Fed-Entscheidung: Powell tritt ab, Warsh übernimmt das Steuer
Die Fed hält die Zinsen stabil, während Jerome Powell seine letzte Sitzung leitet und Kevin Warsh als Nachfolger bestätigt werden soll.

Es ist ein historischer Tag für die mächtigste Zentralbank der Welt: Das Federal Open Market Committee (FOMC) tagt, und alles deutet darauf hin, dass dies Jerome Powells Abschiedsvorstellung als Fed-Vorsitzender ist. Noch vor Abschluss der Sitzung soll der US-Senat über die Bestätigung von Kevin Warsh als neuen Fed-Chef abstimmen – ein Führungswechsel mit weitreichenden Folgen für die globale Geldpolitik.
Die Märkte rechnen fest mit einer unveränderten Zinspolitik: Fed-Funds-Futures preisen eine 100-prozentige Wahrscheinlichkeit für ein Beibehalten des Leitzinses ein. Geldpolitische Änderungen werden demnach bis weit in das Jahr 2027 nicht erwartet. Dennoch bleibt die Unsicherheit hoch, denn das FOMC erscheint gespaltener denn je.
Powells Vermächtnis und der Druck aus dem Weißen Haus
Im Mittelpunkt der Debatte steht Powells Verteidigung der Unabhängigkeit der Fed gegenüber dem unaufhörlichen Druck von US-Präsident Donald Trump. Trump, der Powell ursprünglich selbst ernannt hatte, fordert weiterhin lautstark schnelle und aggressive Zinssenkungen. Wie Powells Nachfolger Warsh das Verhältnis der Zentralbank zum Weißen Haus künftig gestalten wird, ist eine der drängendsten Fragen der kommenden Monate.
Offen bleibt zudem, ob Powell nach dem offiziellen Ende seiner Amtszeit als Vorsitzender am 15. Mai als einfaches Mitglied des Gouverneursrats der Fed verbleiben wird. Sein Abgang markiert das Ende einer turbulenten Ära, die von der Corona-Pandemie, historischer Inflation und einem der aggressivsten Zinserhöhungszyklen der Fed-Geschichte geprägt war.
Märkte agieren vorsichtig – Geopolitik und Tech unter Druck
An den Finanzmärkten herrscht am Mittwoch Zurückhaltung. Die E-Mini-Futures auf den S&P 500 notieren 0,1 Prozent im Plus, während der MSCI-Index für asiatisch-pazifische Aktien außerhalb Japans frühere Verluste wettmachte und unverändert tendierte. Im frühen europäischen Handel notierten die regionalen Futures sowie die DAX-Futures ebenfalls unverändert, die FTSE-Futures gaben um 0,2 Prozent nach.
Händler wägen dabei gleich mehrere Belastungsfaktoren ab. Die diplomatische Sackgasse zwischen Washington und Teheran drückt auf die Stimmung: Das Wall Street Journal berichtete unter Berufung auf US-Beamte, dass Trump seine Berater angewiesen habe, Vorbereitungen für eine längere Blockade des Irans zu treffen.
Auch aus dem Technologiesektor kommen keine positiven Impulse. Chiphersteller in Asien verzeichneten Einbußen, nachdem das Wall Street Journal berichtete, dass das KI-Schwergewicht OpenAI interne Ziele für wöchentliche Nutzerzahlen und Umsätze verfehlt habe. Dies schürt Sorgen, ob die ChatGPT-Muttergesellschaft ihre massiven Ausgaben für Rechenzentren aufrechterhalten kann. Bereits zuvor hatten die Berichte die Aktien von Oracle und CoreWeave im Wall-Street-Handel belastet.
Pernod Ricard und Brown-Forman beenden Fusionsgespräche
Auf Unternehmensseite sorgt das Scheitern einer möglichen Großfusion für Aufsehen. Pernod Ricard und Brown-Forman haben ihre Fusionsgespräche beendet. Der französische Spirituosenkonzern und der in Kentucky ansässige Eigentümer der Whiskey-Marke Jack Daniel's konnten keine für beide Seiten akzeptablen Bedingungen finden.
Der Handelstag bringt darüber hinaus eine Fülle wichtiger Unternehmensergebnisse. Aus Europa berichten unter anderem Deutsche Bank, Amundi, Mercedes-Benz, Norsk Hydro, AstraZeneca, GSK, TotalEnergies und Universal Music Group. Aus den USA stehen die Zahlen von <a class="tvreplink" target="_blank" href="https://de.tradingview.com/symbols/Nasdaq%3AGOOG">Alphabet, Microsoft, Amazon.com, Meta, AbbVie und Qualcomm auf dem Programm. Makroökonomisch stehen zudem die Eurozone-Daten zu Geldmenge M3, Geschäftsklima und Verbrauchervertrauen sowie der vorläufige deutsche Verbraucherpreisindex für April im Fokus.
