Google TurboQuant drückt Micron, WDC und SanDisk-Aktien deutlich
Neue KI-Kompressionstechnologie von Google könnte den Speicherbedarf massiv senken – Speicherchipaktien reagieren mit deutlichen Kursverlusten.

Speicherchiphersteller gerieten am Mittwoch unter erheblichen Verkaufsdruck, obwohl der breitere Technologiesektor zulegte. Auslöser war die Vorstellung von TurboQuant, einem neuen Komprimierungsalgorithmus von Google, der den Speicherbedarf für KI-Systeme drastisch reduzieren könnte.
Die Kursverluste fielen deutlich aus: SanDisk (SNDK) brach um 5,7 Prozent ein, Western Digital (WDC) verlor 4,7 Prozent, Seagate Technology (STX) rutschte um 4 Prozent ab und Micron Technology (MU) sank um 3 Prozent. Dies geschah, während der Nasdaq 100 gleichzeitig Gewinne verzeichnete – ein klares Zeichen, dass der Markt die Google-Ankündigung als sektorspezifisches Risiko bewertet.
Was steckt hinter TurboQuant?
TurboQuant ist eine Kompressionstechnologie, die speziell für den sogenannten Key-Value-Cache in großen Sprachmodellen entwickelt wurde. Dieser Cache speichert häufig abgerufene Informationen in KI-Systemen und gilt als einer der größten Speicherfresser moderner KI-Infrastruktur.
Laut Google kann TurboQuant den Key-Value-Cache auf nur 3 Bit komprimieren – ohne Training oder Fine-Tuning und ohne Verlust der Modellgenauigkeit. Tests mit Open-Source-Modellen wie Gemma und Mistral zeigten eine sechsfache Reduzierung der Key-Value-Speichergröße. Auf H100-GPU-Beschleunigern von Nvidia erzielte der Algorithmus zudem eine bis zu achtfache Leistungssteigerung gegenüber unkomprimierten Schlüsseln.
Die Technologie arbeitet in zwei Schritten: Zunächst kommt die PolarQuant-Methode zum Einsatz, die Datenvektoren rotiert und so eine hochwertige Komprimierung ermöglicht. Anschließend eliminiert der Quantized-Johnson-Lindenstrauss-Algorithmus verbleibende Fehler.
Marktreaktion spiegelt Nachfragesorgen wider
Herkömmliche Vektorquantisierungsmethoden verursachen laut Google 1 bis 2 zusätzliche Bit pro Zahl an Speicher-Overhead, was die Vorteile der Komprimierung teilweise zunichtemacht. TurboQuant soll dieses Problem lösen und damit den Speicherbedarf in KI-Rechenzentren nachhaltig senken.
Die Anwendungsfelder gehen dabei über KI-Modelle hinaus: Auch Vektorsuchfunktionen für groß angelegte Suchmaschinen könnten profitieren. Google plant, TurboQuant auf der ICLR 2026 zu präsentieren, PolarQuant soll auf der AISTATS 2026 vorgestellt werden.
Für Anleger ist der Kontext entscheidend: Speicherchipaktien haben seit Jahresbeginn eine erhebliche Rally erlebt, getrieben von der Erwartung stark wachsender KI-Infrastrukturinvestitionen. Diese Bewertungsprämie macht die Aktien besonders anfällig für Nachrichten, die die künftige Speichernachfrage infrage stellen könnten – wie eben die Ankündigung von TurboQuant.
