Britische Börse: FTSE 100 enttäuscht 2023
Hintergründe, Gründe und Aussichten für das schwache Abschneiden des britischen Leitindex

Die britische Börse hinkt in diesem Jahr deutlich hinter anderen globalen Börsenindizes wie dem DAX und dem Euro Stoxx 50 her. Trotz positiver Aussichten auf sinkende Inflationsraten und potenzielle Zinssenkungen in Großbritannien hat der FTSE 100 seit Januar lediglich einen Zuwachs von 2,2 Prozent verzeichnet. Dies steht im starken Kontrast zu den beeindruckenden Gewinnen des Dax, der seit Jahresbeginn um 19,5 Prozent zugelegt hat, dem Euro Stoxx 50 mit einem Plus von 19 Prozent und dem US-amerikanischen S&P 500, der sogar um 23 Prozent gestiegen ist.
Die britische Wirtschaft mag zwar im Vergleich zu Deutschland und der Eurozone in den letzten Jahren schlechter abgeschnitten haben, dennoch sind die Aussichten für das kommende Jahr leicht optimistischer. Experten prognostizieren, dass die britische Wirtschaft im nächsten Jahr um 0,4 Prozent wachsen wird, was im Vergleich zu Deutschland eine leicht bessere Prognose darstellt.
Trotz dieser Aussichten und der Tatsache, dass drei Viertel der Erträge britischer Unternehmen außerhalb Großbritanniens generiert werden, hinkt der FTSE 100 anderen globalen Indizes hinterher. Dieser Trend ist nicht neu und begann bereits nach dem Brexit-Referendum im Juni 2016. Seitdem hat der britische Leitindex nur halb so viel Gewinn verzeichnet wie der Euro Stoxx 50.
Internationale Investoren haben im Laufe der Jahre rund 100 Milliarden Dollar aus britischen Aktien abgezogen, was auf das nachhaltige Desinteresse an britischen Unternehmen hinweist. Umfragen der Bank of America bestätigen, dass internationale Investoren ihre Bestände an britischen Aktien in ihren Portfolios massiv reduziert haben, im Vergleich zu den jeweiligen Indizes, die eine höhere Gewichtung vorsehen.
Selbst die Tatsache, dass britische Aktien seit einiger Zeit als unterbewertet gelten, konnte die Stimmung nicht verbessern. Obwohl der FTSE 100 vor kurzem gegen den Trend gestiegen ist, vor allem aufgrund der steigenden Aktienkurse der Ölgiganten BP und Shell, reicht es nicht aus, billig bewertet zu sein, um Investoren anzuziehen. Laut Kiran Ganesh von UBS Global Wealth Management ist Großbritannien "ein isolierter Markt im globalen Portfolio geworden, mit dem sich Anleger außerhalb Großbritanniens nicht wirklich befassen brauchen". Dies zeigt, dass der FTSE 100 vor großen Herausforderungen steht, um wieder in den Fokus internationaler Investoren zu gelangen.
