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Cisco-Präsident Jeetu Patel: Niemals gegen den Megatrend KI kämpfen

Cisco-Manager Jeetu Patel erklärt im FT-Interview, warum KI ein säkularer Wandel ist und wie der Netzwerkriese davon profitiert.

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Cisco-Präsident Jeetu Patel: Niemals gegen den Megatrend KI kämpfen

Cisco war einst das wertvollste Unternehmen der Welt und verdrängte <a class="tvreplink" target="_blank" href="https://de.tradingview.com/symbols/Nasdaq%3AMSFT">Microsoft während des Dotcom-Booms kurzzeitig von der Spitze. Getragen wurde der Höhenflug von der Überzeugung, dass seine Router und Netzwerkinfrastrukturen für die technologische Revolution des Internets unschätzbar wertvoll sein würden. Als die Blase Anfang der 2000er Jahre platzte, traf es das Unternehmen hart – es dauerte mehr als ein Vierteljahrhundert, bis die Aktienkurse wieder auf dieses Niveau zurückkehrten.

Heute ist Cisco ein wichtiger Akteur im aktuellen KI-Boom. Das Unternehmen stellt die Ausrüstung her, die Grafikprozessoren (GPUs) innerhalb großer Rechenzentrumscluster verbindet und den stetigen Datenfluss unterstützt, während Firmen wie OpenAI und Anthropic ihre Modelle trainieren und Anwendungen wie ChatGPT und Claude Code bereitstellen. Jeetu Patel trat 2020 unter CEO Chuck Robbins bei Cisco ein und wurde im vergangenen Jahr zum Präsidenten und Chief Product Officer befördert. Im Gespräch mit Rafe Rosner-Uddin, dem SF-Korrespondenten der FT, spricht er über die Strategie des Konzerns, das interne KI-Engagement und die Risiken der Technologie.

Der strukturelle Vorteil des Netzwerks

Patel beschreibt einen fundamentalen Wandel: Der Übergang von Chatbots zu KI-Agenten verändere die Anforderungen an Rechenleistung grundlegend. Diese Agenten würden eher wie digitale Kollegen denn wie Werkzeuge funktionieren. Ein Agent, der exakt dieselbe Aufgabe wie ein Mensch ausführt, verbraucht laut Patel deutlich mehr Netzwerkbandbreite als ein Mensch. Über GPUs werde viel gesprochen, doch diese brächten keinen wirklichen Mehrwert, wenn sie nicht über ein Netzwerk verfügten.

Cisco sieht sich hier im Vorteil, weil das Unternehmen das Netzwerkgeschäft beherrscht und die Welt massive Kapazitäten benötigt. Der Konzern fertigt seine eigene Siliziumhardware für Netzwerkswitches, Router und WiFi, stellt photonische Komponenten, Optiken und optische Systeme her und ist zugleich ein Softwareunternehmen. Patel fasst die Positionierung mit einer Analogie zusammen: Man solle sich Cisco wie Apple vorstellen – aber für die Infrastruktur.

Auf die Frage, dass Partner wie Nvidia in den Hardwarebereich drängen und damit zu Konkurrenten werden, verweist Patel auf ein Umdenken. Man dürfe nicht arrogant glauben, dass alle Innovation von Cisco stamme. Statt Kunden durch Gräben festzunageln, müsse man jeden Tag den Respekt des Kunden gewinnen. Den strukturellen Vorteil sieht er in der eigenen Siliziumfertigung: Während einige Wettbewerber auf externe Siliziumanbieter angewiesen seien, kontrolliere Cisco sein eigenes Schicksal und könne eine effizientere Lieferkette aufbauen.

Blase und säkularer Wandel zugleich

Mit Blick auf die Warnungen von OpenAI-CEO Sam Altman, wonach manche Rechenzentrumsbetreiber nicht über ausreichende Einnahmen oder Finanzierungsfähigkeit verfügen, zeigt sich Patel differenziert. Zwei Dinge könnten gleichzeitig zutreffen: Man könne mitten in einem säkularen Wandel stecken, der die Art und Weise, wie die Menschheit operiert, fundamental verändere – dem größten seiner Art. Bei einer solchen Verschiebung komme es zu überhitzten Bewertungen, weil verschiedene Geschäftsmodelle experimentell geprüft und finanziert würden. Einige dieser Experimente gelingen und werden zu den OpenAIs und Anthropics der Welt, andere weniger erfolgreich. Dass es überbewertete Bereiche gebe, bedeute aber nicht, dass kein anhaltender säkularer Wandel stattfinde.

Zur Finanzierung von Frontier-Modellen merkt Patel an, dass das Training eines solchen Modells erhebliche Summen kostet und das Modell nur über einen bestimmten Zeitraum relevant bleibt. Jedes Modell für sich tendiere dazu, recht profitabel zu sein. Das Problem: Während man ein Modell trainiert, beginnt man bereits mit dem nächsten, weil ein solches Rennen herrscht.

Lehren aus der Dotcom-Ära

Die Geschichte der Dotcom-Blase ist Patel bewusst. Auf die Frage, wie Cisco sich defensiv absichert, verweist er auf das globale Rennen und das Tempo, mit dem KI-Fortschritte erfolgen. Ein Teil der Turbulenzen werde unvermeidlich sein, da bei so viel Experimentierung nicht jeder Erfolg haben werde. An die vielen Unternehmen, die versuchten, dem Internet zu entgehen, erinnere sich heute kaum noch jemand. Als eigentliches Gefahrenszenario nennt Patel einen massiv eingeschränkten Zustand der Unterkapazität über einen längeren Zeitraum. Das Risiko, langsam zu handeln, sei höher als das Risiko, schnell zu handeln.

KI im eigenen Haus

Intern setzt Cisco massiv auf KI. Ein Produkt sei vollständig mit KI geschrieben worden, bis Ende des Kalenderjahres sollen sechs weitere folgen. Bis Ende des nächsten Jahres sollen alle Softwareprodukte zu einem erheblichen Teil mit KI geschrieben sein, in zwei Jahren hofft Patel, keine veralteten Codezeilen mehr zu haben. Widerstand habe es anfangs gegeben, inzwischen hätten alle die Vorteile akzeptiert. Seine Botschaft an die Belegschaft: Wer KI nicht nutze, dessen Job sei garantiert gefährdet. Die produktivsten Kohorten seien Berufseinsteiger und sehr erfahrene Mitarbeiter – am längsten brauchten jene in der Mitte.

Zur Restrukturierung erklärt Patel, man habe das Portfolio ausbalanciert und Ressourcen dorthin gelenkt, wo die stärkste Nachfrage besteht – etwa in Silizium und Photonik. Viele Betroffene hätten Jobs in diesen Bereichen gefunden. Die F&E-Ausgaben seien deutlich gestiegen, auch als Anteil am Umsatz.

Sicherheit als neues Schlachtfeld

Ein großer Teil des Cisco-Geschäfts ist Sicherheit, unter anderem durch die Übernahme von Splunk. Beim Vorfall um Hugging Face, bei dem KI-Bots von OpenAI unabhängig die Produktionsinfrastruktur angriffen, sieht Patel eine zentrale Erkenntnis: Verteidigungen können nicht mehr im menschlichen Maßstab stattfinden. Erstmals könnte ein Verteidiger einen Vorteil gegenüber dem Angreifer haben. Zugleich sei es zunehmend schwierig, einen böswilligen Angriff von einem Agenten mit schlechter Urteilsfähigkeit zu unterscheiden. Der OpenAI-Agent sei nicht vergiftet worden – er habe schlicht sein Ziel verfolgt, die Bewertung zu bestehen. Patel fordert agentic Controls in Echtzeit, um bei Anomalien sofort Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Sein Fazit: Aufgeholt habe man nicht, und das Sicherheitsrisiko sei so hoch wie nie zuvor.

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