Hays-Aktie nahe Rekordtief trotz besser als erwarteter Quartalszahlen
Der globale Personalvermittler Hays meldet im dritten Quartal einen Honorarrückgang von 8% – und übertrifft damit die Analystenerwartungen leicht.

Der britische Personalvermittler Hays (LSE: HAS) hat für das dritte Quartal bis Ende März 2026 einen währungsbereinigten Rückgang der Netto-Honorarerträge um 8% gemeldet. Analysten hatten zuvor einen Rückgang von 9% erwartet. Damit fiel das Ergebnis zwar besser aus als prognostiziert, doch die Aktie des FTSE-250-Unternehmens notiert weiterhin nahe ihrem jüngsten Rekordtief bei 29,65 Pence.
Nach Bekanntgabe der Zahlen legten die Hays-Aktien um 5% zu. Dennoch haben sich die Papiere im vergangenen Jahr mehr als halbiert – während der FTSE-250-Index im gleichen Zeitraum um fast ein Fünftel zulegte. Auch der Konkurrent PageGroup (LSE: PAGE) verzeichnete eine ähnlich schwache Kursentwicklung.
Rückgänge in allen wichtigen Märkten
Besonders deutlich spürbar ist die Schwäche in den beiden größten Märkten des Unternehmens. In Deutschland, das fast ein Drittel aller Honorare ausmacht, sanken die Netto-Honorarerträge um 11%. In Großbritannien und Irland, dem zweitgrößten Markt mit knapp einem Fünftel der Gesamthonorare, betrug der Rückgang 10%. In Australasien, das 12% der Honorare beisteuert, fiel das Minus mit 2% deutlich moderater aus. Der Rest der Welt, einschließlich der USA, verzeichnete einen Rückgang von 6%.
Beim Blick auf die Beschäftigungsarten zeigt sich ein klares Bild: Die Vermittlung von Zeitarbeitskräften erwies sich als widerstandsfähiger. Honorare aus Zeitarbeitsstellen sanken lediglich um 6%, während Festanstellungen einen deutlich stärkeren Rückgang von 12% verzeichneten. Hays vermittelt Personal in Branchen wie IT, Rechnungswesen und Ingenieurwesen, wobei die Kandidaten im Durchschnitt zwischen 35.000 und 200.000 Britischen Pfund verdienen.
Trotz der schwierigen Marktlage erwartet Hays, dass das jährliche Betriebsergebnis für 2026 weitgehend den Prognosen der City von rund £45,2 Millionen entsprechen wird – ähnlich wie im Vorjahr mit £45,6 Millionen. Interims-Vorstandsvorsitzender Mark Dearnley kommentierte: „Wir erzielen weiterhin ein starkes Produktivitätswachstum bei unseren Beratern, ein gutes Wachstum im Bereich Zeitarbeit und Vertragsgeschäft in mehreren unserer Fokusländer, und unsere umfangreiche Pipeline an Angeboten für Unternehmenskunden entwickelt sich gut."
Produktivität steigt – Verschuldung ebenfalls
Unter Interimschef Dearnley hat Hays die Produktivitätsverbesserungen weiter vorangetrieben und meldet das zehnte Quartal in Folge mit Verbesserungen bei den Netto-Honoraren pro Berater. Das Unternehmen setzt dabei auf Kostensenkungen sowie den Einsatz von Künstlicher Intelligenz zur Verbesserung seiner Dienstleistungen.
Auf der Finanzseite stieg die Nettoverschuldung der Gruppe auf £1,5 Millionen, verglichen mit einem Nettobarbestand von £40,5 Millionen Ende Dezember. Dies markiert eine deutliche Verschiebung in der Bilanzstruktur innerhalb weniger Monate.
Hays wurde vor über einem Jahrhundert gegründet und besetzt heute täglich über 1.000 Stellen. Das Unternehmen beschäftigt rund 8.700 Mitarbeiter in 191 Büros in 29 Ländern und ist in 21 Fachgebieten tätig. Technologiebezogene Stellen generierten im letzten Geschäftsjahr mit 25% die meisten Honorare, gefolgt von Rechnungswesen & Finanzen (15%), Ingenieurwesen (11%) sowie Bauwesen und Immobilien (11%).
Bewertung und Ausblick für Anleger
Für Anleger bleibt das Bild gemischt. Die schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen in Deutschland sowie in Großbritannien und Irland belasten weiterhin das Vertrauen von Unternehmenskunden und Jobsuchenden – insbesondere bei Festanstellungen. Eine vorangegangene Kürzung der Dividende führt dazu, dass die Aktien nun eine prognostizierte Dividendenrendite von lediglich rund 1,4% aufweisen, verglichen mit zuvor über 4%.
Zudem könnte ein prognostiziertes Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), das über dem Drei- und Zehnjahresdurchschnitt liegt, darauf hindeuten, dass die Aktie trotz des niedrigen Kursniveaus nicht zwingend günstig bewertet ist. Dearnley betonte jedoch: „Wir setzen unsere Strategie gut um und ergreifen entschlossene Maßnahmen, um unser Portfolio zu verbessern und unsere finanzielle Performance wiederherzustellen." Ein Handels-Update für das vierte Quartal wird am 10. Juli erwartet.
