Cboe Global Markets baut 20% der Stellen ab und fokussiert Kerngeschäft
Börsenbetreiber Cboe kündigt massiven Stellenabbau an und verkauft Auslandsgeschäfte für 300 Millionen Dollar.

Cboe Global Markets hat am Freitag einen weitreichenden Umbau angekündigt: Der US-Börsenbetreiber plant, 20% seiner weltweiten Belegschaft abzubauen und sich stärker auf seine Kerngeschäfte zu konzentrieren. CEO Craig Donohue stellte die Pläne im Rahmen der Quartalsergebnisse vor, die die Markterwartungen deutlich übertrafen. Die Aktie reagierte im vorbörslichen Handel mit einem Kursanstieg von knapp 6%.
„Nach einer gründlichen strategischen Überprüfung und der Verabschiedung eines strengeren finanziellen und strategischen Rahmens in der zweiten Jahreshälfte 2025 haben wir eine Neuausrichtung angekündigt, um den Fokus und die Investitionen in die Kerngeschäfte zu verstärken, die unser Ergebnis antreiben", erklärte Donohue. Der Stellenabbau umfasst dabei auch bereits angekündigte Pläne zum Verkauf, zur Abwicklung und zur Optimierung bestimmter Geschäftsbereiche. Zum 31. Dezember beschäftigte Cboe laut Zulassungsantrag 1.661 Mitarbeiter weltweit.
Verkauf der Auslandsgeschäfte für 300 Millionen Dollar
Bereits in der Vorwoche hatte Cboe seine kanadischen und australischen Geschäftsbereiche für 300 Millionen Dollar an die TMX Group verkauft. Damit schloss das Unternehmen einen Veräußerungsplan ab, der in der zweiten Jahreshälfte 2025 angekündigt worden war. Erstmals hatte Cboe im Oktober Pläne zur Veräußerung dieser Einheiten bekanntgegeben.
Parallel zum Stellenabbau bietet Cboe ein freiwilliges Abfindungsprogramm für US-amerikanische und kanadische Mitarbeiter ab 55 Jahren an, die seit mindestens fünf Jahren im Unternehmen tätig sind. Diese Mitarbeiter werden von den Entlassungen nicht betroffen sein, wie eine mit der Angelegenheit vertraute Person gegenüber Reuters erklärte. Gleichzeitig plant das Unternehmen, gezielt Talente in Wachstumsbereichen aufzubauen – darunter Finanz- und Wirtschaftsereignismärkte, Tokenisierungsinitiativen sowie der Ausbau der Clearing-Dienste in den USA und Europa.
Starkes Quartal dank hoher Marktvolatilität
Die Quartalszahlen von Cboe überzeugten auf ganzer Linie. Der bereinigte Gewinn belief sich im Quartal bis zum 31. März auf 3,70 Dollar je Aktie – deutlich über den von Analysten erwarteten 3,29 Dollar je Aktie, die laut LSEG-Daten im Konsens erwartet worden waren. Der Umsatz im Optionshandelsgeschäft sprang um 33% auf 467,6 Millionen Dollar, während der Umsatz in Europa und im asiatisch-pazifischen Raum um 32% auf 84,9 Millionen Dollar zulegte.
Besonders bemerkenswert: Das durchschnittliche tägliche Volumen bei Indexoptionen erreichte im ersten Quartal ein Allzeithoch von 6,1 Millionen Kontrakten – gegenüber 4,8 Millionen im Vorjahreszeitraum. Phasen von Marktturbulenzen treiben erfahrungsgemäß die Handels- und Hedging-Aktivitäten in die Höhe, was die Transaktions- und Clearinggebühren für Börsenbetreiber wie Cboe deutlich steigert.
Die erhöhte Volatilität im Quartal wurde durch mehrere Ereignisse angeheizt: Sorgen über KI-Disruptionen, geopolitische Spannungen rund um den Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran sowie damit verbundene Risiken für die Ölversorgung belasteten die Märkte und trieben die Handelsaktivität an. Cboe bildete damit den Abschluss eines insgesamt starken Quartals für US-Börsenbetreiber – auch Nasdaq und Intercontinental Exchange profitierten von der erhöhten Marktaktivität.
Branchentrend: Fokus auf Wachstumsbereiche
Der Umbau bei Cboe steht exemplarisch für einen breiteren Trend unter globalen Börsenbetreibern. Angesichts veränderter Handelsmuster und eines intensiveren Wettbewerbs straffen viele Anbieter ihre Strukturen, senken Kosten und konzentrieren sich auf wachstumsstärkere Segmente wie Prognosemärkte. Für Cboe bedeutet die Neuausrichtung eine klare Fokussierung auf jene Geschäftsbereiche, die das Unternehmen als Treiber künftigen Wachstums identifiziert hat – und eine Abkehr von Aktivitäten, die nicht zum Kernportfolio zählen.
