Continental kämpft mit hohen Kosten der Diesel-Aufarbeitung
150 Millionen Euro belasten das Unternehmen während laufender Sparprogramme und Abspaltungen

Die Aufarbeitung des Dieselskandals stellt den Automobilzulieferer Continental vor erhebliche finanzielle Herausforderungen. Die Kosten für die juristische Aufklärung des Skandals, einschließlich der Erstellung eines umfangreichen Abschlussberichts, belaufen sich nach Informationen aus Justizkreisen auf etwa 150 Millionen Euro. Es wird vermutet, dass die tatsächlichen Ausgaben sogar noch höher ausfallen könnten. Die finalen Kosten sollen im September bei einer Aufsichtsratssitzung präsentiert werden. Im Gegensatz zu anderen Unternehmen, wie Bosch und ZF, die bereits früh mit den Behörden kooperierten und vergleichsweise geringere Summen zahlten, war Continental erst 2019 ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten.
Continental war an der Lieferung von Komponenten für einen manipulierten VW-Dieselmotor beteiligt, was die Behörden auf den Plan rief. Nach internen Untersuchungen durch die Kanzlei Noerr im Jahr 2015, die zu dem Ergebnis kamen, dass lediglich einzelne Mitarbeiter von den Manipulationen wussten, schien das Unternehmen zunächst entlastet. Doch aufgrund neuer Erkenntnisse wurden 2019 erneut Ermittlungen gegen Continental eingeleitet. Diese führten letztlich dazu, dass das Unternehmen im April 2024 ein Bußgeld in Höhe von 100 Millionen Euro akzeptierte, um das laufende Dieselverfahren abzuschließen.
Die Ermittlungen belasteten nicht nur die Finanzen von Continental, sondern führten auch zu erheblichen personellen Konsequenzen. Unter anderem wurde der langjährige Finanzvorstand Wolfgang Schäfer im Jahr 2021 von seinen Aufgaben entbunden, da der Verdacht bestand, dass er gemeinsam mit anderen Führungskräften den Aufsichtsrat in Bezug auf die Dieselmanipulationen wissentlich falsch informiert hatte. Diese Vorwürfe konnten nach mehrjährigen Untersuchungen jedoch nicht bestätigt werden. Die Verfahren wegen Beihilfe zum Betrug wurden eingestellt, doch die Ermittlungen wegen Untreue gegen die betroffenen Manager laufen weiterhin.
Die enormen Kosten der Aufarbeitung sorgen im Aufsichtsrat und unter den Arbeitnehmern für Unmut. Angesichts laufender Sparprogramme und der Abspaltung der Automotive-Sparte, die weltweit den Abbau von über 7000 Stellen vorsieht, wird jeder Euro für Investitionen dringend benötigt. Es stellt sich die Frage, ob und in welchem Umfang diese Kosten auf die abgespaltene Tochtergesellschaft Vitesco abgewälzt werden können. In der Abspaltungsvereinbarung war festgelegt worden, dass Vitesco für etwaige Verfehlungen und damit verbundene Kosten aus dem Dieselskandal verantwortlich sei. Dennoch zeichnet sich ab, dass Continental auf einem hohen Millionenbetrag sitzen bleiben könnte, was die geplante Transformation des Unternehmens zusätzlich erschwert.
