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Großbritannien: ISA-Steuerregeln ändern sich ab April 2027 grundlegend

Ab dem 6. April 2027 gilt in britischen Aktien-ISAs eine neue Pauschalsteuer von 22% auf Bareinlagenzinsen – mit einer wichtigen Ausnahme für Geldmarktfonds.

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Großbritannien: ISA-Steuerregeln ändern sich ab April 2027 grundlegend

Ab dem 6. April 2027 führt die britische Regierung eine neue Pauschalsteuer von 22% auf Zinsen ein, die auf Bargeldbestände innerhalb einer Aktien-ISA (Individual Savings Account) gezahlt werden. Die Regelung betrifft auch sogenannte Innovative-Finance-ISAs. Ziel der Maßnahme ist es, britische Privatanleger stärker in echte Kapitalanlagen zu lenken und die Haltung von Bargeld innerhalb von Anlagekonten unattraktiver zu machen.

Die neue Steuer ist Teil eines umfassenderen Reformpakets für ISAs, das Finanzministerin Rachel Reeves bereits im Herbsthaushalt 2025 angekündigt hatte. Dazu gehört unter anderem eine Absenkung des jährlichen Einzahlungslimits für Bargeld-ISAs: Für Personen unter 65 Jahren sinkt der Freibetrag ab April 2027 von bisher 20.000 Pfund auf 12.000 Pfund pro Jahr. Gleichzeitig wird die Übertragung einer Aktien-ISA in eine Bargeld-ISA verboten.

Hintergrund dieser Maßnahmen ist die Sorge der Regierung, dass viele Briten langfristiges Vermögen in bar halten – eine Anlageform, die stärker der Inflation ausgesetzt ist und langfristig weniger Wachstum bietet als investiertes Kapital. Wer künftig den vollen jährlichen ISA-Freibetrag von 20.000 Pfund ausschöpfen möchte, muss als unter 65-Jähriger mindestens 8.000 Pfund in eine Aktien-ISA investieren.

Geldmarktfonds bleiben weitgehend verschont

Eine wichtige Ausnahme gilt für Geldmarktfonds. Diese Fonds investieren in einen diversifizierten Korb aus risikoarmen, kurzlaufenden Anleihen hoher Qualität und erzielen Renditen, die in der Regel den britischen Leitzinsen entsprechen. Aktuell liegt die typische Rendite eines Geldmarktfonds bei rund 3,75%.

Laut dem veröffentlichten Regelwerk „ISA reform 2027 anti-circumvention rules factsheet" gelten Geldmarktfonds als „bargeldähnliche Vermögenswerte", die in einer Aktien-ISA zulässig bleiben – solange sie nicht 100% der Anlagen in der Aktien-ISA ausmachen. Ab April 2027 werden bargeldähnliche Vermögenswerte ausschließlich als Geldmarktfonds definiert. ISA-Manager sind verpflichtet, deren Marktwert über die etablierte statistische Jahresmeldung zu berichten.

Craig Rickman, Redakteur für persönliche Finanzen bei Interactive Investor, erläutert die praktische Konsequenz: Wer unter 65 Jahre alt ist, könnte theoretisch 12.000 Pfund in eine Bargeld-ISA einzahlen, 7.900 Pfund in Geldmarktfonds und lediglich 100 Pfund in einen britischen Aktienfonds investieren – und würde dabei keine Steuer auf die Zinserträge aus den Geldmarktfonds zahlen.

Ein Schlupfloch mit Verfallsdatum?

Diese Konstellation wirft die Frage auf, ob es sich um ein regulatorisches Schlupfloch handelt. Theoretisch könnten Anleger 99% ihrer Aktien-ISA in Geldmarktfonds halten und lediglich 1% in eine andere Anlage investieren – und würden damit die 22%-Steuer vollständig umgehen. Kyle Caldwell von Interactive Investor bezeichnet dies als „wahrscheinlich das einfachste Schlupfloch", das er je gesehen habe.

Allerdings ist Vorsicht geboten: Die Regierung hat angekündigt, dass in Kürze eine technische Konsultation mit der Branche zum Gesetzesentwurf beginnt. Die endgültigen Vorschriften sollen im Herbst festgelegt werden. Es sind also noch Änderungen an den aktuellen Regelungen möglich, bevor diese am 6. April 2027 in Kraft treten.

Geldmarktfonds als sinnvolle Portfoliokomponente

Unabhängig von der steuerlichen Diskussion spielen Geldmarktfonds eine legitime Rolle in der Anlagestrategie vieler Investoren. Sie dienen häufig als vorübergehender Parkplatz für Kapital – etwa wenn Anleger gegenüber kurzfristigen Marktschwankungen vorsichtig sind oder noch entscheiden, wohin sie als Nächstes investieren möchten.

Darüber hinaus eignen sich Geldmarktfonds zur Risikoreduzierung eines Portfolios kurz vor dem Ruhestand oder wenn ein bestimmtes Anlageziel in greifbare Nähe rückt. Wer beispielsweise für den Kauf einer Immobilie gespart hat und kurz vor dem Ziel steht, möchte seine Erträge möglicherweise nicht mehr der Volatilität der Aktienmärkte aussetzen. In solchen Situationen bieten Geldmarktfonds eine vernünftige und risikoarme Alternative.

Für deutsche Anleger sind diese Entwicklungen zwar nicht direkt anwendbar, da das ISA-System ein britisches Steuermodell ist. Sie verdeutlichen jedoch einen internationalen Trend: Regierungen versuchen zunehmend, Sparkapital in produktivere Anlageformen zu lenken und steuerliche Anreize für reine Bargeldanlagen zu reduzieren.

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