China stoppt Metas Milliarden-Übernahme des KI-Startups Manus
Peking ordnet Rückabwicklung der 2-Milliarden-Dollar-Akquisition an – und sendet damit eine klare Botschaft an chinesische Gründer.

China hat Meta Platforms angewiesen, die Übernahme des KI-Startups Manus rückgängig zu machen. Die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC), Chinas staatlicher Wirtschaftsplaner, erklärte am 27. April, sie werde „ausländische Investitionen in Manus im Einklang mit Gesetzen und Vorschriften untersagen" und forderte die beteiligten Parteien auf, die Transaktion zurückzuziehen. Das Deal-Volumen beläuft sich auf rund 2 Milliarden US-Dollar.
Manus wurde von den Ingenieuren Red Xiao und Ji Yichao vor etwa einem Jahr unter einer chinesischen Muttergesellschaft gegründet. Das Unternehmen erlangte Aufmerksamkeit im Silicon Valley, weil seine KI-Agenten komplexe Aufgaben – von Reisebuchungen bis zur Verwaltung von Tabellenkalkulationen – mit minimalem menschlichem Eingreifen bewältigen können. Damit verkörpert Manus genau jene Art von Spitzentechnologie, die China eigentlich für sich beanspruchen möchte.
Manus hatte China bereits verlassen
Das Problem für Peking: Die Rückabwicklung gestaltet sich äußerst schwierig. Manus hatte sich bereits weitgehend aus China gelöst, bevor Meta-Chef Mark Zuckerberg auf den Plan trat. Nachdem das Unternehmen im Mai 2025 75 Millionen US-Dollar vom US-Risikokapitalgeber Benchmark erhalten hatte, schloss es seine Büros in China, entließ Mitarbeiter und verlagerte den Betrieb nach Singapur. Die Manus-Mitarbeiter wechselten anschließend in die dortigen Meta-Büros.
Nun versucht Peking verspätet, die Kontrolle zurückzugewinnen. Den beiden Mitbegründern wurde laut Reuters-Berichten während der regulatorischen Prüfung die Ausreise aus China untersagt. Metas Apps – darunter Facebook und Instagram – sind in China jedoch nicht aktiv, was den Spielraum für offiziellen Druck auf den Konzern erheblich einschränkt.
Meta selbst gibt sich gelassen. „Die Transaktion entsprach in vollem Umfang dem geltenden Recht", erklärte das Unternehmen gegenüber Reuters. „Wir gehen von einer angemessenen Lösung der Untersuchung aus."
Komplexe Rückabwicklung mit vielen offenen Fragen
Die technische und rechtliche Rückabwicklung wirft zahlreiche ungeklärte Fragen auf. Unklar ist etwa, wie Meta Gelder von früheren Investoren zurückerhalten kann – darunter der chinesische Technologieriese Tencent. Zudem ist offen, ob diese Investitionen gemäß der NDRC-Richtlinie ebenfalls rückgängig gemacht werden müssen. Sobald Mitarbeiter, Quellcode und geistiges Eigentum einmal integriert sind, wird eine saubere Trennung zunehmend schwieriger.
Die Episode beleuchtet ein strukturelles Dilemma der chinesischen Technologiepolitik: Das Land möchte, dass seine Tech-Champions global expandieren – aber nicht, dass sie dabei die Heimat verlassen. Pekings Behörden scheinen den strategischen Wert von Manus unterschätzt zu haben und reagierten erst, nachdem das Unternehmen bereits abgewandert und übernommen worden war.
Abschreckung für chinesische Gründer
Die Signalwirkung des Vorgangs dürfte weit über den Einzelfall hinausgehen. Für chinesische Unternehmer, die internationales Kapital oder ausländische Käufer suchen, wird es künftig schwieriger sein, sich aus China abzusetzen. Das Edikt kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: US-amerikanische KI-Startups sammelten laut einem KPMG-Bericht im ersten Quartal fast 270 Milliarden US-Dollar ein – mehr als das 13-Fache ihrer chinesischen Konkurrenten.
Die Auswirkungen des Streits dürften auch bei den für den kommenden Monat geplanten diplomatischen Gesprächen zwischen den USA und China eine Rolle spielen. Manus steht damit sinnbildlich für die Ambitionen Chinas in der Spitzentechnologie – und zeigt gleichzeitig deren Grenzen auf.
