Blue Owls 1,4-Milliarden-Deal: Warum Anleger skeptisch bleiben
Trotz eines milliardenschweren Asset-Verkaufs bleibt das Vertrauen in Blue Owls Private-Credit-Geschäft erschüttert.

Blue Owl Capital hat im Februar einen Vermögensverkauf im Wert von 1,4 Milliarden US-Dollar angekündigt – doch der Markt zeigt sich weiterhin wenig überzeugt. Die Aktien des Vermögensverwalters sind seit der Bekanntgabe am 18. Februar um 27 Prozent gefallen. Neu bekannt gewordene Details zur Transaktionsstruktur werfen nun Fragen auf, die das Misstrauen der Investoren erklären könnten.
Das Geschäft sollte ursprünglich zwei Ziele erfüllen: Liquidität für einen angeschlagenen Fonds schaffen und gleichzeitig die Bewertungen der Vermögenswerte im gesamten Fondskomplex bestätigen. Doch das börsennotierte Flaggschiff-Vehikel Blue Owl Capital Corp. (OBDC) wird weiterhin mit einem Abschlag von 25 Prozent auf seinen Nettoinventarwert (NAV) gehandelt. Der Markt signalisiert damit, dass er den ausgewiesenen NAV für deutlich überhöht hält.
Käufer mit Interessenkonflikt
Zu den Erwerbern der Blue-Owl-Vermögenswerte zählen der Versicherer Kuvare sowie drei große öffentliche Pensionsfonds – darunter das California Public Employees' Retirement System (Calpers), eines der größten Pensionssysteme der USA. Genau hier liegt das Problem: Calpers und andere Käufer hielten bereits erhebliche Beteiligungen an denselben Vermögenswerten, die sie nun erwarben.
Laut mit der Angelegenheit vertrauten Personen lag die Überschneidung bei Calpers zwischen neu erworbenen und bereits vorhandenen Assets bei rund 70 Prozent. Das schafft einen klaren Interessenkonflikt: Ein Kauf mit einem deutlichen Abschlag hätte Abschreibungen auf die bestehenden Bestände erzwungen. Ein Kauf nahe dem Buchwert hingegen bestätigt die bisherigen Bewertungen und schützt die eigene Bilanz.
Strukturelle Schwäche am Private-Credit-Markt
Der Deal fand in einer Phase zunehmender Spannungen an den Private-Credit-Märkten statt. Private Credit – also direkte Unternehmenskredite abseits der Kapitalmärkte – ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen, steht aber zunehmend unter Druck. Bewertungen sind bei illiquiden Anlagen schwer zu überprüfen, was das Vertrauen der Anleger erschwert.
Für deutsche Privatanleger, die zunehmend über Fonds oder ETFs in den Private-Credit-Bereich investieren, verdeutlicht der Fall Blue Owl ein grundlegendes Risiko: Bewertungen illiquider Vermögenswerte können von den tatsächlichen Marktpreisen erheblich abweichen. Die Diskrepanz zwischen dem ausgewiesenen NAV und dem tatsächlichen Börsenkurs von OBDC zeigt, wie skeptisch institutionelle Investoren solche Bewertungen einschätzen.
