Greg Abel führt Berkshire Hathaway mit kritischerem Blick
Buffetts Nachfolger prüft Geschäftsbereiche und Aktienportfolio strenger – und schließt Verkäufe bei Underperformance nicht aus.

Greg Abel, der in diesem Jahr die Nachfolge von Warren Buffett als CEO von Berkshire Hathaway angetreten hat, geht die Führung des Konglomerats mit einem anderen Ansatz an als sein legendärer Vorgänger. Wie mit der Angelegenheit vertraute Personen gegenüber dem Wall Street Journal berichteten, unterzieht Abel sowohl die Geschäftsbereiche als auch das Aktienportfolio einer genaueren und kritischeren Prüfung. Dies markiert einen spürbaren Stilwechsel an der Spitze eines der wertvollsten Unternehmen der Welt.
Buffett war für seinen langfristigen, geduldigen Investmentansatz bekannt – sein berühmtes Credo lautete, die bevorzugte Haltedauer einer Aktie sei „ewig". Abel hat dieses Prinzip zwar übernommen und ebenfalls betont, dass Berkshires bevorzugte Haltedauer „ewig" sei. Dennoch signalisiert er laut den Informanten eine wichtige Nuance: Ein Verkauf ist nicht ausgeschlossen, falls ein Unternehmen die Erwartungen nicht erfüllt. Das ist eine bemerkenswerte Aussage für ein Unternehmen, das für seine Geduld als Investor berühmt ist.
Kerninvestments bleiben unangetastet
Abel hat bereits klar kommuniziert, welche Positionen er als unveräußerliche „Kerninvestments" betrachtet. Dazu zählen vier prominente Namen:
- Apple
- American Express
- Coca-Cola
- Moody's
Diese Beteiligungen gehören zu den bekanntesten und langfristig aufgebauten Positionen im Berkshire-Portfolio und dürften auch unter der neuen Führung das Rückgrat des Aktienportfolios bilden.
Gleichzeitig hat Abel bereits erste personelle und portfoliobezogene Konsequenzen gezogen. Laut mit den Investitionen von Berkshire vertrauten Kreisen hat er jene Aktienbestände veräußert, die von Todd Combs verwaltet wurden. Combs, ein langjähriger Investment-Manager bei Berkshire, verließ das Unternehmen kürzlich, um zu JPMorgan Chase zu wechseln. Der Abverkauf dieser Positionen unterstreicht Abels Bereitschaft, das Portfolio aktiv neu auszurichten.
Seltene Ausnahme: Verkauf von Tochtergesellschaften
Ein weiterer Aspekt betrifft die hundertprozentigen Tochtergesellschaften von Berkshire Hathaway. Historisch gesehen hat das Unternehmen diese nur in äußerst seltenen Fällen veräußert – eine Tradition, die tief in der Unternehmenskultur verwurzelt ist. Ob Abel auch hier einen aktiveren Kurs einschlagen wird, bleibt abzuwarten. Die Berichte deuten jedoch darauf hin, dass er grundsätzlich bereit ist, Entscheidungen neu zu bewerten, wenn die Leistung eines Unternehmens hinter den Erwartungen zurückbleibt.
Für Anleger weltweit ist die Frage, wie Abel Berkshire Hathaway führen wird, von großer Bedeutung. Das Konglomerat hält Beteiligungen an Dutzenden von Unternehmen und gilt als Gradmesser für den amerikanischen Wirtschaftsraum. Der neue CEO scheint entschlossen, das Erbe Buffetts zu wahren – aber mit einem schärferen analytischen Blick auf Rendite und Erwartungserfüllung.
