Ex-Opel-Chef Lohscheller wird neuer Polestar-CEO
Er soll die schwedische Elektroautomarke durch tiefgreifende Umstrukturierungen wieder profitabel machen

Der schwedische Elektroauto-Hersteller Polestar steht vor einer bedeutenden personellen Veränderung. Ab dem 1. Oktober 2024 übernimmt Michael Lohscheller, der ehemalige Opel-Chef, die operative Leitung des Unternehmens. Dies wurde am Mittwoch von Polestar offiziell bekannt gegeben. Die Einführung von Lohscheller als neuer CEO erfolgte im Rahmen eines internen Townhall-Meetings am Hauptsitz in Göteborg, bei dem auch die Personalchefin Monika Franke und der Aufsichtsratsvorsitzende Winfried Vahland anwesend waren.
Lohscheller bringt eine umfangreiche Erfahrung in der Automobilindustrie mit, die er bei verschiedenen renommierten Unternehmen gesammelt hat. Seine Karriere begann bei Daimler, gefolgt von Stationen bei Mitsubishi und dem Volkswagen-Konzern. Besonders bekannt wurde er während seiner Zeit bei Opel, wo er von 2017 bis 2021 als Geschäftsführer tätig war. In dieser Rolle führte er die Marke aus der Krise, indem er ein umfassendes Sparprogramm durchsetzte und die Integration von Opel in den PSA-Konzern, der später in Stellantis umbenannt wurde, erfolgreich begleitete.
Nach seiner Zeit bei Opel sammelte Lohscheller wertvolle Erfahrungen in der Arbeit mit Start-ups im Automobilsektor, darunter das Hybrid-Lkw-Start-up Nikola und das vietnamesische Unternehmen Vinfast, wo er jeweils Führungspositionen innehatte. Diese Kombination aus traditioneller Industrieerfahrung und Start-up-Dynamik wird als besonders wertvoll für Polestar angesehen.
Polestar hat sich unter Lohschellers Führung ehrgeizige Ziele gesetzt. Das Unternehmen strebt an, seine globale Präsenz auszubauen und seine Position im Premium-Elektrofahrzeugmarkt weiter zu festigen. Aufsichtsratschef Vahland betonte in einer internen Mitteilung an die Mitarbeiter, dass Lohscheller der Richtige sei, um Polestar in die nächste Wachstumsphase zu führen und die Unabhängigkeit des Unternehmens sicherzustellen.
Polestar steht jedoch vor großen Herausforderungen. Das Unternehmen, das ursprünglich als Performance-Abteilung von Volvo gestartet war, hat über Jahre hinweg im Wesentlichen nur ein Modell, den Polestar 2, verkauft. Trotz einer Erweiterung des Portfolios auf drei Modelle konnte Polestar im Jahr 2023 lediglich 55.000 Fahrzeuge ausliefern, was nur eine minimale Steigerung gegenüber dem Vorjahr darstellt. Hinzu kommt, dass der Autovermieter Hertz kürzlich einen größeren Deal mit Polestar pausiert hat.
Finanziell befindet sich das Unternehmen ebenfalls unter Druck. Anfang des Jahres musste ein Bankenkonsortium eine finanzielle Rettungsleine in Höhe von fast einer Milliarde US-Dollar bereitstellen, um das Unternehmen zu stabilisieren. Polestar plant, im kommenden Jahr endlich positive Cashflows zu generieren, doch Analysten bleiben skeptisch und erwarten den Break-even erst ein Jahr später.
Die Berufung Lohschellers ist Teil einer umfassenden personellen Umstrukturierung bei Polestar. Zu Beginn des Jahres übernahm der ehemalige Skoda-Chef Winfried Vahland den Aufsichtsratsvorsitz von Hakan Samuelsson, dem langjährigen Volvo-Chef. Zudem wurden sowohl der Finanz- als auch der Vertriebsvorstand ausgetauscht, ebenso wie die Regionalchefs für Amerika und Großbritannien. Lohscheller kann jedoch auf die Unterstützung von Karl-Thomas Neumann zählen, seinem Vorgänger bei Opel, der ebenfalls im Aufsichtsrat von Polestar sitzt.
