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Chinas Solarmodul-Überschuss: Ein globales Koordinationsversagen mit Folgen

Chinesische Hersteller produzieren 1.000 Gigawatt Solarmodule jährlich – doch die Welt kann das Angebot nicht aufnehmen.

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Chinas Solarmodul-Überschuss: Ein globales Koordinationsversagen mit Folgen

Die Welt steht vor einem paradoxen Dilemma: Während Verbraucher weltweit nach Alternativen zu fossilen Brennstoffen suchen, verfügen chinesische Unternehmen über Kapazitäten, um gewaltige 1.000 Gigawatt an Solarmodulen pro Jahr zu produzieren – weit mehr, als der globale Markt aufnehmen kann. Der Preis für Solarmodule ist auf einen historischen Tiefpunkt gefallen, und dennoch stehen die Fabriken still. Das analysiert Gastredakteur Adam Tooze in seinem FT-Newsletter „Chartbook".

Die Folgen dieser Überkapazität sind dramatisch: Mehr als 40 chinesische Solarhersteller sind pleitegegangen, wurden aufgekauft oder von der Börse genommen. Bei den fünf größten verbliebenen Unternehmen wurde ein Drittel der Belegschaft entlassen. Saubere Energie in einem Ausmaß, das zum Zeitpunkt des Pariser Klimaabkommens 2015 noch utopisch schien, ist nun technisch in greifbarer Nähe – und trotzdem wird sie nicht genutzt.

Subventionen und politische Weichenstellungen als Ursache

Neue Untersuchungen der OECD zeigen, dass die Solarindustrie der am stärksten subventionierte Sektor der Welt ist. Nachdem Präsident Xi Jinping im September 2020 seine Verpflichtung zur Dekarbonisierung angekündigt hatte, waren Überkapazitäten und eine ruinöse Abwärtsspirale laut dem Autor unvermeidlich. In Rohstoffsektoren ist der Ansturm auf Marktanteile durch Kapazitätsausweitung und Preiskriege sowohl ruinös als auch historisch betrachtet völlig normal.

Als Peking begann, die Subventionen zu kürzen – zunächst die Einspeisetarife und dann die Steuervergünstigungen für Exporte – waren Folgeschäden vorprogrammiert. Chinas eigene riesige Flotte von Kohlekraftwerken verdrängt zudem die Nachfrage nach mehr Solar- und Windenergie im Inland. Wenn China seine eigene Überschussproduktion nicht aufnimmt, kann man sich laut dem Autor nicht wundern, wenn der Rest der Welt es ebenfalls nicht tut.

Bemerkenswert ist dabei die Effizienz der chinesischen Industriepolitik: Es hat China in 15 Jahren weniger als 18 Milliarden US-Dollar an sektoraler Unterstützung gekostet, eine Industrie aufzubauen, die nun mehr saubere Energie liefern kann, als die Welt ohne Weiteres aufnehmen kann. Zum Vergleich: Westliche Industriepolitikprogramme haben für weit geringere Wirkung deutlich mehr Mittel aufgewendet.

Kein Grund zur Panik – aber ein Weckruf

Trotz der Krise sieht der Autor keinen Grund zur Panik. Die Solarindustrie ist keine junge Industrie mehr, und chinesische Solarunternehmen laufen im Gegensatz zu ihren europäischen Pendants Anfang der 2010er Jahre nicht Gefahr, dauerhaft zu verkümmern. Chinas Nachfrage nach erneuerbaren Kapazitäten werde sich wieder beleben, und die Exporte chinesischer Solartechnik in fast alle Teile der Welt außer den USA boomen weiterhin.

Gleichzeitig entwickelt sich die Technologie weiter: Hersteller von Solarmodulen integrieren nun Batterien, um dem Stromnetz mehr Stabilität zu bieten. Auch Batterien selbst nähern sich rasch dem Punkt des Überangebots – was sie gemeinsam mit Solarmodulen zum Schlüssel einer nachhaltigen Energiezukunft macht.

Zumindest einige visionäre politische Ansätze sind im Gange. Am bemerkenswertesten ist das Programm „Mission 300", mit dem die Weltbank und die Afrikanische Entwicklungsbank hoffen, 300 Millionen Menschen in Afrika mit sauberem und zuverlässigem Strom zu versorgen. In Shanghai hat ein Konsortium führender Solarunternehmen zudem ein Projekt gestartet, um Hunderte von Gigawatt an Solarkapazität im Weltraum zu platzieren – mit dem langfristigen Ziel einer lunaren KI-Basis mit einer Leistung von 10.000 Gigawatt.

Ein historischer Moment, den die Welt verpasst

Der Kern der Kritik lautet: Aus Sicht der Klimapolitik steht die Welt vor einem entsetzlichen Koordinationsversagen. Wie kann eine Rezession in der Solarindustrie zugelassen werden, genau in dem Moment, in dem der Sektor der erneuerbaren Energien die sogenannte „Fluchtgeschwindigkeit" erreicht – also den Punkt, ab dem er sich selbst trägt und weiter beschleunigt?

Solarmodule sind kein gewöhnliches Massengut wie Stahl oder Zement. Sie sind das Ergebnis von fünfzig Jahren Forschungsarbeit, beginnend mit Ausgründungen der NASA und der großen US-Energieforschungsoffensive unter Präsident Jimmy Carter in den 1970er Jahren. Das Jahr 2026 könnte als der Moment in die Geschichte eingehen, in dem die Welt feststellte, dass sie „mehr als genug" Solarmodule hatte – und einfach mit den Schultern zuckte.

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