Deutsche-Börse-Chef warnt vor 24/7-Handel trotz Wall-Street-Plänen
Der Chef der Deutschen Börse äußert Bedenken gegen Rund-um-die-Uhr-Handel, während Nasdaq und CME konkrete Schritte unternehmen.

Der Druck auf traditionelle Börsen wächst: Kryptowährungen und neue Technologien haben bei Privatanlegern weltweit die Erwartung geweckt, jederzeit und überall handeln zu können. Während die Wall Street auf diesen Trend reagiert, warnt der Chef der Deutschen Börse vor einem unkritischen Schritt in Richtung 24/7-Handel.
Hintergrund der Debatte ist das rasante Wachstum digitaler Vermögenswerte wie Bitcoin und Ethereum, die nicht durch traditionelle Börsenöffnungszeiten eingeschränkt sind. Dieser Umstand setzt klassische Handelsplätze zunehmend unter Zugzwang – denn Anleger, die es gewohnt sind, Krypto-Assets rund um die Uhr zu kaufen und zu verkaufen, stellen dieselben Erwartungen auch an den Aktienhandel.
Wall Street macht Ernst mit längeren Handelszeiten
Die US-amerikanische Nasdaq hat im Dezember Unterlagen bei den US-Regulierungsbehörden eingereicht, um den Handel an Wochentagen auf 23 Stunden auszuweiten. Das ist ein deutliches Signal, dass einer der größten Börsenplätze der Welt die Zeichen der Zeit erkannt hat und bereit ist, seine Infrastruktur grundlegend anzupassen.
Auch die CME Group, eine der weltweit führenden Derivatebörsen, geht einen Schritt weiter: Sie führt den 24/7-Handel mit Krypto-Futures und -Optionen ein. Damit reagiert die CME direkt auf die Besonderheiten des Kryptomarktes, der bekanntlich keine Wochenenden oder Feiertage kennt.
Banken und Vermögensverwalter skeptisch
Trotz der Vorstöße großer Handelsplätze ist die Branche keineswegs einig. Viele Banken und Vermögensverwalter lehnen eine Ausweitung der Handelszeiten ab. Die Gründe dafür sind vielfältig: Erhöhte Betriebskosten, Fragen zur Liquidität außerhalb der Kernhandelszeiten sowie Herausforderungen bei der Risikoüberwachung stehen im Mittelpunkt der Kritik.
Auch der Chef der Deutschen Börse positioniert sich skeptisch gegenüber dem Trend zum Rund-um-die-Uhr-Handel. Damit steht er stellvertretend für eine Reihe europäischer Marktteilnehmer, die vor einem vorschnellen Wandel warnen und auf die Risiken eines unkontrollierten Handels außerhalb regulärer Zeiten hinweisen.
Was bedeutet das für deutsche Privatanleger?
Für deutsche Anleger ist die Debatte von unmittelbarer Relevanz. Wer heute bereits über Neobroker oder Krypto-Plattformen handelt, kennt das Gefühl der ständigen Verfügbarkeit. Eine Ausweitung der Handelszeiten an klassischen Aktienbörsen könnte langfristig auch den deutschen Markt verändern – etwa durch veränderte Liquiditätsmuster oder neue Anforderungen an das Risikomanagement.
Die Diskussion zeigt, wie stark der Kryptomarkt die gesamte Finanzbranche verändert. Ob sich das Modell des 24/7-Handels letztlich auch für traditionelle Wertpapiere durchsetzt, bleibt offen. Klar ist jedoch: Der Druck auf Börsen, Banken und Regulatoren, sich zu positionieren, nimmt weiter zu.
