ANZEIGE

Credit Suisse erhält Milliardenhilfe von Nationalbank

Die Schweizer Bank Credit Suisse erhält Liquiditätshilfe: Was bedeutet das für den Finanzmarkt?

3 Min
Credit Suisse erhält Milliardenhilfe von Nationalbank

Die Credit Suisse hat aufgrund einer tiefen Vertrauenskrise eine Rettungsleine gegriffen und sich bei der Nationalbank des Landes 50 Milliarden Franken geliehen. Die Kreditaufnahme sei vollständig durch erstklassige Vermögenswerte besichert. Zusätzlich unterbreitet die Bank Angebote für vorrangige Schuldtitel gegen Barzahlung in Höhe von bis zu drei Milliarden Franken. Bankchef Ulrich Körner betonte, dass diese Maßnahmen im Rahmen des strategischen Wandels ergriffen wurden, um für die Kunden und andere Anspruchsgruppen Mehrwert zu schaffen. Die Schweizer Aufsichtsbehörden sicherten der Credit Suisse Liquiditätshilfe zu, nachdem die Aktien des Schweizer Flaggschiffs um bis zu 30 Prozent gefallen waren. Der Kursverfall hatte weltweit Sorgen ausgelöst und die Finanzmärkte in Turbulenzen gestürzt.

Die Schweizerische Nationalbank und die Finanzmarktaufsichtsbehörde Finma gaben in einer gemeinsamen Stellungnahme bekannt, dass die Credit Suisse die Anforderungen an systemrelevante Banken bezüglich Kapital und Liquidität erfülle. Aktuell bestehe zudem keine direkte Ansteckungsgefahr für Schweizer Institute aufgrund der Probleme der US-Banken. Credit Suisse versucht zudem, die Bankkunden zu beruhigen und betont, dass es sich um eine sehr gut kapitalisierte Bank handle. Der Chef der Credit Suisse Schweiz, André Helfenstein, erklärte in einem Interview mit dem Schweizer Sender Blick TV, dass der Aktienkurs nichts mit der Sicherheit der Kundeneinlagen zu tun habe. Der Kurseinbruch gehe darauf zurück, dass die Bankentitel wegen der Probleme von US-Regionalbanken unter Druck stünden.

Der Kollaps mehrerer regionaler US-Banken hatte zuletzt Unsicherheit im Bankensektor ausgelöst. Bei der ohnehin angeschlagenen Credit Suisse schlug dies besonders deutlich nieder. Die Aktien der Bank sackten in Zürich zeitweise um über 30 Prozent auf ein Rekordtief von 1,56 Franken ab und schlossen zum Handelsende mit einem Rückgang um über 24 Prozent. Die Anleger nahmen auch deshalb Reißaus, da am Mittwoch der saudische Großaktionär Saudi National Bank bekannt gegeben hatte, der Schweizer Großbank kein weiteres Geld zur Verfügung stellen zu können. Die Credit Suisse hatte im vergangenen Jahr einen Verlust von 7,3 Milliarden Franken und massive Abzüge von Kundenvermögen in Höhe von 123 Milliarden vermeldet.

Die Auswirkungen auf den Finanzmarkt sind jedoch nicht nur auf die Credit Suisse beschränkt. Der dramatische Kursverfall bei der zweitgrößten Schweizer Bank hatte weltweit Sorgen ausgelöst und zog auch die Papiere anderer europäischer Banken in die Tiefe. Der Branchenindex Stoxx Europe 600 Banks fiel um 6,9 Prozent. In Deutschland rutschten Commerzbank-Anteile um 8,7 Prozent ab. Rund um den Globus versuchten Aufsichtsbehörden, Regierungen und andere Finanzhäuser, die Risiken abzuschätzen. Einzelne Regierungen forderten die Schweiz hinter den Kulissen auf, einzuschreiten, um eine Eskalation der Krise zu verhindern. Der Schweizer Finanzminister Ueli Maurer betonte jedoch, dass die Credit Suisse eine "private Angelegenheit" sei und die Regierung nicht direkt intervenieren werde. Die Schweizer Regierung unterstütze jedoch die Maßnahmen der Nationalbank und der Finma, um die Stabilität des Finanzsystems zu gewährleisten.

Die Auswirkungen der Krise auf die Credit Suisse selbst sind noch nicht vollständig abzusehen. Die Bank hat bereits angekündigt, bis 2025 rund 5.000 Arbeitsplätze abzubauen und ihr Geschäft zu restrukturieren, um profitabler zu werden. Der Kursverfall am Mittwoch könnte jedoch weitere Auswirkungen auf die Geschäftsstrategie haben. Auch die langfristigen Auswirkungen auf das Vertrauen der Kunden und Investoren in die Credit Suisse bleiben abzuwarten.

In Deutschland betonte Bundesfinanzminister Christian Lindner die Stabilität des deutschen Kreditwesens und betonte, dass die Bundesregierung in engem Austausch mit allen Beteiligten stehe. Trotzdem fielen die Aktien der Commerzbank, einer der größten deutschen Banken, am Mittwoch um 8,7 Prozent. Die Krise bei der Credit Suisse verdeutlicht die Anfälligkeit des globalen Finanzsystems und die Bedeutung von robusten Regulierungsmechanismen, um eine Eskalation von Finanzkrisen zu verhindern.

Schweiz DeutschlandCredit SuisseBankensektorCommerzbankIndizes

Meistgelesene News

  1. Chevron und Halliburton: Öldeal mit Venezuela treibt Aktienkurse an
  2. Tesla am Scheideweg: Rekordumsatz trifft auf milliardenschwere KI-Ambitionen
  3. Teslas 25-Milliarden-Wette: Vom Autobauer zum KI-Roboter-Konzern
  4. Tesla-Robotaxi-Strategie und BYD-Expansion prägen das globale EV-Duell
  5. Führungswechsel bei Volksbank Brawo und L3Harris erschüttern Märkte

Disclaimer