EZB senkt Zinsen, Kreditvergabe verliert an Dynamik
Unternehmen erhalten weniger Kredite, während Haushalte vermehrt Darlehen nachfragen

Die Kreditvergabe der Banken an Unternehmen im Euroraum hat im Juli 2024 leicht an Dynamik verloren, obwohl die Europäische Zentralbank (EZB) kürzlich ihren Leitzins gesenkt hat. Nach aktuellen Angaben der EZB stieg die Vergabe von Krediten an Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr um 0,6 Prozent. Dies stellt einen geringfügigen Rückgang im Vergleich zum Juni dar, als das Wachstum noch bei 0,7 Prozent lag. Im Gegensatz dazu wuchs die Kreditvergabe an Privathaushalte im Juli um 0,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr, was eine Steigerung gegenüber dem Plus von 0,3 Prozent im Juni darstellt.
Die Geldmenge M3, die unter anderem Bargeld, Einlagen auf Girokonten sowie Geldmarktpapiere und Schuldverschreibungen umfasst, stieg im Juli um 2,3 Prozent. Dieser Anstieg lag unter den Erwartungen der von Reuters befragten Ökonomen, die ein Wachstum von 2,7 Prozent prognostiziert hatten. Die Entwicklung der Geldmenge M3 wird von Volkswirten als Indikator für mögliche zukünftige Inflationsentwicklungen im Euroraum betrachtet. Dennoch betonte der Ökonom Ulrich Wortberg von der Landesbank Hessen Thüringen (Helaba), dass die aktuellen Zahlen auf eine leichte Verbesserung der konjunkturellen Dynamik hindeuten könnten, aber keinen Hinweis auf einen signifikanten monetären Inflationsdruck geben.
Die EZB hatte im Juni 2024 ihren Leitzins zum ersten Mal seit Jahren gesenkt, und zwar von 4,50 auf 4,25 Prozent. Diese Entscheidung war eine Reaktion auf die nachlassende Inflation im Euroraum. Die meisten Analysten erwarten, dass die EZB im September eine weitere Zinssenkung vornehmen könnte, was die Nachfrage nach Krediten weiter ankurbeln könnte. Ob es jedoch tatsächlich zu einer weiteren Zinssenkung kommt, hängt maßgeblich von den neuen Inflationsdaten für August ab, die das europäische Statistikamt Eurostat am Freitag veröffentlichen wird. Für den August wird erwartet, dass die Inflationsrate auf 2,2 Prozent fällt, nachdem sie im Juli noch bei 2,6 Prozent lag. Das Inflationsziel der EZB liegt bei zwei Prozent, und die neuen Daten werden entscheidend für die geldpolitischen Entscheidungen der Zentralbank sein.
