Carvana-Aktie bricht um 11% ein: Gewinn enttäuscht wegen hoher Aufbereitungskosten
Online-Gebrauchtwagenhändler verfehlt Erwartungen im vierten Quartal – Analysten senken Kursziele

Die Aktien des US-Online-Gebrauchtwagenhändlers Carvana sind am Donnerstag im vorbörslichen Handel um 11 Prozent auf rund 320 US-Dollar eingebrochen. Grund sind enttäuschende Quartalszahlen, die hinter den Erwartungen der Wall Street zurückblieben. Das Unternehmen meldete zwar einen Gewinn für das vierte Quartal, dieser fiel jedoch deutlich geringer aus als von Analysten prognostiziert.
Die Gewinnmarge wurde durch unerwartet hohe Ausgaben für Inspektion, Reparatur und Aufbereitung von Fahrzeugen an mehreren Produktionsstandorten belastet. Zudem erhöhten höhere Abschreibungsraten im Einzelhandel den Druck auf die Profitabilität pro verkaufter Einheit. Mindestens vier Brokerhäuser, darunter J.P. Morgan und RBC Capital Markets, senkten daraufhin ihre Kursziele für die Aktie.
Der Gebrauchtwagenmarkt in den USA bleibt zwar stabil, doch Händler kämpfen zunehmend mit den Auswirkungen von Inflation und Zöllen. Diese treiben die Kosten für die Fahrzeugaufbereitung in die Höhe und führen zu einem verstärkten Wertverlust. Viele US-Verbraucher verschieben aufgrund des Preisdrucks den Kauf von Neufahrzeugen oder weichen auf günstigere Gebrauchtwagen aus.
Turbulentes Jahr für den Meme-Stock
Die enttäuschenden Zahlen kommen nur wenige Monate nachdem Carvana Ende 2024 in den prestigeträchtigen S&P 500 Index aufgenommen wurde. Das für seine turmhohen Verkaufsautomaten bekannte Unternehmen hatte zuvor mehrfach Vorwürfe von Leerverkäufern zurückgewiesen. Erst am Mittwoch wies Carvana neue Anschuldigungen von Gotham City Research zurück, wonach das Unternehmen seine Gewinne für 2023 und 2024 um über eine Milliarde US-Dollar zu hoch ausgewiesen haben soll.
Die Aktie gilt seit langem als Favorit unter Privatanlegern und war in den vergangenen Jahren mehrfach Gegenstand von "Meme-Stock"-Rallyes. Diese überraschenden Kursanstiege erwischten Hedgefonds mit Leerverkaufspositionen wiederholt auf dem falschen Fuß. Laut dem Datenanalyseunternehmen Ortex waren zum 17. Februar rund 14,84 Millionen Aktien leerverkauft, was etwa 10,7 Prozent des frei handelbaren Aktienbestands entspricht.
Analysten sehen Kaufchance
Jeff Lick, Analyst bei Stephens, bezeichnete den aktuellen Kursrückgang als potenzielle Kaufgelegenheit für Investoren. Er betonte, dass selbst geringfügige Enttäuschungen bei hoch bewerteten Aktien wie Carvana heftige Marktreaktionen auslösen könnten. Die Short-Positionen in der Aktie bleiben auf hohem Niveau, sind jedoch seit Jahresbeginn leicht gesunken.
