Citi stuft US-Aktien hoch – Geopolitik erzwingt defensive Strategie
Angesichts erhöhter geopolitischer Unsicherheit rund um den US-Iran-Konflikt schichtet Citi ihre globale Aktienstrategie defensiv um.

Citi hat US-Aktien von „Neutral" auf „Overweight" hochgestuft und damit eine bedeutende Verschiebung in ihrer globalen Aktienstrategie vollzogen. Die Großbank begründet diesen Schritt mit der erhöhten geopolitischen Unsicherheit im Nahen Osten. Gleichzeitig senkte Citi die Einstufung für Schwellenländer auf „Neutral", während die bestehende Übergewichtung des Vereinigten Königreichs beibehalten wird.
Analystin Beata Manthey erläuterte, dass die Verschiebung taktischer Natur sei. Ausschlaggebend sei die begrenzte Visibilität auf mittlere Sicht nach dem US-iranischen Waffenstillstand und der anschließenden Ankündigung einer US-Seeblockade der Straße von Hormus. „Wir nehmen eine Qualitäts- und Defensiv-Ausrichtung in unserer globalen Aktienstrategie ein", schrieb Manthey. Sie räumte dabei offen ein, dass die Allokation eher die Dynamik der geopolitischen Ereignisse widerspiegle als eine fundamentale mittelfristige Einschätzung.
Ölpreise kurzfristig unter Druck
Die Rohstoffstrategen der Citi sehen den Nahostkonflikt auf einem Pfad der „Eskalation zur Deeskalation". Dies impliziere kurzfristig höhere Ölpreise, bevor es gegen Jahresende zu einer Abwärtsbewegung kommen dürfte. Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten für den globalen Ölhandel – eine Blockade hätte weitreichende Folgen für die Energieversorgung weltweit.
Trotz der defensiven Neuausrichtung sehen die Kursziele der Citi weiterhin Aufwärtspotenzial bis zum Jahresende. Voraussetzung dafür ist allerdings eine schließliche Beilegung des US-Iran-Konflikts. Die Bank betont damit, dass die aktuelle Umschichtung kein dauerhaftes Misstrauen gegenüber risikobehafteten Anlagen darstellt, sondern eine situationsbedingte Vorsichtsmaßnahme.
Gewinnerwartungen als zentrales Risiko
Als wesentliches Risiko für die globalen Aktienmärkte identifiziert Citi die möglicherweise zu optimistischen Gewinnerwartungen. Der Bottom-up-Konsens prognostiziert für 2026 ein globales Wachstum des Gewinns pro Aktie von 20 Prozent. Die Top-down-Modelle der Citi selbst implizieren hingegen lediglich 16 Prozent – eine Lücke, die Anleger im Blick behalten sollten.
Darüber hinaus warnt die Bank, dass sich das Gewinnwachstum auf eine kleinere Gruppe von Sektoren und Large Caps verengen könnte. Eine breite Streuung des Wachstums, wie von vielen Marktteilnehmern erwartet, sei keineswegs garantiert. Dies würde insbesondere Anleger treffen, die auf eine breite Markterholung setzen.
Sektorrotation: Grundstoffe rauf, Kommunikation runter
Auf Sektorebene nahm Citi ebenfalls Anpassungen vor. Globale Grundstoffe (Materials) wurden auf „Overweight" hochgestuft, was die Erwartung kurzfristig steigender Rohstoffpreise widerspiegelt. Kommunikationsdienstleistungen (Communication Services) wurden hingegen auf „Underweight" herabgestuft.
Für den Fall einer schnellen Konfliktlösung im Nahen Osten skizziert Citi bereits eine alternative Strategie. Die Bank würde in diesem Szenario wahrscheinlich eine kombinierte Übergewichtung der USA und der Schwellenländer bevorzugen. Dies zeigt, dass die aktuelle defensive Positionierung als temporäre Maßnahme zu verstehen ist – und nicht als strukturelle Neuausrichtung der Anlagestrategie.
