositionen auf Long drehten, hielten Hedgefonds bei Einzelaktien weiterhin Short-Positionen.
- Aktien wurden weltweit gekauft, wertmäßig angeführt von Europa und den Schwellenländern in Asien.
- Globale Stock-Picking-Hedgefonds erzielten in der Woche bis zum vergangenen Freitag eine Rendite von 4 Prozent.
Technologieaktien im Fokus der Verkäufer
Trotz der allgemein bullischen Stimmung gab es einen klaren Sektor, aus dem Hedgefonds Kapital abzogen: Technologieaktien. Laut den Goldman-Mitteilungen verkauften Hedgefonds das größte Volumen an Technologieaktien seit fünf Jahren. Softwarewerte machten dabei 60 Prozent der gesamten Verkäufe aus.
Dieses Muster zeigt eine differenzierte Strategie: Während auf Makroebene auf eine Markterholung gesetzt wurde, reduzierten institutionelle Anleger gleichzeitig ihr Exposure in einem der zuletzt am stärksten bewerteten Sektoren. Für deutsche Privatanleger ist dies ein wichtiges Signal, da Technologiewerte auch in europäischen Depots häufig stark gewichtet sind.
Die Entwicklungen verdeutlichen, wie stark geopolitische Ereignisse – in diesem Fall die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran – die kurzfristige Positionierung großer Marktteilnehmer beeinflussen können. Die anschließenden Marktturbulenzen nach den US-Drohungen gegen die iranische Schifffahrt zeigen zudem, wie schnell sich das Sentiment wieder drehen kann.
