Globale Ölproduktion erholt sich bis Jahresende von Iran-Kriegsfolgen
Die US-Energiebehörde EIA senkt ihre Ölpreisprognosen deutlich und erwartet eine vollständige Markterholung bis Ende 2025.

Die weltweite Ölproduktion und die globalen Handelsströme werden sich bis Ende dieses Jahres vollständig von den Störungen durch den Iran-Krieg erholen. Das teilte die US Energy Information Administration (EIA) am Dienstag in ihrem kurzfristigen Energieausblick für Juli mit. Die Behörde senkte gleichzeitig ihre Preisprognosen für Rohöl und Kraftstoffe deutlich nach unten.
Die globale Referenzsorte Brent soll demnach im dritten Quartal dieses Jahres am Spotmarkt durchschnittlich rund 74 US-Dollar pro Barrel kosten. Im Juni hatte der Durchschnittspreis noch bei 85 US-Dollar gelegen. Noch im vergangenen Monat hatte die EIA für das dritte Quartal einen Durchschnittspreis von über 101 US-Dollar pro Barrel prognostiziert – eine drastische Korrektur nach unten.
Straße von Hormus als Nadelöhr des Weltölmarkts
Der Auslöser der Marktverwerfungen war die monatelange Blockade der Straße von Hormus während des Krieges. Diese strategisch bedeutende Wasserstraße, durch die ein erheblicher Teil des weltweiten Öltransports fließt, war über Wochen hinweg kaum passierbar. Die Folge: Die tägliche Ölproduktion im gesamten Nahen Osten sank um Millionen von Barrel, und Raffinerien von Europa bis Asien mussten ihre Kraftstoffproduktion drosseln.
Nach einem vorläufigen Abkommen zwischen den USA und dem Iran hat der Schiffsverkehr durch die Wasserstraße in den letzten Tagen wieder zugenommen. Die EIA betont jedoch, dass die Durchfahrt durch Hormus noch nicht völlig sicher ist. Dennoch hat die Behörde ihre Erwartungen für die jährliche Ölproduktion angehoben und ihre Preisprognosen entsprechend gesenkt.
Die EIA geht davon aus, dass der Großteil der zuvor im Nahen Osten gedrosselten Ölproduktion bis zum ersten Quartal 2027 wieder aufgenommen wird. Dies werde das weltweite Angebot erhöhen und die Entnahmen aus den Lagerbeständen verringern. Die Ölmärkte würden dadurch in einen Zustand des Überangebots zurückkehren, was zusätzlichen Druck auf die Preise ausüben dürfte.
Ölpreise 2027 deutlich tiefer erwartet
„Wir gehen davon aus, dass der anhaltende Aufbau der Ölvorräte im nächsten Jahr den Druck auf die Rohölpreise weiter nach unten treiben wird", erklärte die EIA in ihrem Juli-Ausblick. Für das Jahr 2027 erwartet die Behörde nun einen durchschnittlichen Ölpreis von rund 65 US-Dollar pro Barrel. Noch zuvor hatte die Prognose für 2027 bei über 79 US-Dollar pro Barrel gelegen.
Für US-Verbraucher und Pendler bedeutet die Entwicklung eine spürbare Entlastung an der Zapfsäule. Die EIA erwartet, dass die Kraftstoffpreise an US-Tankstellen im dritten Quartal durchschnittlich etwa 3,80 US-Dollar pro Gallone betragen werden. Im zweiten Quartal hatte der Durchschnittspreis noch bei 4,21 US-Dollar pro Gallone gelegen.
Die hohen Kraftstoffpreise infolge des Iran-Krieges hatten in den USA erhebliche politische Brisanz entfaltet. Sie trieben die Benzinpreise auf Mehrjahreshöchststände und stellten für Präsident Donald Trump sowie seine Republikanische Partei eine bedeutende politische Belastung vor den Zwischenwahlen im November dar. Eine Normalisierung der Ölmärkte käme der Regierung daher politisch gelegen.
