Goldman Sachs: Aktienrally trotz Iran-Krieg kann weitergehen
Die Aktienmärkte notieren nahe Rekordhochs – Goldman Sachs sieht trotz anhaltender geopolitischer Unsicherheit weiteres Aufwärtspotenzial.

Die Aktienmärkte haben sich nach einer starken Rally der vergangenen Woche wieder in die Nähe ihrer Rekordhochs vorgearbeitet – und das trotz anhaltender Spannungen im Iran-Krieg. Goldman Sachs zeigt sich optimistisch, dass die positive Marktdynamik fortbestehen kann, selbst wenn ein konkretes Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran weiterhin aussteht.
Analyst Dominic Wilson von Goldman Sachs erklärte am Sonntagabend, dass die erneute Rally aus Sicht der Bank nicht überraschend sei. „Wenn der Markt sein Vertrauen bewahren kann, dass eine Lösung bevorsteht, könnten selbst erhebliche Verzögerungen bei der Wiederaufnahme der Ölströme sowie die Möglichkeit größerer Engpässe und wirtschaftlicher Störungen keine nachhaltigen Auswirkungen auf die Aktienbewertungen haben", schrieb Wilson.
Zwar räumt der Analyst ein, dass manche Marktteilnehmer eine anhaltende Entlastung für verfrüht halten könnten, solange kein Friedensvertrag vorliegt. Sein Team glaube jedoch nicht, dass es falsch sei anzunehmen, dass der Markt weiter voranschreiten und steigen könne, während Anleger ihren Fokus auf kommende Katalysatoren und die Chancen in der Marktlandschaft nach dem Krieg richten.
Blick über den Krieg hinaus als Kurstreiber
Goldman Sachs betont, dass der Ausblick über den Krieg hinaus zu einem immer wichtigeren Treiber für künftige Marktchancen werde. Die Analysten rechnen dabei mit einem wirtschaftlichen Umfeld, das von geringerem Wachstum, höherer Inflation, höheren Ölpreisen und steigenden Zinsen der Zentralbanken geprägt sein wird.
Gleichzeitig weist die Bank darauf hin, dass steigende Gewinnerwartungen die Bewertungen von US-Aktien gesenkt haben. Dies mache den Ausblick zyklisch weniger unterstützend, aber technologie-freundlicher als zu Jahresbeginn – und begünstige Vermögenswerte, die auf der richtigen Seite des Terms-of-Trade-Schocks stehen.
Ein weiterer Faktor, der die Märkte stützt: Die Erwartungen der Anleger waren zuvor so niedrig, dass selbst kleine positive Signale als bullische Indikatoren gewertet werden. „Der Markt wird Phasen der Eskalation eher im Kontext von Verhandlungen über ein Friedensabkommen betrachten und dürfte davor zurückschrecken, zu stark auf enttäuschende Nachrichten zu reagieren, da diese Phasen bisher schnell wieder korrigiert wurden", so Wilson.
Risiken bleiben auf dem Radar
Trotz des grundsätzlichen Optimismus blendet Goldman Sachs die Risiken nicht aus. Wilson weist darauf hin, dass weiterhin die Gefahr bestehe, dass sich der Markt erneut auf Abwärtsrisiken konzentrieren könnte – etwa beim Scheitern von Friedensverhandlungen oder einer nichtlinearen Eskalation der wirtschaftlichen Folgen.
Sein Team glaube jedoch nicht, dass einer dieser Faktoren die Rally angesichts der jüngsten Performance bremsen werde. Beide Seiten des Konflikts scheinen laut der Bank eine Einigung erzielen zu wollen, um den seit Wochen andauernden Krieg zu beenden. „Die zentrale Annahme des Marktes ist, dass diese Schwelle nicht überschritten wird", fasste Wilson zusammen.
Für deutsche Anleger ist die Einschätzung von Goldman Sachs besonders relevant, da steigende Ölpreise und geopolitische Unsicherheiten auch europäische Märkte und die exportabhängige deutsche Wirtschaft direkt belasten können. Die Entwicklung der Friedensverhandlungen zwischen den USA und dem Iran bleibt damit ein zentraler Faktor für die weitere Börsenentwicklung.
