Bessembinder-Studie: Warum die meisten Einzelaktien Verluste bringen
Eine aktualisierte Langzeitstudie zeigt erneut: Nur wenige Aktien treiben die Marktrenditen – die Mehrheit vernichtet Kapital.

Die Botschaft ist bekannt, aber nicht weniger bedeutsam: Wer in Einzelaktien investiert, spielt statistisch gesehen ein Verliererspiel. Hendrik Bessembinder, Professor an der Arizona State University, hat seine wegweisende Studie zur Aktienperformance erneut aktualisiert – diesmal für den Zeitraum von 1926 bis 2025. Das Ergebnis bleibt konsistent: Die überwiegende Mehrheit der Einzelaktien hat über ihre Haltedauer Geld verloren.
Bessembinder hatte dieses Phänomen bereits in früheren Studien dokumentiert. Seine Untersuchung für den Zeitraum 1926 bis 2016 zeigte erstmals, dass der gesamte Vermögenszuwachs am US-Aktienmarkt auf eine kleine Minderheit von Titeln zurückzuführen ist. Die Folgestudie bis 2022 bestätigte diesen Befund. Die nun vorliegende Aktualisierung bis 2025 liefert denselben Befund – und unterstreicht damit die Robustheit dieser Erkenntnis über Jahrzehnte hinweg.
Was das für Anleger bedeutet
Für Privatanleger hat diese Forschung weitreichende Implikationen. Wer auf Einzelaktien setzt, muss genau jene wenigen Ausnahmetitel treffen, die überproportionale Gewinne erzielen – eine Aufgabe, die selbst professionellen Fondsmanagern selten gelingt. Die Studie liefert damit ein starkes Argument für breit gestreute Indexfonds (ETFs), die automatisch von den Ausreißern nach oben profitieren.
Die Erkenntnis erklärt auch, warum aktives Stockpicking so schwierig ist. Ein Markt, in dem wenige Gewinner die Verluste der Masse kompensieren, belohnt Diversifikation systematisch. Anleger, die auf Einzelwerte setzen, tragen ein erhebliches Konzentrationsrisiko – ohne dafür statistisch gesehen entschädigt zu werden.
Die FT-Chefredakteurin Roula Khalaf hob die Studie in ihrem wöchentlichen Newsletter als besonders lesenswert hervor. Bessembinders Forschung gehört damit weiterhin zu den meistzitierten Arbeiten in der empirischen Kapitalmarktforschung – und bleibt ein Pflichtlektüre für jeden ernsthaften Investor.
