Etsy-Aktie halbiert: Warum ein parabolischer Anstieg droht
Trotz eines Kurseinbruchs von 53 % seit 2023 schlägt Etsy den Markt – und könnte vor einer starken Erholung stehen.

Die Etsy-Aktie hat seit ihrem Hoch im Jahr 2023 rund 53 % an Wert verloren und notiert sogar 77 % unter dem Allzeithoch von Ende 2021. Dennoch überraschte das Papier zuletzt mit einem Kursanstieg von 46 % innerhalb eines Jahres – und schlug damit den breiten Markt. Für viele Anleger ist Etsy längst abgeschrieben, doch die Zahlen erzählen eine differenziertere Geschichte.
Das Unternehmen betreibt einen der bekanntesten Online-Marktplätze für Kunsthandwerk, Vintage-Waren und handgefertigte Produkte. Trotz eines schwierigen Umfelds hat Etsy es geschafft, in jedem Jahr ein positives Umsatzwachstum zu erzielen – ein Fakt, der angesichts der Kursentwicklung überrascht. Allerdings bewegen sich die Wachstumsraten seit drei Jahren im einstelligen Bereich.
Rückläufiges Bruttowarenvolumen als Kernproblem
Das sogenannte Gross Merchandise Volume (GMS) – also das gesamte über die Plattform abgewickelte Warenvolumen – ist in drei aufeinanderfolgenden Jahren leicht gesunken. Das GMS gilt als zentraler Indikator für die Gesundheit eines Marktplatzes, da es zeigt, wie viel tatsächlich über die Plattform verkauft wird. Etsy konnte diesen Rückgang bislang durch eine Ausweitung seines Angebots und eine Erhöhung der sogenannten Take-Rate – also des Anteils, den Etsy an jedem Verkauf einbehält – kompensieren.
Doch genau diese Strategie birgt Risiken. Als Etsy 2018 und erneut 2022 die Verkäufergebühren anhob, drohten zahlreiche Händler auf der Plattform mit Streik oder dem Wechsel zu Konkurrenzplattformen. Eine weitere Gebührenerhöhung könnte das Verhältnis zu den Verkäufern erneut belasten – und damit die Basis des Marktplatzes gefährden.
Trotz dieser Herausforderungen ist die Zahl der aktiven Verkäufer im vergangenen Jahr um 8 % auf 8.762 gestiegen. Allerdings war diese Kennzahl in zwei aufeinanderfolgenden Jahren zuvor rückläufig – eine Entwicklung, die sich nachhaltig umkehren muss, damit Etsy wieder auf Wachstumskurs kommt.
Depop-Verkauf an eBay: Schmerzhafter, aber strategischer Schritt
Im Februar gab Etsy bekannt, seinen trendorientierten Secondhand-Modemarktplatz Depop für 1,2 Milliarden US-Dollar an eBay zu verkaufen. Vor fünf Jahren hatte Etsy noch 1,6 Milliarden US-Dollar für die Übernahme von Depop bezahlt – der Verkauf bedeutet damit einen Verlust. Depop wuchs zuletzt sogar schneller als das Kerngeschäft von Etsy, weshalb der Abgang den Umsatz kurzfristig belasten wird.
Dennoch begrüßten Investoren den Schritt. Die Logik dahinter: Etsy konzentriert sich wieder vollständig auf sein namensgebendes Kerngeschäft. Der Markt für Secondhand-Mode ist hart umkämpft, mit zahlreichen sozialen E-Commerce-Plattformen, die vor allem junge Käufer ansprechen. Der Erlös aus dem Depop-Verkauf soll die Bilanz von Etsy stärken.
Ausblick: GMS-Wachstum für 2026 erwartet
Der entscheidende Katalysator für eine mögliche Kurserholung liegt im Ausblick: Etsy erwartet, sein Bruttowarenvolumen im Jahr 2026 wieder steigern zu können. Sollte dieses Ziel erreicht werden, wäre es das erste GMS-Wachstum nach drei Jahren mit Rückgängen – ein potenziell starkes Signal für den Markt.
Etsy bleibt trotz aller Schwierigkeiten führend in seiner Nische. Der Marktplatz für handgefertigte und einzigartige Produkte hat keine direkte Konkurrenz in dieser Größenordnung. Für deutsche Privatanleger, die auf der Suche nach unterbewerteten Wachstumstiteln im E-Commerce-Bereich sind, bleibt Etsy eine Aktie, die genau beobachtet werden sollte – auch wenn die Risiken nicht zu unterschätzen sind.
