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Eisenerz vor Monatsverlust: Kohlemine-Unglück belastet Stahlmargen

Eine kurzlebige Rallye nach einer tödlichen Minenexplosion in China flaut ab – Eisenerz steuert auf ersten Monatsverlust seit Februar zu.

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Eisenerz vor Monatsverlust: Kohlemine-Unglück belastet Stahlmargen

Eisenerz steuert auf einen Monatsverlust zu, nachdem eine kurzlebige Rallye infolge eines schweren Grubenunglücks in der chinesischen Provinz Shanxi rasch verpuffte. Die Eisenerz-Futures in Singapur verzeichneten im Mai ein Minus von 1,2% und befinden sich damit auf Kurs für den ersten monatlichen Rückgang seit Februar. Anleger richten ihren Blick wieder auf die unter Druck geratenen Margen der Stahlwerke sowie auf steigende Liefermengen aus den wichtigsten Exportländern.

Am 22. Mai explodierte die Kohlemine Liushenyu in der Provinz Shanxi. Bei dem Unglück kamen mindestens 82 Menschen ums Leben, mehr als 120 wurden verletzt. Die Explosion löste zunächst einen Preissprung bei Kokskohle aus, da Marktteilnehmer befürchteten, dass unfallbedingte Sicherheitskontrollen das Angebot empfindlich verknappen könnten. Die inländischen Kokskohle-Futures erreichten am Montag nach dem Unglück sogar das tägliche Handelslimit.

Stahlmargen unter Druck

Robert Rennie, Leiter der Rohstoff- und Kohlenstoffforschung bei der Westpac Banking Corp., ordnet die Lage klar ein: „Der Anstieg der Kokskohlepreise nach dem tödlichen Bergbauunglück in Shanxi Ende letzter Woche erhöht den Druck auf die Margen der Stahlwerke. Dies bestärkt die Einschätzung, dass die Eisenerzpreise in der Spanne von 105 bis 110 US-Dollar pro Tonne gedeckelt bleiben sollten." Kokskohle ist ein unverzichtbarer Rohstoff in der Stahlproduktion und macht einen erheblichen Teil der Inputkosten aus.

Die Kokskohle-Futures notierten gegen Monatsende bei 1.292 Yuan (umgerechnet rund 191 US-Dollar) pro Tonne – ein Anstieg von 0,2% gegenüber April. Damit baut Kokskohle den starken Vormonatsgewinn von 12% weiter aus. Für die Stahlwerke bedeutet dies eine anhaltende Kostenbelas­tung, die sich direkt auf ihre Rentabilität auswirkt.

Aktuelle Daten des Beratungsunternehmens Mysteel zeigen, dass die Auslastung der Hochöfen in China gegenüber der Vorwoche unverändert blieb. Gleichzeitig sank die Rentabilität der chinesischen Stahlwerke auf 62,3%. Dieser Rückgang verdeutlicht, wie stark steigende Rohstoffkosten die Gewinnspannen der Produzenten belasten.

Nachfrage nach hochwertigem Erz als Stütze

Trotz des schwierigen Umfelds gibt es einen stabilisierenden Faktor: Die Stahlwerke haben ihre Käufe von hochwertigem Stückerz erhöht. Laut Rennie verfolgen sie damit die Strategie, den Koksverbrauch zu senken und so die gestiegenen Inputkosten teilweise auszugleichen. Hochwertiges Eisenerz ermöglicht eine effizientere Verhüttung und reduziert den Bedarf an teurer Kokskohle.

Auf der Angebotsseite verstärken sich die Sorgen über ein reichliches Seeangebot. Separate Mysteel-Daten zeigen, dass das Verschiffungsvolumen aus Australien und Brasilien – den beiden größten Eisenerzexporteuren der Welt – nahe einem Zweijahreshoch liegt. Dies begrenzt den Spielraum für nachhaltige Preissteigerungen bei Eisenerz.

Frachtmarkt legt deutlich zu

Rückenwind kommt hingegen vom Frachtmarkt. Der Baltic Dry Index, der wichtigste Trockenfrachtindex der Baltic Exchange, stieg am Donnerstag in London um 3,3% auf 3.226 Punkte – den höchsten Stand in diesem Jahr. Im Monatsverlauf legte der Index um mehr als 20% zu, da die Nachfrage nach Schiffen in allen wichtigen Segmenten stark blieb, einschließlich des Transports von Eisenerz.

Zum Handelsschluss in Singapur notierte Eisenerz bei 105,85 US-Dollar pro Tonne, ein Tagesplus von 0,5%. Auch die Eisenerz-Futures an der Dalian Commodity Exchange sowie die Stahlkontrakte in Shanghai verzeichneten Zuwächse. Für eine nachhaltige Erholung fehlen dem Markt jedoch die entscheidenden Impulse – solange die Stahlmargen unter Druck bleiben und das Seeangebot hoch ist.

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