Europäische Versicherer trotzen Kriegsrisiken mit relativer Stärke
Seit Kriegsbeginn am 27. Februar schlagen Versicherungsaktien den breiten europäischen Markt deutlich.

Europäische Versicherungswerte zeigen sich in der aktuellen Marktturbulenzen als vergleichsweise robuste Anlage. Seit dem 27. Februar verzeichnete der Sektor laut einer Research-Note von RBC Capital Markets einen Rückgang von lediglich 7%, während der Stoxx Europe 600 um 9% und europäische Bankaktien sogar um 11% nachgaben.
Die Widerstandsfähigkeit des Sektors erklärt sich durch drei Faktoren: die obligatorische Natur der Versicherungsnachfrage, starke Ausgangsbilanzen sowie die Fähigkeit der Unternehmen, steigende Inflation über Prämienanpassungen weiterzugeben. Diese strukturellen Vorteile machen Versicherer in unsicheren Marktphasen zu einem defensiven Investment.
Starke Unterschiede innerhalb des Sektors
Nicht alle Versicherungssparten entwickelten sich gleich. Britische Kfz-Versicherer legten seit dem 27. Februar um 6,8% zu und gehörten damit zu den klaren Gewinnern. Rückversicherer verloren 4,9%, Kompositversicherer 8,0%, während britische Lebensversicherer mit einem Minus von 9,8% das Schlusslicht bildeten.
Auf Einzeltitelebene sticht Beazley hervor: Der Spezialversicherer übertraf den Stoxx 600 seit dem 27. Februar um beeindruckende 54 Prozentpunkte. Demgegenüber enttäuschten XPS und Standard Life mit relativen Verlusten von 20% beziehungsweise 13% gegenüber dem Referenzindex, wie Bloomberg-Daten zeigen.
Der Hauptgrund für die Underperformance britischer Lebensversicherer liegt in ihrem hohen Asset-Leverage. Standard Life weist zum Jahresende 2025 einen Wert von 178,7x auf – verglichen mit 50,4x bei Legal & General und 9,5x bei Aviva. Hinzu kommen stärkere Zinsbewegungen in Großbritannien sowie kräftige Kursgewinne im Vorjahr, die nun als Belastung wirken.
Solide Bilanzen und attraktive Dividenden
Die Solvabilitätsquoten der europäischen Versicherer liegen trotz der Marktbewegungen seit Jahresbeginn weiterhin über den jeweiligen Zielbereichen. Munich Re führt das Feld mit einer Quote von 295% an, deutlich über dem Zielkorridor von 175 bis 220%. Standard Life liegt mit 175% innerhalb der angestrebten Spanne von 140 bis 180%, zeigt aber die engste Pufferzone.
Für einkommensorientierte Anleger ist der Sektor besonders interessant: Die durchschnittliche erwartete Dividendenrendite beträgt 7% bei einer Ausschüttungsquote von 64%. RBC hebt dabei Hannover Rück, Munich Re, Allianz und Conduit Holdings als Titel mit besonders verlässlicher Dividendenhistorie hervor – durchschnittliche Ausschüttungsquoten von rund 55% signalisieren Nachhaltigkeit.
Bewertungsseitig notiert der Sektor mit einem 12-Monats-KGV von 11,4x leicht über dem langfristigen Durchschnitt von 10,5x. Die Bandbreite reicht von 6,1x für Conduit Holdings bis 13x für Admiral. Als größtes Abwärtsrisiko nennt RBC eine schwere Rezession mit sinkenden Anleiherenditen und Kreditausfällen – in einem solchen Szenario würden Rückversicherer outperformen, Lebensversicherer hingegen weiter zurückfallen.
