Greg Abel führt Berkshire Hathaway seit 100 Tagen: Was sich ändert
Nach 100 Tagen an der Spitze von Berkshire Hathaway setzt Greg Abel bereits deutliche Akzente – und unterscheidet sich spürbar von Warren Buffett.

Greg Abel hat das Ruder bei Berkshire Hathaway übernommen – und die ersten 100 Tage zeigen: Der neue Chef des amerikanischen Konglomerats ist kein bloßer Verwalter des Buffett-Erbes. Abel gestaltet aktiv um, setzt eigene Prioritäten und signalisiert damit einen neuen Führungsstil an der Spitze eines der wertvollsten Unternehmen der Welt.
Bereits kurz vor seinem offiziellen Amtsantritt machte Abel klar, wie er tickt. An einem kalten Dezembernachmittag stellte er sich beim wöchentlichen Mittagessen den Fragen der Mitarbeiter. Eine davon war besonders symbolträchtig: ob er plane, das Unternehmen aus Omaha, Nebraska, zu verlegen – dem Standort, der über Jahrzehnte hinweg das Herzstück von Buffetts Ära war. Abels Antwort war eindeutig: kein Umzug. Doch die Tatsache, dass die Frage überhaupt gestellt wurde, zeigt, wie sehr die Belegschaft Veränderungen erwartet.
Neue Führung, neue Prioritäten
Abel hat bereits konkrete Schritte unternommen. Er beförderte Stellvertreter, die eng mit ihm in seiner früheren Rolle als Leiter der Konglomerat-Sparte von Berkshire zusammengearbeitet haben. Damit baut er sich ein Führungsteam auf, das seinen Arbeitsstil kennt und unterstützt.
Finanziell setzt Abel ebenfalls eigene Akzente: Er bezieht ein höheres Jahresgehalt als sein Vorgänger Buffett – hat sich aber gleichzeitig dazu verpflichtet, den Großteil davon für den Kauf von Berkshire-Aktien auszugeben. Das ist ein klares Bekenntnis zum Unternehmen und ein Signal an die Aktionäre. Darüber hinaus hat Abel ein Aktienrückkaufprogramm wiederbelebt, das seit 2024 geruht hatte.
Auch international ist Abel aktiv geworden: Er hat Berkshires Interessen in Japan verstärkt und eine Beteiligung an einem japanischen Versicherer erworben. Japan war bereits unter Buffett ein wachsender Fokusmarkt für Berkshire – Abel setzt diesen Kurs fort und vertieft ihn.
Kritischerer Blick auf das Portfolio
Was Abel von Buffett besonders unterscheidet, ist sein operativer Ansatz. Abel ist dafür bekannt, deutlich stärker ins operative Geschäft involviert zu sein als sein Vorgänger. Laut mit der Angelegenheit vertrauten Personen prüft er die Geschäftsbereiche und das Aktienportfolio von Berkshire mit einem frischeren und kritischeren Blick. Es wird erwartet, dass er bei Unternehmen, Aktienbeteiligungen und sogar Führungskräften, die seine Erwartungen nicht erfüllen, mit harter Hand agieren wird.
Abel selbst räumt die Unterschiede offen ein. „Warren, Charlie und ich weisen einige Unterschiede auf, allein im Stil und offensichtlich darin, wie wir die Dinge angehen", sagte er in einem Interview mit Bezug auf Buffett und dessen langjährigen Geschäftspartner, den verstorbenen Charlie Munger. Gleichzeitig betonte er die Kontinuität: „Unsere Grundwerte sind weiterhin das Fundament, auf dem wir unser Unternehmen aufbauen."
Für Anleger der Berkshire-Aktie – auch in Deutschland ein beliebtes Investment in der B-Aktie – bedeutet die neue Ära sowohl Kontinuität als auch Wandel. Die Kernprinzipien des Value-Investings bleiben erhalten, doch der operative Druck auf die Beteiligungen dürfte unter Abel spürbar steigen. Die ersten 100 Tage legen nahe: Berkshire Hathaway bleibt sich treu – aber es weht ein frischer Wind.
