GlobalFoundries übernimmt Betrieb für 21-Milliarden-Dollar-Chipfabriken in den USA
Der US-Chiphersteller wird Technologieanbieter und Betreiber zweier neuer Halbleiterwerke in Malta, New York – finanziert von Japan.

Der US-amerikanische Chiphersteller GlobalFoundries übernimmt eine zentrale Rolle in einem der größten industriepolitischen Projekte der Vereinigten Staaten. Im Rahmen einer gemeinsamen US-japanischen Initiative wird das Unternehmen als Technologieanbieter und Betreiber für zwei neue Halbleiterfertigungsanlagen in Malta im Bundesstaat New York fungieren. Das Investitionsvolumen liegt bei bis zu 21 Milliarden US-Dollar und wird vollständig von japanischer Seite bereitgestellt. Die Aktien von GlobalFoundries reagierten positiv auf die Ankündigung und stiegen im vorbörslichen Handel um rund 5 Prozent.
Das Vorhaben ist Teil eines deutlich umfassenderen Abkommens: Japan investiert insgesamt 550 Milliarden US-Dollar in die USA und erhält im Gegenzug eine Senkung der US-Zölle auf japanische Importe, insbesondere auf Autos, von 25 auf 15 Prozent. Die beiden neuen Fabriken sollen gemeinsam von der US-Regierung und japanischen Interessen gehalten werden. Damit verbindet das Projekt klassische Handelspolitik mit dem Ziel, die heimische Halbleiterproduktion zu stärken.
Für GlobalFoundries ergeben sich laut CEO Tim Breen mehrere Einnahmequellen. Das Unternehmen, das mehrheitlich im Besitz des Staatsfonds Mubadala aus Abu Dhabi ist, verdient am Bau, am Betrieb sowie an der Lizenzierung seiner Fertigungstechnologie. Breen betonte zudem, dass man bei der Kapazitätsvergabe US-amerikanischen und japanischen Kunden Priorität einräume.
Die Details
Der Zeitplan ist konkret: Die erste Fabrik soll 2026 den Spatenstich erleben und ab 2029 in Betrieb gehen. Beide Anlagen sollen jeweils eine Kapazität von etwa 900.000 300mm-Wafern pro Jahr erreichen. Mit dem Projekt entstehen schätzungsweise 27.000 Arbeitsplätze im Bau- und Ökosystemsektor sowie über 1.000 Stellen in der Fertigung.
Zu den genannten Abnehmern zählen unter anderem Apple, Renesas Electronics, Cirrus Logic und General Motors. Ein Teil der japanischen Kapitalinvestitionen soll laut Breen in die japanische Zulieferindustrie zurückfließen, etwa an Unternehmen wie Tokyo Electron, die gemeinsam mit US-Konkurrenten die Lieferkette dominieren.
Parallel dazu hat GlobalFoundries eine Anpassung seiner bestehenden Förderung durch den „CHIPS and Science Act“ vereinbart. Das US-Handelsministerium investiert 955 Millionen US-Dollar in die Bereiche Silizium-Photonik, Silizium-Germanium und fortschrittliche Verpackungstechnologien an den Standorten Malta und Burlington, Vermont. Im Zuge dieser Vereinbarung erhält die US-Regierung einen weiteren Anteil von etwa 4 Prozent an GlobalFoundries, womit sich ihre Gesamtbeteiligung auf rund 7 Prozent erhöht.
Auch die Finanzstruktur des Gesamtprojekts ist geregelt: Verfügbare Cashflows werden zunächst gleichmäßig zwischen den USA und Japan aufgeteilt, bis ein bestimmter Schwellenwert erreicht ist. Danach fließen 90 Prozent der Erträge an die USA. Die Auswahl der Projekte liegt bei der US-Regierung.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 11.02.2026 berichtete aktien.news, dass GlobalFoundries mit seinen Quartalszahlen die Erwartungen der Analysten deutlich übertraf. Der Umsatz im vierten Quartal belief sich auf 1,83 Milliarden Dollar und lag damit über den Analystenschätzungen von 1,80 Milliarden Dollar; auf bereinigter Basis verdiente das Unternehmen 55 Cent pro Aktie, deutlich mehr als die erwarteten 47 Cent. Zugleich kündigte das Unternehmen ein Aktienrückkaufprogramm im Volumen von 500 Millionen Dollar an, die Aktie legte im vorbörslichen Handel um über 7 Prozent zu.
Ebenfalls am 11.02.2026 meldete aktien.news, dass GlobalFoundries seine Umsatzprognose für das erste Quartal 2026 anhob. Für das laufende Quartal rechnete das Unternehmen mit Erlösen von 1,63 Milliarden Dollar, plus oder minus 25 Millionen Dollar, während Analysten zuvor lediglich 1,61 Milliarden Dollar erwartet hatten. Beim bereinigten Gewinn je Aktie peilte GlobalFoundries 35 Cent an, verglichen mit der Konsensschätzung von 34 Cent.
Am 17.09.2026 berichtete aktien.news über eine deutlich vertiefte Partnerschaft mit Marvell Technology. Im Mittelpunkt stand die Produktion von Halbleitern für Hochgeschwindigkeits-Glasfaserverbindungen in Rechenzentren auf Basis der Silizium-Germanium-Technologie (SiGe) von GlobalFoundries, die künftig verstärkt im Werk in Burlington, Vermont, gefertigt werden soll. Die Aktien von GlobalFoundries stiegen damals im vorbörslichen Handel um knapp sechs Prozent, die Papiere von Marvell um 4,5 Prozent.
Erst am 08.10.2026 folgte die Meldung, dass TSMC und GlobalFoundries eine mehrjährige Kooperation im Wert von 2 Milliarden US-Dollar geschlossen haben. Im Zentrum steht die Fertigung von Silizium-Interposern im GlobalFoundries-Werk in Malta im US-Bundesstaat New York – Komponenten, die für die fortschrittliche Chip-Verpackungstechnologie CoWoS entscheidend sind.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist bemerkenswert, dass GlobalFoundries innerhalb weniger Monate mehrfach mit neuen Kooperationen und Aufträgen aufgefallen ist – von der Marvell-Partnerschaft über die TSMC-Zusammenarbeit bis zum nun angekündigten Fabrikprojekt. Der Konzern positioniert sich damit zunehmend als Betreiber und Technologielieferant innerhalb der US-Halbleiterstrategie, nicht nur als reiner Auftragsfertiger.
Gleichzeitig verändert sich die Eigentümerstruktur: Mit der CHIPS-Vereinbarung steigt die Beteiligung der US-Regierung auf rund 7 Prozent. Anleger sollten zudem die Finanzarchitektur des Großprojekts im Blick behalten, nach der Erträge zunächst hälftig zwischen USA und Japan geteilt werden und erst nach Erreichen eines Schwellenwerts zu 90 Prozent an die USA fließen. Diese Konstruktion unterscheidet sich deutlich von einem klassischen, rein privat finanzierten Fabrikbau. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausblick
Die erste der beiden Anlagen in Malta, New York, soll 2026 mit dem Spatenstich beginnen und ab 2029 in Betrieb gehen. Beide Fabriken sind auf eine Kapazität von jeweils etwa 900.000 300mm-Wafern pro Jahr ausgelegt. Wie sich die Nachfrage der genannten Kunden Apple, Renesas Electronics, Cirrus Logic und General Motors entwickelt, dürfte für die Auslastung der neuen Kapazitäten entscheidend sein.
Kurz erklärt
- 300mm-Wafer: Eine Siliziumscheibe mit 300 Millimetern Durchmesser, auf der Chips in großer Stückzahl gleichzeitig gefertigt werden.
- Silizium-Photonik: Technologie, bei der Licht statt elektrischer Signale zur Datenübertragung auf einem Chip genutzt wird.
- CHIPS and Science Act: Ein US-Gesetz, mit dem die heimische Halbleiterproduktion staatlich gefördert wird.
