Drei Gründe warum der Aktienmarkt dem Krieg standhält
Trotz geopolitischer Spannungen zeigt der S&P 500 überraschende Widerstandskraft – drei fundamentale Stützen erklären die Stabilität.

Der S&P 500 liegt derzeit lediglich 7,4 Prozent unter seinem Vorkriegshoch. Das ist nur geringfügig mehr als die Rückgänge im Mai 2019 oder April 2018 – Ereignisse, die kaum noch jemand erinnert. Angesichts einer globalen Energiekrise, die in einigen asiatischen Ländern bereits zu Treibstoffrationierungen geführt hat, erscheint diese Stabilität bemerkenswert.
Pessimisten verweisen gerne auf das Bild des Zeichentrickcharakters Wile E. Coyote, der erst nach einem zweiten Blick in die Tiefe fällt. Sollten US-Truppen in einem weiteren Konflikt im Nahen Osten versinken und der Ölpreis auf 200 Dollar pro Barrel steigen, wären die Skeptiker in ihrer Warnung bestätigt. Doch der Markt wird nicht allein von Selbstgefälligkeit getragen – es gibt konkrete Fundamente.
Militärgeschichte spricht für Resilienz
Die historische Bilanz ist eindeutig: Militärexpeditionen, Kriege und Revolutionen hinterlassen in der Regel keine dauerhaften Spuren an US-Aktienmärkten. Laut einer Analyse der Deutschen Bank betrug der durchschnittliche Rückgang bei 30 wichtigen geopolitischen Ereignissen seit 1939 lediglich vier Prozent – mit anschließend rascher Erholung.
Der Grund liegt auch in der geografischen Lage der USA. Selbst verlorene Kriege wie Vietnam oder Afghanistan hinterließen keine Schäden an der heimischen Industriebasis – ganz anders als die Zerstörung britischer, deutscher und japanischer Städte im Zweiten Weltkrieg. Forscher wie Elroy Dimson, Paul Marsh und Mike Staunton belegen in einer Langzeitstudie für die UBS, dass die vier großen Bärenmärkte des vergangenen Jahrhunderts – Weltwirtschaftskrise, Ölembargo 1973/74, Dotcom-Crash und Finanzkrise 2007-09 – für globale Aktien weit verheerender waren als beide Weltkriege.
Allerdings gibt es historische Ausnahmen mit drastischen Folgen. Russische Aktien fielen nach der Revolution und der Kapitulation im Ersten Weltkrieg auf null. Japanische Aktien verloren im Zweiten Weltkrieg real 96 Prozent ihres Wertes. Für Anleger in Verliererstaaten war die Geschichte ungleich grausamer.
Unternehmensgewinne und KI als weitere Stützen
Neben der Militärgeschichte stützen zwei weitere Faktoren den Markt: die robusten US-Unternehmensgewinne sowie die anhaltenden Hoffnungen rund um künstliche Intelligenz. Beide Faktoren liefern fundamentale Argumente jenseits geopolitischer Risiken.
Für deutsche Privatanleger bedeutet das: Kurzfristige Kursrückgänge durch geopolitische Ereignisse sind historisch betrachtet eher Kaufgelegenheiten als Warnsignale für einen dauerhaften Abschwung. Entscheidend bleibt die Unterscheidung zwischen geopolitischen Schocks und strukturellen Wirtschaftskrisen – letztere haben Aktienmärkte stets weitaus härter getroffen.
