Davos 2026: China gewinnt, während transatlantische Allianz bröckelt
Das Weltwirtschaftsforum in Davos offenbarte eine tektonische Verschiebung der globalen Machtverhältnisse: Während China seinen Einfluss ausbaut, erreichen die Spannungen zwischen den USA und Europa einen historischen Tiefpunkt.

Das Weltwirtschaftsforum im Januar 2026 markierte einen geopolitischen Wendepunkt. China etablierte sich trotz geringerer medialer Präsenz als "Elefant im Raum", während die transatlantischen Beziehungen unter dem Druck der "America First"-Politik zunehmend erodieren.
China nutzt westliche Spannungen strategisch
Vize-Premier He Lifeng warb in Davos aktiv für Investitionen in China und faire Behandlung chinesischer Unternehmen. Analysten wie Hai Zhao von der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften bezeichnen die Veranstaltung als "Wendepunkt" in der globalen Handelsordnung. Die Verschiebung weg von US-zentrierten Strukturen hin zu regionalen Blöcken nimmt Fahrt auf.
Die Zahlen untermauern Chinas wachsende Position: Im vergangenen Jahr entfielen 37 Prozent der globalen Containerschifffahrten auf das Reich der Mitte. Peter Alexander von Z-Ben Advisors sieht in den Davos-Reden eine "wachsende Akzeptanz fundamentaler globaler Verschiebungen".
Transatlantische Allianz in der Krise
José Manuel Barroso, ehemaliger Präsident der Europäischen Kommission, spricht vom "tiefsten Moment" der transatlantischen Beziehungen seit NATO-Gründung. Trumps Versuch, Grönland zu erwerben – inklusive Drohungen mit militärischen Maßnahmen und höheren Zöllen – erschütterte das europäische Vertrauen fundamental.
Die Zahlen sind eindeutig: Nur noch 16 Prozent der Europäer sehen die USA als Verbündeten mit gleichen Werten, 2024 waren es noch 21 Prozent. Barroso spricht von einer "Bruchphase" in den Beziehungen.
Europa strebt nach Souveränität
Als Reaktion beschleunigt Europa seinen Kurs zur strategischen Autonomie. Auf dem NATO-Gipfel verpflichteten sich die Mitgliedstaaten, bis 2035 fünf Prozent ihrer Wirtschaftsleistung für Verteidigung aufzuwenden. Ökonom Lars Feld betont: "Europa muss langfristig den Schutz ersetzen, den bislang amerikanische Atomwaffen bieten."
Feld schätzt, dass dieser Transformationsprozess bis zu zehn Jahre dauern könnte und erhebliche finanzielle Mittel erfordert. Europa sei wirtschaftlich eine Supermacht, sicherheitspolitisch aber ein Zwerg – eine Folge zu langer Abhängigkeit von den USA.
Märkte reagieren nervös auf Unsicherheit
Die Finanzmärkte spiegeln die geopolitischen Spannungen wider. Der japanische Nikkei 225 verlor 1,52 Prozent, während der DAX vor Xetra-Start ein halbes Prozent tiefer taxierte. Der südkoreanische Kospi legte dagegen 0,64 Prozent zu, Chinas CSI 300 gewann 0,27 Prozent.
Gold profitiert von der Unsicherheit und überschritt erstmals die Marke von 5.000 US-Dollar pro Unze. Timo Emden von Emden Research wertet dies als "historischen Meilenstein für die tiefgreifenden Unsicherheiten". Der US-Dollar-Index fiel um 0,52 Prozent auf 90,087 Punkte.
Wirtschaftliche Neuausrichtung im Gange
Mehrere Staats- und Regierungschefs, darunter Irlands Premierminister Michael Martin und Südkoreas Präsident Lee Jae Myung, besuchten im Januar China. Jacob Cooke von WPIC Marketing + Technologies sieht darin eine Stärkung des Geschäftsvertrauens. Nicht-amerikanische westliche Konsumgütermarken diversifizieren ihre internationalen Verkäufe zunehmend durch China-Exporte.
Allerdings kämpft China innenpolitisch mit schwacher Binnennachfrage: Die Einzelhandelsumsätze stiegen im Dezember nur um 0,9 Prozent – die langsamste Rate seit der Pandemie. BlackRock-CEO Larry Fink deutete an, dass künftige WEF-Treffen auch außerhalb der Alpen stattfinden könnten, etwa in Detroit, Dublin oder Jakarta.
Ausblick: Anleger warten auf Signale
Investoren richten ihren Blick nun auf wichtige Quartalsberichte von SAP, Apple, <a class="tvreplink" target="_blank" href="https://de.tradingview.com/symbols/Nasdaq%3AMSFT">Microsoft und Tesla sowie auf die geldpolitische Sitzung der US-Notenbank Federal Reserve. Sorgen bestehen über politischen Druck von Trump auf Fed-Chef Jerome Powell bezüglich weiterer Zinssenkungen. Die Fed hatte den Leitzins im Dezember auf 3,50 bis 3,75 Prozent gesenkt.
