Goldman Sachs warnt vor Kursrückgang nach rasanter Erholungsrally
Nach der durch den US-Iran-Waffenstillstand ausgelösten Rally sieht Goldman Sachs ein erhöhtes Rückschlagsrisiko für Aktienanleger.

Goldman Sachs warnt Anleger vor einem bevorstehenden Kursrücksetzer am Aktienmarkt. Die Erholungsrally, die durch das vorübergehende Waffenstillstandsabkommen zwischen den USA und dem Iran ausgelöst wurde, hat laut der US-Investmentbank die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Abschwungs erhöht. Analysten raten Investoren ausdrücklich davon ab, weitere Risikoanlagen in ihre Portfolios aufzunehmen.
Der Auslöser der Rally war eine Ankündigung von US-Präsident Trump am 8. April: Er verkündete ein vorübergehendes Waffenstillstandsabkommen zwischen den USA und dem Iran. Anleger kehrten daraufhin in den sogenannten „Risk-on"-Modus zurück. Die Erholungsbewegung war so stark, dass sie nicht nur die Kriegsverluste wettmachte, sondern den S&P 500 und den Nasdaq auf neue Rekordhochs trieb.
Kurz vor Ablauf des Waffenstillstands verlängerte Trump das Abkommen, bis die iranische Führung einen Vorschlag vorlegt oder die Gespräche abgeschlossen sind. Die US-Börsen eröffneten den Handel am Mittwoch infolge dieser Nachrichten fester. Dennoch bleibt Goldman Sachs skeptisch, was die kurzfristige Marktentwicklung angeht.
Ungünstige Asymmetrie für Risikoanleger
In einer Mitteilung an ihre Kunden formulierten die Goldman-Analysten ihre Warnung unmissverständlich: „Basierend auf unserem Framework für Aktienasymmetrie bleibt das Risiko eines weiteren Kursrückgangs erhöht und das Potenzial für eine Rally gering, was auf eine ungünstige Asymmetrie für die Aufnahme von Risiken hindeutet." Diese Einschätzung richtet sich direkt an Anleger, die auf eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung setzen.
Die Analysten betonen dabei, dass ihre Warnung vor einem potenziellen Ausverkauf nicht als Änderung ihrer grundsätzlichen Markterwartungen zu verstehen ist. Goldman Sachs hält an seinem optimistischen Langzeitausblick für Aktien fest. Im Gegensatz zu anderen Bankhäusern beließ Goldman sein Kursziel für den S&P 500 zum Jahresende 2026 unverändert bei 7.600 Punkten – ein Wert, der seit Beginn des Iran-Krieges nicht angepasst wurde.
Energieschock belastet den Konjunkturausblick
Als zentralen Risikofaktor nennen die Goldman-Analysten den anhaltenden Energieschock infolge des Nahostkrieges. „Aufgrund des anhaltenden Energieschocks aus dem Nahostkrieg hat sich der Konjunkturausblick verschlechtert, was es schwieriger macht, das Risiko eines Kursrückgangs zu ignorieren, insbesondere da die Bewertungen wieder steigen", so die Analysten. Steigende Bewertungen in einem wirtschaftlich belasteten Umfeld erhöhen die Anfälligkeit des Marktes für Korrekturen.
Goldman Sachs hält die Wahrscheinlichkeit eines Kursrückgangs zwar für größer als die einer weiteren Rally, weist jedoch gleichzeitig darauf hin, dass ein dauerhaftes Ende des Iran-Krieges Risikoanlagen nachhaltig stützen würde. Für deutsche Anleger, die in US-Aktien oder globale Fonds investiert sind, ist diese Einschätzung besonders relevant: Ein erneuter Rücksetzer an den US-Leitbörsen würde sich erfahrungsgemäß auch auf europäische und deutsche Märkte auswirken.
Die Botschaft von Goldman Sachs ist damit klar: Kurzfristige Vorsicht ist geboten, der langfristige Optimismus bleibt jedoch bestehen. Anleger sollten die aktuelle Marktsituation genau beobachten und Risikopositionen nicht vorschnell ausbauen.
