Europäische Unternehmensgewinne übertreffen Erwartungen trotz Zoll-Unsicherheit
STOXX 600-Unternehmen zeigen sich widerstandsfähiger als befürchtet – Gewinnprognosen verbessern sich leicht

Europäische Unternehmen trotzen den düsteren Prognosen: Für das vierte Quartal 2025 erwarten Analysten nun einen durchschnittlichen Gewinnrückgang von lediglich 0,6 Prozent. Noch vor einer Woche hatten die Experten einen deutlicheren Rückgang von 1,1 Prozent befürchtet, wie aus aktuellen LSEG-Daten hervorgeht.
Von den 163 STOXX 600-Unternehmen, die bislang ihre Quartalszahlen vorgelegt haben, übertrafen 57,1 Prozent die Analystenschätzungen. Auch bei den Umsatzprognosen zeigt sich eine leichte Verbesserung, wenngleich weiterhin ein Rückgang von 2,4 Prozent erwartet wird. Bemerkenswert ist dabei ein Trend, der sich bereits in sechs der letzten sieben Quartale bestätigte: Die Gewinnentwicklung fällt besser aus als das Umsatzwachstum.
Trump-Zölle belasten Erwartungen
Die Gewinnaussichten europäischer Konzerne hatten sich nach der Ankündigung weitreichender Zölle durch US-Präsident Donald Trump im Februar 2025 drastisch verschlechtert. Die beispiellose Unsicherheit in der Handelspolitik ließ die Prognosen für die STOXX 600-Unternehmen von einem ursprünglich erwarteten Wachstum von rund 11 Prozent auf einen geschätzten Rückgang von bis zu 4,2 Prozent im Januar abstürzen.
Unternehmen reagierten auf die Handelsunsicherheit mit verschiedenen Maßnahmen: Sie zogen Exporte vor, überarbeiteten ihre Lieferkettenstrategien, erhöhten Preise und senkten Kosten. Diese Anpassungen zeigen nun erste Wirkung, wenngleich die aktuelle Prognose weiterhin die schwächste Gewinnentwicklung der letzten sieben Quartale darstellt.
Deutlicher Kontrast zu US-Unternehmen
Der Ausblick für europäische Konzerne steht in scharfem Gegensatz zur Entwicklung in den USA. Laut einem separaten LSEG-Bericht wird für die im S&P 500 gelisteten Unternehmen im vierten Quartal ein Gewinnwachstum von beachtlichen 13,6 Prozent im Jahresvergleich erwartet. Diese Diskrepanz unterstreicht die unterschiedlichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auf beiden Seiten des Atlantiks und die besondere Belastung europäischer Unternehmen durch die angekündigten Handelsbarrieren.
