Flatexdegiro vor Mega-Fusion in USA
Deal soll Wachstum nach Regulierungsproblemen bringen

Der deutsche Online-Broker Flatexdegiro lotet einen Verkauf des Unternehmens aus. Wie Konzernchef Frank Niehage am Donnerstag verlauten ließ, würde ein Zusammenschluss mit einem strategischen Partner aus den USA oder Asien großen Sinn ergeben. Damit ließe sich ein weltweit agierender Finanzdienstleister schaffen.
Als mögliche Interessenten kommen große US-Brokerinfrastrukturanbieter wie Charles Schwab oder Interactive Brokers in Frage. Aber auch FinTechs aus Asien könnten die Expansion des Brokers vorantreiben. Flatexdegiro ist mit 2,5 Millionen Kundenkonten bereits heute in 16 Ländern Europas aktiv.
Hintergrund sind regulatorische Probleme bei Flatexdegiro, die eine Sonderprüfung der Bafin ausgelöst hatten. Die Finanzaufsicht hatte Mängel in der Unternehmensführung festgestellt und einen Sonderbeauftragten eingesetzt. Laut Niehage konnte Flatexdegiro inzwischen Fortschritte bei der Behebung der organisatorischen Mängel erzielen.
Dennoch braucht der Online-Broker einen starken Partner, um seine Wachstumsambitionen umzusetzen. Ein Zusammenschluss mit einem US-Rivalen könnte Flatexdegiro Zugang zum gewaltigen US-Markt verschaffen. Gleichzeitig würde ein finanzstarker Partner aus Asien helfen, die Internationalisierung mit hohen Investitionen zu beschleunigen.
Flatexdegiro prüft daher aktiv Optionen für einen Verkauf des Unternehmens. Die Bafin hat bereits signalisiert, Vorschläge für einen Aktienrückkauf oder eine Sonderdividende im Zuge eines Deals mitzutragen. Flatexdegiro wird also voraussichtlich schon bald den Besitzer wechseln.
Damit setzt sich die Konsolidierung unter den Online-Brokern fort. Die Branche war in der Pandemie durch den Börsenboom stark gewachsen. Nun schwächt sich die Konjunktur ab, was das Kundenwachstum bremst. Zudem nehmen die regulatorischen Anforderungen zu. Übernahmen und Fusionen sind daher der Ausweg.
In den USA fusionierte Charles Schwab 2020 mit TD Ameritrade. Hierzulande schloss sich die Commerzbank ihrer Online-Tochter Comdirect an. Und die französische BNP Paribas übernahm ihren heimischen Rivalen Exane. Die Verschmelzung von Flatexdegiro mit einem US-Broker wäre der nächste logische Schritt beim Schmieden neuer Finanzgiganten.
Für Anleger bietet eine Übernahme Chancen und Risiken. Einerseits winkt eine Prämie auf den Aktienkurs. Andererseits besteht die Gefahr, dass der angestammte Broker seinen serviceorientierten Charakter verliert, wenn er in einem Großkonzern aufgeht. Kunden könnten dann abwandern. Eine Marke mit Tradition wie Flatexdegiro sollte daher trotz Fusion ihre Eigenständigkeit wahren.
