Cerebras Systems: KI-Chip-Rivale von Nvidia wagt US-Börsengang
Der KI-Chiphersteller Cerebras Systems hat offiziell Unterlagen für einen US-Börsengang eingereicht und peilt die Nasdaq an.

Der KI-Chiphersteller Cerebras Systems hat am Freitag seinen Antrag für einen Börsengang in den USA bekannt gegeben. Das Unternehmen aus Sunnyvale, Kalifornien, gilt als direkter Rivale von Nvidia und will nun vom wiederbelebten Optimismus am Emissionsmarkt profitieren. Geplant ist eine Notierung an der Nasdaq unter dem Tickersymbol „CBRS".
Es ist bereits der zweite Anlauf des Unternehmens: Im Oktober hatte Cerebras einen früheren IPO-Antrag zurückgezogen – und das nur wenige Tage nach einer Finanzierungsrunde über mehr als eine Milliarde US-Dollar, die das Unternehmen mit rund acht Milliarden Dollar bewertete. Als Konsortialführer für die Emission fungieren Morgan Stanley, Citigroup, Barclays und UBS.
Starkes Umsatzwachstum und Weg in die Profitabilität
Die Finanzzahlen von Cerebras können sich sehen lassen. Im Geschäftsjahr, das am 31. Dezember endete, stieg der Umsatz auf 510 Millionen US-Dollar – ein deutlicher Sprung gegenüber 290,3 Millionen Dollar im Vorjahr. Besonders bemerkenswert: Das Unternehmen erzielte einen Gewinn von 1,38 US-Dollar je Aktie, nachdem im Vorjahreszeitraum noch ein Verlust von 9,90 Dollar je Aktie verbucht worden war.
Ein wesentlicher Wachstumstreiber ist die enge Bindung an OpenAI, den Entwickler des bekannten Chatbots ChatGPT. Im Rahmen eines mehrjährigen Vertrags im Wert von 20 Milliarden US-Dollar wird OpenAI Cerebras-Chips mit einer Gesamtleistung von 750 Megawatt einsetzen. Dieses Großprojekt dürfte die Umsatzentwicklung von Cerebras auf Jahre hinaus maßgeblich prägen.
Technologischer Ansatz als Differenzierungsmerkmal
Cerebras setzt auf eine andere Chip-Architektur als der Marktführer Nvidia. Das Unternehmen ist bekannt für seine sogenannten Wafer-Scale-Engine-Chips, die darauf ausgelegt sind, das Training und die Inferenz großer KI-Modelle zu beschleunigen. Ein zentrales Merkmal: Die Chips vermeiden die Abhängigkeit von High-Bandwidth-Memory (HBM) – einem der größten Engpässe in der KI-Chip-Branche. Der Fokus des Unternehmens liegt dabei auf der Inferenz, also dem Prozess, bei dem KI-Systeme auf Nutzeranfragen in Echtzeit reagieren.
Der erste IPO-Versuch scheiterte unter anderem an einer Überprüfung durch das Committee on Foreign Investment in the United States (CFIUS). Im Mittelpunkt stand die Minderheitsbeteiligung des in den Vereinigten Arabischen Emiraten ansässigen Technologiekonzerns G42, der zugleich Investor und einer der größten Kunden von Cerebras war. US-Behörden hegten Bedenken, dass Unternehmen aus dem Nahen Osten China Zugang zu fortschrittlicher amerikanischer KI-Technologie verschaffen könnten. Anfang 2025 gab Cerebras bekannt, die CFIUS-Genehmigung erhalten zu haben – womit der Weg für den erneuten Börsengang frei wurde.
IPO-Markt erholt sich nach turbulenter Phase
Der Schritt von Cerebras ist ein Signal für die Erholung des gesamten IPO-Marktes. Im März hatte eine Kombination aus geopolitischen Spannungen und einem Ausverkauf bei Technologieaktien den Appetit der Anleger spürbar gedämpft. Nun kehren Unternehmen bei stabilisierter Marktstimmung zurück ans Parkett. Emittenten und Banker setzen darauf, dass sich die Erholung vom Jahresbeginn in den kommenden Monaten fortsetzt.
Analysten erwarten, dass Unternehmen mit Bezug zu künstlicher Intelligenz die Börsengänge im Technologiesektor anführen werden. Als Treiber gilt das signifikante Wachstumspotenzial durch die breitere Einführung generativer KI-Technologien – ein Trend, von dem Cerebras mit seiner spezialisierten Chip-Architektur direkt profitieren will.
