Britisches Pfund unter Druck: Märkte preisen BoE-Politik falsch ein
ING warnt vor übermäßig hawkisher Markterwartung an die Bank of England – erhebliches Aufwärtspotenzial für EUR/GBP.

Das britische Pfund steht unter erheblichem Druck. Analysten der ING warnen, dass die Märkte eine geldpolitische Lockerung durch die Bank of England (BoE) zu aggressiv ausgepreist haben. Der zweijährige GBP-Swap-Satz ist seit Beginn des Iran-Konflikts um 50 Basispunkte gestiegen – bis Jahresende werden nun keine Zinsänderungen mehr erwartet.
Hintergrund ist die enge negative Korrelation zwischen EUR/GBP und den Ölpreisen. Da das Vereinigte Königreich als besonders anfällig für steigende Energiepreise gilt, reagiert die BoE-Erwartung stärker auf geopolitische Entwicklungen im Nahen Osten. Angriffe des Iran auf Tankerschiffe haben die Ölpreise wieder über die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel getrieben und Versorgungsängste geschürt.
Laut ING birgt eine Deeskalation des Konflikts erhebliches Aufwärtspotenzial für EUR/GBP. Die Bewertungsmodelle der Bank zeigen: Ein Rückgang des Währungspaares unter 0,860 wäre nur dann gerechtfertigt, wenn die Märkte ernsthaft eine Zinserhöhung durch die BoE einpreisen würden. Zum Zeitpunkt der Berichterstattung notierte EUR/GBP bei 0,8629 – ein leichtes Plus von 0,05 Prozent.
UBS bleibt pessimistisch für das Pfund
Auch die Schweizer Großbank UBS hält an ihrer negativen Einschätzung für das Sterling fest. Für EUR/GBP setzt die Bank ein Kursziel von 0,89 zum Ende des zweiten Quartals, für GBP/USD ein Ziel von 1,31. Das kurzfristige Ziel von 0,88 für EUR/GBP zum Quartalsende dürfte angesichts der verbleibenden drei Wochen schwer erreichbar sein.
Für GBP/USD peilt die UBS 1,33 zum Ende des ersten Quartals und 1,31 zum Ende des zweiten Quartals an. Diese Prognosen basieren auf den aktualisierten EUR/USD-Erwartungen der Bank von 1,16 für beide Zeiträume. Aktuell gibt das Pfund gegenüber dem US-Dollar nach: GBP/USD fiel um 0,15 Prozent auf 1,3392.
Für deutsche Anleger mit Engagements in britischen Wertpapieren oder Sterling-denominierten Anlagen bleibt die Lage damit angespannt. Sowohl geopolitische Risiken als auch die Unsicherheit über den geldpolitischen Kurs der BoE dürften das Pfund kurzfristig belasten.
