EU plant hohe Strafzölle auf E-Autos aus China
Chinesische Hersteller und Tesla betroffen – Entscheidung bis Ende Oktober erwartet

Die Europäische Kommission plant, künftig Strafzölle auf Elektroautos aus China zu erheben. Diese Strafzölle könnten bis zu 36,3 Prozent betragen und wurden als Ergebnis einer Untersuchung der Kommission beschlossen, die im Juli 2024 angekündigt wurde. Diese Maßnahme soll spätestens Ende Oktober in Kraft treten und für eine Dauer von fünf Jahren gelten. Die Entscheidung über die Einführung dieser Zölle steht jedoch noch aus, da sie von den Mitgliedstaaten der Europäischen Union abgesegnet werden muss. Sollte es zu einer Mehrheit gegen die Strafzölle kommen, könnte die Kommission diese nicht umsetzen.
Von den Zöllen wären verschiedene chinesische Autohersteller betroffen. So soll beispielsweise für den Hersteller BYD ein Zollsatz von 17,0 Prozent erhoben werden, während Geely, ein Hersteller von elektrischen Smart-Modellen und dem Volvo EX30, einen Zoll von 19,3 Prozent zahlen müsste. Besonders hart trifft es den Hersteller SAIC, dessen Modelle, darunter der in Deutschland beliebte MG4, mit einem Zollsatz von 36,3 Prozent belegt werden sollen. Der MG4 war im Mai in den Zulassungsstatistiken der E-Autos in Deutschland auf dem zweiten Platz hinter dem VW ID.3 gelandet. Ursprünglich war geplant, in bestimmten Fällen rückwirkend noch höhere Zölle von bis zu 37,6 Prozent zu erheben, allerdings sah die Kommission die rechtlichen Voraussetzungen dafür als nicht gegeben an.
Der Hintergrund dieser Maßnahmen liegt in der Sorge der EU-Kommission, dass unzulässige Subventionen der chinesischen Regierung ihre heimischen Autohersteller bevorzugen könnten, was zu Wettbewerbsnachteilen für europäische Hersteller führen würde. Die Kommission befürchtet, dass dies zu Firmenschließungen und Entlassungen in der europäischen Automobilindustrie führen könnte. Der Marktanteil chinesischer Marken in Europa ist in den letzten Jahren stark angestiegen, von unter einem Prozent im Jahr 2019 auf derzeit acht Prozent, und könnte im kommenden Jahr 15 Prozent erreichen. Diese Fahrzeuge sind zudem durchschnittlich 20 Prozent günstiger als in der EU hergestellte Modelle.
Interessant ist, dass der US-amerikanische Hersteller Tesla besonders günstige Konditionen aushandeln konnte. Für Tesla-Modelle, die in China gefertigt und nach Europa importiert werden, soll lediglich ein Strafzoll von neun Prozent gelten. Volkswagen und seine chinesischen Joint-Venture-Partner hingegen müssten 21,3 Prozent Zoll zahlen. Die chinesische Handelskammer bei der EU (CCCEU) hat die angekündigten Zölle scharf kritisiert und den protektionistischen Ansatz der Europäischen Kommission verurteilt. Sie drückte ihre starke Unzufriedenheit und entschiedene Ablehnung dieser Maßnahmen aus. Ob eine diplomatische Lösung mit China gefunden wird, bleibt abzuwarten.
